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Australientour 2001

8. April 2002 — Zuletzt bearbeitet: 11. October 2007 | 3501x gelesen

Im Frühjahr 2001 machte ich einen dreiwöchigen Urlaub mit dem Motorrad durch Australien. Eigentlich wollte ich nach Neuseeland und hatte dafür auch schon alles gebucht – aber eine Woche vor Tourbeginn bekam ich einen Anruf, denn meine gebuchte Tour mußte leider ausfallen. Mit mir hatte eine Gruppe von 5 Leuten gebucht und einer hat sich kurz vorher das Bein gebrochen – da hat dann kurzerhand die ganze Gruppe abgesagt. Deswegen wurde es statt Neuseeland ‘nur’ Australien, aber ich war trotzdem sehr glücklich: Wärme, Moppedfahrn und den letzten günstigen Flug erstanden! Es konnte losgehen!

An eine vernünftige Reisevorbereitung war natürlich bei der Kurzfristigkeit nicht zu denken. Eigentlich habe ich mich mit meinem Reiseland erstmals am Frankfurter Flughafen beschäftigt, denn dort kaufte ich das GEO-Heft zum Thema ‘Australien’.

TourmapDie Reise dauerte vom 8. Februar bis zum 4. März. Dazwischen lagen 15 Fahrtage und 6 Ruhetage: insgesamt bin ich in dieser Zeit fast 6500km gefahren. Durchgeführt wurde die Tour von ‘BikeTours’ – sie führte mich von Melbourne über die Snowy Mountains zum Great Barrier Reef über Sydney zurück nach Melbourne.

Links seht ihr ein Bild von einer Karte mit eingezeichneter Reiseroute. Wenn ihr auf das Bild klickt, dann öffnet es sich in groß. Das funktioniert so mit allen Bildern in diesem Bericht! Alle Bilder können auch als separate Diashow betrachtet werden. Zum Start einfach auf das obige Bild klicken.

Die Tour fuhr ich auf einer 600er XT – seit dem weiß ich was Vibrationen sind! Ich fuhr mit einer Gruppe, die durch Zufall nur aus weiteren Deutschen bestand: Uwe, Gerd, Klaus, Volker und Eva. Eva war Sozia bei Volker und fuhr nur die letzten paar Tage selbst mit dem Motorrad. Wir wurden von Hardy betreut. Hardy transportierte unser Gepäck in seinem Jeep, verpflegte uns, kochte für uns und betreute unsere Moppeds! Wir mußten uns eigentlich nur um unsere Zelte kümmern und reihum gabs täglich wechselnden Abwaschdienst.

Auf den folgenden Seiten schreibe ich in einem persönlichen Tagebuch, was ich in dieser Zeit auf dieser Reise so alles erlebt habe. Dabei wünsche ich viel Vergnügen, denn es war ein schöner Urlaub mit zahlreichen Highlights.

Tag 1 bis 2: Hamburg – Melbourne

Es ist der 8. Februar 2001 als ich meinen Zug von Hamburg nach Frankfurt um 4 Minuten verpasse. Damit wird das Einchecken für den Flug nach Australien zur Glückssache! Apropos Glück: Eine S-Bahn ist im Bahnhof Dammtor so blöd liegen geblieben, dass heute keine ICEs am Hamburger Hauptbahnhof halten können. Alle Züge werden nach Harburg umgeleitet und haben Verspätung. Also nix wie rein in die S4, die gerade einfährt, und ab nach Harburg. Dort angekommen ist natürlich kein Hinweis welcher Zug auf welchem Gleis in welche Richtung fährt. Es gibt auch kein sichtbares Bahnhofspersonal. Ich höre Zugtüren – das typische Piepsen von ICE-Türen. Schnell renne ich mit meinem Gepäck – und als Moppedfahrer ist das ja einiges – zum entsprechenden Gleis. Atemlos frage ich den Zugbegleiter: “Nach Frankfurt?”, der nickt, ich steige ein, die Türen schliessen sich, Abfahrt – Urlaub!

Der Zug kommt mit einer halben Stunde Verspätung in Frankfurt an. So, jetzt zum Frankfurter Tiefbahnhof und mit der S-Bahn zum Flughafen. Im Tiefbahnhof fällt mir ein Rucksackbepacktes Päärchen auf. Da ich auch nicht besser aussehen kommen wir ins Gespräch. Andi und Nicki fliegen bis Dubai die gleiche Maschine, biegen aber dann ab nach Bangkog!

Beim Einchecken werde ich gefragt, ob ich einen Raucher- oder einen Nichtraucherplatz haben möchte. Erstaunt frage ich, ob es das denn noch gebe, dass auf so langen Flügen geraucht wird. Ich bekomme die freundliche Antwort: “Sie fliegen mit einer arabischen Fluglinie!” Achso! Alles klar!

Der Flug mit den “Emirates” ist sehr empfehlenswert. Bequeme und verstellbare Sitze (ich bin 1,95m), vielfältiges Bordprogramm und ein sehr gutes Essen. Natürlich sind einige Sachen gewöhnungsbedürftig: zum Frühstück ein scharfes Huhn ist nicht jedermanns Sache, neben dem freundlichen “Fasten Your Seat Belts” dröhnt durch die Lautsprecher ein bestimmendes mit vielen Rachenlauten durchsetztes Kauderwelch, dass sich nicht so freundlich anhört, der Sicherheitsfilm zeigt einen rauchenden Scheich, der beim gespielten Alarm entnerft seine Kippe ausdrückt und zur Sauerstoffmaske greift, neben der Anzeige, wie lange es noch ungefähr dauert bis wir ankommen, erscheint auch immer wieder der Hinweis, wo Mekka ist und wie weit Mekka weg ist. Trotzdem sehr entspannend – ich schaue mir “Charlie’s Angel”, “Meet the Parents” und die “Simpsons” an, denn es gibt 15 Videokanäle.

Nur die Personen rings um mich herum sind etwas nervig. Ich habe das Gefühl, dass Dubai das Mallorca für etwas wohlhabendere Personen ist. Ich fange jedenfalls sofort an englisch zu sprechen, denn mit dem typisch deutschen ignoranten Urlaubspack will ich nix zu tun haben. So geselle ich mich hin und wieder zu Andi und Nicki, die ja einige Reihen hinter mir einen Raucherplatz genommen haben.

Nach ungefähr 7 Stunden erreichen wir Dubai! Wir müssen alle die Maschine wechseln. Nach gut 2 Stunden Aufenthalt verabschiede ich mich von Andi und Nicki und mache mich auf zur zweiten Etappe. Der Flughafen in Dubai ist übrigens architektonisch gelungen, ein Einkaufsparadies für Elektronik und Goldsachen (eine Palme aus Goldbarren – sehr geschmackvoll) und es gibt nirgendwo Uhren.

Nach weiteren 8 Stunden landen wir in Singapur. Ich nutze die Gelegenheit mir eine halbe Stunde die Beine zu vertreten, bevor die dritte und letzte Etappe startet. Es ist gerade Regenzeit und es schüttet aus allen Rohren. Es gibt im Flughafen den “Cactus Garden” – eine Gelegenheit mal nach draußen zu gehen und frische Luft zu schnappen. Nach all den Stunden mit Klimaanlage will ich mir das natürlich gönnen. Ich öffne die Tür und viel weiter komme ich nicht! Eine Wand aus Feuchtigkeit läßt mich um Atem ringen. 25ɰC und 100% Luftfeutigkeit ist nichts für einen Norddeutschen, der eben noch bei 0 Grad im Winter war. Also wandle ich durch die Hallen des Flughafens. Es gibt an allen Ecken und Enden kostenlose Terminals, wo der Nutzer eines Palms drahtlos ins Internet gehen kann. Und überall stehen Schilder, dass Sitzplätze und Kofferwägen für ältere Menschen und Familien mit Kindern sind.

Die dritte Etappe ist etwas turbulenter und es gibt deswegen keinen Kaffee. Das Flugzeug erreicht die australische Küste und muss nur noch den Kontinent durchqueren, dann kommt die Landung in Melbourne. Das dauert 4 Stunden! Mit 45 minütiger Verspätung lande ich nachts um zwei Uhr in Melbourne. Eigentlich hatte ich mich mit Kurt – dem Chef von Bike-Tours – am McDonalds verabredet, aber der hat natürlich geschlossen. Nach etwas Rumlauferei werde ich plötzlich auf deutsch angesprochen: “Bist Du Stefan?” Das ist Kurt. Wir suchen noch Volker und Eva, die im gleichen Flugzeug waren wie ich und dann fahren wir zu unserer ersten Übernachtungsstelle in Australien – Castlemaine. Das ist gut eine Dreiviertelstunde Fahrt und liegt nördlich von Melbourne. Wir erreichen das nette Häuschen um 4 Uhr nachts.

Tag 3: Erste Tour rund um Castlemaine

Es ist der Samstag, der 10. Februar. Um 8.30 Uhr wache ich auf, dusche und gehe was zum Frühstücken organisieren. Es ist strahlendblauer Himmel und nur in kurzer Hose, T-Shirt und Sonnenbrille auszuhalten. 30° Temperaturunterschied zu Deutschland und viel zu wenig Schlaf – egal: Urlaub in Australien!

Castlemaine ist ein kleines Städtchen, aber die Bank hat hier auch Samstags auf. Ich tausche US$ in AUS$ und wundere mich: jeder Schein wird einzeln auf Echtheit kontrolliert, die Nummer jedes Scheins wird aufgeschrieben und ich muß angeben in welche Richtung ich die nächsten Tage fahren werde. Dafür gibt’s im Supermarkt, der hier bis 21 Uhr geöffnet hat, frischgepressten Orangensaft für 2,99AU$ (2 Liter). Das sind nur 80 Cents mehr als 2 Liter Fanta und es steht tatsächlich jemand hinter einer Saftpresse und drückt den Saft frisch in einen Kanister!

Die eigentliche Tour beginnt erst morgen, dann bekomme ich auch den Rest der Truppe zu sehen. Aber Volker, Eva und ich können uns schon die XTs nehmen und eine erste kleine Tour rund um Castlemaine unternehmen. So gewöhnen wir uns schon mal an den Linksverkehr. Wir fahren 160 km über gute asphaltierte Strassen mit wenig Verkehr: Castlemaine – Maldon – Newstead – Hepburn Springs – Daylesford – Bullarto – Trentham Falls – Tylden – Kyneton – Malmsbury – Elphinstome – Castlemaine.

Die XT hat kaum Dampf und fährt mit viel Mühe buckelrunter 130 km/h! Hier in Australien sind eh nur 100km/h erlaubt und alle halten sich dran. Geblitzt wird von Hinten und der Bußgeldbescheid wird auch noch in Deutschland vollstreckt.

Die Städte erinnern so ein bißchen an die guten alten Wildwest-Filme. Nur, dass wir mehr als nur eine Pferdestärke unter uns haben. In Daylesford essen wir was und fühlen uns an das amerikanische Springtime erinnert. Die Promenade fahren aufgemotzte Autos auf und ab und knapp bekleidete Girlies zeigen sich. Als wir wieder an unseren Moppeds sind, hält neben uns eine Teneré – der Fahrer ist mit Sandalen, Shorts und T-Shirt nicht gerade moppedtauglich angezogen. “I’m searching somebody for serios offroading!” Wir winken ab. Der Typ ist Holländer und mit seiner Maschine von Holland über den Landweg nach Australien gefahren – tatsächlich: der hat ein gelbes Nummernschild!

Tag 4: Melbourne

Der erste Tag unserer eigentlichen Tour führt uns zunächst nach Glenluce. Dort ist das Domizil von Bike-Tours. Glenluce besteht wohl aus 20 Häusern, aber nicht alle sind immer bewohnt. Wir lernen den Rest der Mitreisenden kennen: Gerd und Klaus. Und wir lernen unsere gute Fee der Tour kennen: Hardy – ein Norddeutscher, der seit vielen Jahren in Australien lebt. Später werden wir dann noch Uwe aufgabeln.

Railway Station MelbourneHeute fahren wir kein Motorrad, sondern mit dem Auto nach und durch Melbourne. Zunächst geht es zum Victoria Market und zur Elisabeth Street. Es ist zwar Sonntag, aber alle Läden haben geöffnet und wir können die letzten Erledigungen für unsere Reise tätigen.

BuildingsNatürlich können wir nur einen Bruchteil der Stadt sehen, denn Melbourne hat eine Ausdehnung von fast 100km und über 3 Mill. Einwohner. Von weitem sieht es der Frankfurter Skyline sehr ähnlich, nur dass es mehr Hochhäuser gibt und diese auch höher sind. Von nahem betrachtet fallen die unterschiedlichen Baustile auf, die hemmungslos aufeinander los gehen. Obwohl Australien ja erst seit relativ kurzer Zeit von sogenannten zivilisierten Menschen bevölkert wird, gibt es doch auffallend viele ältere Gebäude.

Wir fahren zum Botanischen Garten. Direkt neben an wird gerade geprobt: heute abend spielt AC/DC – aber auch morgen und übermorgen…

Flughunde - Fruit BatsIm sehr großen Garten hören wir irgendwann unbekannte Geräusche. Wir müssen ziemlich weit laufen, bis wir die Ursache sehen: Flughunde! Hunderte von Flughunden bevölkern den Garten. Aber die Tiere sind bedroht – sie sind zu laut und machen zu viel Dreck! Merkwürdige Begründung für eine Großstadt!

MelbourneDa ein großes Fest in Melbourne ist, gestaltet sich das Abholen von Uwe als schwieriger als vermutet. An einer Tankstelle endlich klappt es. Sein Akzent verrät ihn sofort: ein Hesse! Er wohnt ein Ort weiter als ich all die Jahre gewohnt habe. Na, das kann ja heiter werden.

Zurück in Glenluce bauen wir unsere Zelte auf, gehen gemeinsam schlecht asiatisch essen (Hardy wollte mal ein anderes Lokal ausprobieren) und früh ins Bett. Morgen geht es dann endlich los!

Die erste Nacht unter freiem Himmel – aufpassen vor den Schnacken! Über die deutschen Abwehmittel lachen die nur!

Tag 5: Glenluce – Jamieson (ca 280km)

Frühstücken, Zelt abbauen, Duschen – jetzt geht’s los!

Zunächst fahren wir gut asphaltierte Strassen, aber das sollte sich noch ändern. In Kyneton biegen wir in die Wildnis und fahren über Pyalong und Tallarook durch das Goulburn Valley nach Yea. Weiter geht’s die B340 nach Alexandra.

Runter zum Eildon Lake fahren wir eine Route, die Hardy uns verschwiegen hat. Warum eigentlich? Tolle Kurven runden das bisher erlebte ab. Wir treffen die ganze Strecke kaum auf Autos und bis auf anfängliche Orientierungslosigkeit läuft alles nach Plan.

Bevor wir von der größeren Straße abbiegen, hatte Hardy uns gebeten zu tanken, denn ansonsten reicht der Sprit nicht bis zur nächsten Mopped-Tränke. Also tanken wir und freuen uns mal wieder, dass der Sprit hier schon nicht mal 1AUS$ kostet. Bei den Preisen rechnet keiner den Spritverbrauch aus.

Dann kommt’s: ein schmales Sträßchen führt uns kurvenreich nach Jamieson. 60km reinstes Kurvenparadies. Wir treffen nur einige Radfahrer, sonst niemanden. Es hatte zwar ein wenig geregnet und die Strasse war noch nicht ganz abgetrocknet, aber das störte uns nicht. Bis die Schotterpiste kam und wir hinterher entsprechend aussahen.

Alles egal! Nach diesem Tag hat sich schon der ganze Trip gelohnt! Ich habe schon drei Papageien gesehen und Kakadus gibt es hier wie bei uns Amseln.

Der Campingplatz (-37ɰ18′16.9″ / 146ɰ08′13.0″ WGS 84) liegt direkt am Jamieson River und Hardy erzählt am Lagerfeuer Geschichten. Zum Beispiel die von dem Deutschen, der kaum englisch konnte. In einem Lokal bestellte dieser ein Bier mit den Worten “I want to have a beer!” und bekam zur Antwort “What kinda beer?”. Völlig entsetzt und enttäuscht rief der Deutsche: “Was? Kein Bier?”

Tag 6: Jamieson – Bogong National Park (ca 340 km)

Heute geht es in die australischen Alpen. Von Jamieson aus Richtung Mansfield, weiter die C521 Richtung Wangaratta, dann die B500 über Myrtleford nach Bright. Die Strasse hat den Beinamen “Great Alpine Road” und führt uns tatsächlich ins Hochalpine. Zumindest für australische Verhältnisse. Die Berge sind hier fast 2000m hoch und es wird recht kalt. Leider spielt auch das Wetter nicht so richtig mit, denn es ist nebelig. Aber wenigstens regnet es kaum. Wir fahren einen Aussichtspunkt an, aber im Nebel sieht man nicht allzu viel.

Bogong National ParkDie Landschaft hat was von Schweiz, aber gepaart mit schottischen Einflüßen. Das Schottische gewinnt die Oberhand, als wir am Mt. Beauty vorbei in den Bogong National Park einbiegen. Die letzten Kilometer fahren wir auf Schotter hoch hinauf zu unserer nächsten Übernachtungsmöglichkeit. Ein Buschcamp (-36ɰ55′43.5″ / 147ɰ18′16.8″ WGS84) auf ca 1700m Höhe ohne jeglichen Komfort.

Dieses Buschcamp überrascht uns, weil es knapp über der Wolkendecke ist und wir deswegen im herrlichen Sonnenschein unsere durchgeschüttelten Knochen erwärmen. Leider bedeutet hier oben in der intakten Natur Sonnenschein auch gleichzeitig das reichliche vorkommen von fliegenden Insekten.

Jeder versucht sein Zelt so gut wie möglich zwischen Schafscheisse aufzustellen und die feuchten Klamotten zum Trocknen an Bäumen aufzuhängen. Bei diesem Wind gelingt letzteres nicht allen gleich gut.

Wir gehen recht früh in die Schlafsäcke, denn die Nacht ist sehr kalt!

Tag 7: Bogong – Tumut (ca 410km)

Zunächst geht es 70km über Schotterpiste. Nachdem wir die letzten Tage schon etwas geübt hatten auf Schotter zu fahren und uns Uwe noch einige Tipps gegeben hatte (Uwe ist mit seiner Husquarna mal quer durch Nordafrika gefahren), ging das Schotterfahren auf dem typischen “High Speed Gravel” schon sehr anständig. Immerhin ist der Schotterbelag ein durchaus typische Belag für Australiens Strassen und die Geschwindigkeitsbeschränkung von 100km/h gilt auch hier!

Übermütig liefere ich mir mit Gerd ein Rennen und wir flitzen über den Schotter und durch die Kurven, als ob wir noch nie was anderes gemacht hätten. Dabei fährt Gerd zu hause ein Schopper und mit seinen fast 50 Jährchen ist das wohl auch eher sein Gefährt! Aber der Kerl ist einfach nicht abzuhängen. Er hängt an meinem Hinterrad, egal wie schnell ich über die Piste brettere. Schon längst haben wir die anderen Drei weit hinter uns gelassen.

Yamaha XTsNoch 5 km Schotter, dann hat der Spaß ein Ende. Denkste! Just als ich dies dachte, wird der Schotter kurz vor einer Linkskurve plötzlich gröber. Für diese Situation war ich zu schnell und hatte zuwenig Erfahrung. Bevor ich gegen den Fels knalle, lege ich mich lieber ab. Ich komme rücklings zum Liegen, das Mopped halb auf mir, aber wo ist Gerd? Der war doch eben noch hinter mir? Ich schaue vor mich, in der Hoffnung, dass Gerd an mir vorbeifahren konnte und nun lächelnd auf mich hinab sieht. Aber da ist kein Gerd. Ich schaue rechts von mir und da sehe ich Gerds Maschine. Der Motor läuft noch, aber wo ist Gerd? DA! Direkt vor mir ist ja ein 1m tiefer Graben, den ich ja extra vermieden habe, um da nicht reinzuknallen. Dort erscheint plötzlich eine schwarze Gestalt – es ist Gerd. Der Arme muß kopfüber in den Graben gefallen sein. Ich habe ein sehr schlechtes Gewissen!

Gerd und ich haben uns gerade aufgerappelt und uns davon überzeugt, dass uns nix geschehen ist, da kommen auch schon die anderen. Gemeinsam richten wir die Kisten wieder hin, denn es ist eigentlich nur mein Kupplungshebel verbogen. Bei Gerd ist gar nichts am Mopped. Wir haben wirklich viel Glück, aber auch unseren Spaß gehabt. Jedenfalls machen wir uns nicht die Mühe die Spuren des Unfalls zu verwischen, denn uns ist klar, dass Hardy – der mit seinem Jeep ja hinter uns fährt – trotzdem alles erkennen würde!

Wir fahren weiter durch entlang der Bowen Mountains durch den “Alpine National Park” nach Corryong. Zwischendurch rasten wir zur Nahrungsaufnahme in einem kleine Örtchen. Hardy holt uns ein und stellt seinen Jepp ab. Ohne uns zu grüßen geht er an uns vorbei – fragt nur kurz “wer hat sich hingelegt?” – direkt auf die Maschinen zu. Er ist erleichtert, dass so gut wie nix passiert ist.

Ab mittags fängt es an zu regnen und hört nicht mehr auf. Wir verlassen den Staat Victoria und begrüßen New South Wales. Durch den “Kosciuszko National Park” schlängeln wir uns nach Cabramurra – dem höchsten Ort in Australien auf etwas über 2000m Höhe. Alle sind völlig durchnäßt und frieren. Ich bin dank meiner relativ neuen Gore-tex-Klamotten der einzige, der noch Trocken ist – aber auch ich habe nur ein T-Shirt an! Im einzigen offenen Shop hier oben kauft Gerd sich einen neuen Pullover und Uwe ein Regenponcho! Uwe ist ja auf Regen mit seinen Cross-Klamotten überhaupt nicht eingestellt. Mit seinem Regenponcho ist er zwar unserem Spott ausgesetzt, aber “hauptsache der Sack bleibt trocken”!

Rings um Cabramurra ist das Skigebiet von Australien – direkt neben einem großen Parkplatz gehen die Schlepplifte hoch. Und links von den Schleppliften steht das Krankenhaus – sehr durchdacht, das ganze!

Es geht weiter den “Snowy Mountains Highway” nach Tumut. Vor Tumut gibt es eine gefährliche Abfahrt mit scharfen Kurven und glattem Asphalt. Gerd legt sich erneut hin und diesmal geht nix mehr. Das Heck hängt nur noch lose rum und er kriegt die Maschine nicht wieder angeschmissen. Hardy sammelt ihn auf.

Kurz vor Tumut verlässt man das Hochalpine und fährt durch eine grüne Ebene. Überall Kanguruhs und es sieht ein bißchen nach Jurassic Park aus. In Tumut (-35ɰ17′39.7″ / 148ɰ13′17.1″ WGS84) angekommen entschliessen wir uns gemeinschaftlich das Zelten heute sein zu lassen. Wir mieten uns zwei Blockhütten und jeder darf mal an die Heizung. Beim Abendessen gesellen sich einige Possums zu uns, aber leider ist es zu dunkel, diese netten zutraulichen Tiere zu fotografieren.

Tag 8: Tumut – Burrendong Dam (ca 390km)

Wenigstens regnet es nicht! Alle Klamotten sind über nacht halbwegs trocken geworden und so kann es weiter gehen.

Über Cootamundra geht es entlang der Olympic Highway nach Cowra. Irgendwie bin ich heute genervt. Ich habe aus Deutschland gehört, dass meine Website nicht funkioniert. Deswegen setze ich mich von der Gruppe ab und gehe in Cowra zur örtlichen Bibliothek. Ich frage, ob sie einen Internetanschluß haben und ob ich das nutzen könnte. Ja, in einer halben Stunde wird ein Rechner frei, den ich für eine Stunde in beschlag nehmen kann. Das nutze ich gern. Zur Überbrückung gehe ich zum KFC und eine Stunde später ist meine Site wieder funktionstüchtig. Und das beste: für die Internetstunde mußte ich schon nicht mal was bezahlen!

Burrendong DamIch drohe sehr früh am Camp zu sein und deswegen verfahre ich mich absichtlich. Mitten im Nirwana mache ich Rast und beobachte Vögel. Als ich einige Tiere fotografieren will merke ich, dass mein Objektiv beschlagen ist – von innen. Es war die letzten Tage wohl doch etwas sehr feucht!
Ich lasse für 10 Minuten die Sonne auf das Objektiv scheinen, dann ist auch die Feuchtigkeit Geschichte.

Obwohl ich mir nun richtig viel Zeit lasse komme ich trotzdem als erster am Camp an. Uwe kommt gleich nach mir, aber bis die anderen kommen sollten noch Stunden vergehen. Mir ist es egal, denn der Campingplatz ist in einem Park. Man muß mit dem Bike zur Toilette oder zu Dusche fahren, aber am See ist es einfach wunderschön. Ich lege mich auf meine Matte, höre Zappa und als bei Dämmerung die Kanguruhs vorbeihoppeln, fühle ich mich um Hunderte von Jahren in die Vergangenheit versetzt.

Tag 9: Burrendong Dam – Warrumbungle National Park (ca 220km)

Dieser Tag ist langweilig. Es geht 200km fast nur geradeaus. Bei einer Rast in Dubbo beobachten wir Kakadus in großeren Scharen. Den Oxley Highway entlang geht es weiter nach Norden.

Es ist super heiß und die Sonne brennt! Dankenswerterweise ist es sehr windig, so dass es halbwegs erträglich wird.

Die Sternwarte im National Park ist auch enttäuschend, denn man sieht nicht wirklich was. Allein die Strecke zur Sternwarte ist nett und der Blick von dort oben ist auch toll.

Während die anderen im Warrumbungle Park eine kleine Wanderung machen, fotografiere ich Kanguruhs. Ich freue mich, denn ich komme an die scheuen Tiere in gebückter Haltung bis auf einen Meter heran.

Kanguruhs Funny KanguruhKanguruh with its child

Wir übernachten direkt im Warrumbungle National Park (-31ɰ16′40.9″ / 148ɰ59′57.4″ WGS84).

Tag 10: Warrumbungle – Tenterfield (ca 520km)

Boring part of the journeyWas für ein Tag! Über 500km fast ausschließlich geradeaus! Es ist so langweilig, dass ich fast auf dem Bock einschlafe. Es geht so lange geradeaus, dass schon die geringste Fahrtrichtungsänderung zur Konzentrationsübung wird.

Fährt man aus einem Ort raus, steht dort ein Schild “Next McDonalds 75 minutes” – das ist dann also die nächste menschliche Ansiedlung! Bis dahin 100km/h, geradeaus…

Die letzten 100 km werden wenigstens landschaftlich etwas interessanter.

Wir fahren den New England Highway bis Tenterfield (-29ɰ03′46.7″ / 152ɰ00′59.2″ WGS84).

Hardy bemerkt, dass mein hinteres Radlager ausgeschlagen ist und erneuert es.

Die letzte Nacht in New South Wales endet mit leichtem Regen.

Tag 11: Tenterfield – Nanango (ca 350km)

Erstmal die Uhr umstellen, denn in Queensland gibt es keine Sommerzeit.

Recht interessante 350km durch “The Sunshine State”. Es regnet und ist schwül warm, manchmal scheint auch die Sonne. Mal ist es angenehm, mal ist es nass.

Bird in NanangoDa Sonntag ist und wir nicht weit weg von Brisbane sind, sind jede Menge Moppedfahrer unterwegs. Meistens Harleys, aber auch eine Ypse. Sehr witzig, denn weil die Australier ja immer nur hundert fahren kommt der Kerl mit seinem Hobel nur wackelnd um die Kurve. Wir können ihm mit unseren XTs einen heißen Kampf liefern und lange Paroli bieten!

Wir fahren über Warwick, Gatton, Esk nach Woodford. Wir biegen von der großen Hauptstrasse ab und fahren den “Fruit Run” entlang. Durch den Regen entfallten sich die verschiedenartigsten Gerüche. Jede Menge Zitrusfrüchte zieren den Weg – riesige Obstplantagen.

Wegen des Regens übernachten wir nicht wie geplant in einem Buschcamp, sondern auf einem sehr gepflegten Campingplatz in Nanango (-26ɰ40′47.8″ / 151ɰ59′55.6″ WGS84). Das Wetter ändert sich minütlich und wir machen ein nettes Barbeque in einer überdachten Ecke. Es gibt viele Vögel in sehr kräftigen Farben. Es ist sehr schön, trotz des nicht überragenden Wetters.

Tag 12: Nanango – Tannum Sands (ca 500km)

Die letzte Etappe bis zum Meer und dann ist auch schon Halbzeit der Tour. Noch einmal 500km, die recht abwechslungsreich verlaufen. Das Wetter wird besser und wärmer. Es gibt viel zu fotografieren und nette Kurven.

Wir fahren relativ viel auf Schotterpiste und müssen mit dem Tanken aufpassen. Zwischendurch gibt es mal fast 150km keine Biketränke – das will geplant sein, denn die XT hat keine besonders große Reichweite.

Lustig finde ich eine Baustelle am Rande der Schotterpiste. Der Strassenbelag ändert sich nicht und die Strasse wird nur geringfügig enger – trotzdem ist im Baustellenbereich 30km/h angesagt. Sonst wie immer 100km/h!

Ich denke darüber nach, dass die Strassen so schnell nicht wieder so leer sein werden, denn an der Ostküste ist schon mehr los. Immerhin leben 95% der Australien angeblich nur maximal 50km von der Küste entfernt. Jedenfalls habe ich sehr genossen, dass man sein Bike mit Gepäck unbeaufsichtigt stehen lassen kann. Ich habe das Gefühl, dass die Kriminalitätsrate hier wirklich sehr gering ist. Mal schauen, ob sich das entlang der Küste ändert.

Tannum SandsEin LKW hat die Strecke vor mir befeuchtet, damit es nicht so staubt. Toll, denn jetzt sehe ich aus wie die Sau!

Volker fährt einmal quer durch einen gerade startenden Schwarm Papageien. Denkbar knapp kommt er da ohne Schaden durch!

Dann endlich ein erster Blick auf’s Meer. Der Campingplatz in Tannum Sands (-23ɰ57′21.0″ / 151ɰ22′34.0″ WGS84) bei Gladstone liegt direkt am Meer und wir werden dort einige Tage unsere Zelte aufschlagen, während wir nach Heron Island rüberschippern. Nach 3200km ist Halbzeit. Mein grobstolliger Reifen ist viereckig und meine Klamotten werden durch einen heftigen Wascheinsatz auch wieder sauber.

Tag 13 & 14: Heron Island

Es folgen zwei moppedlose Tage am südlichen Wendekreis unserer Erde auf einer Insel, die zum Great Barrier Reef gehört. Allein wegen den Erlebnissen dieser Tage würde ich wieder nach Australien fahren!

Wir fahren nach Heron Island mit einem Katamaran-Motorboot. Diese Boote können sehr schnell fahren und trotzdem wird die Überfahrt fast drei Stunden dauern. Hinzukommt, dass auf der Insel wieder eine andere Zeit ist, als in Queensland. Insgesamt bleiben uns also nur ungefähr 24 Stunden auf der Insel.

Beim Einchecken für die Überfahrt werden Tablette gegen Reiseübelkeit verteilt. Es ist ein strahlend blauer Himmel und als Wellenhöhe wird 1,8m angegeben. Das kommt mir nicht viel vor. Tatsächlich beginnt die Fahrt sehr ruhig, aber dann kommen wir aufs offene Meer. Nach einer Viertelstunde sind alle Toiletten besetzt und alle Tüten voll. Mir geht es noch relativ gut, aber irgendwann beginnt auch mein Magen zu rebellieren. Ich verziehe mich aufs untere Deck, wo es viel zu kalt klimatisiert ist, aber ich kann mich hinlegen. Ich konzentriere mich und kann sogar einschlafen.

Heron IslandAuf Heron-Island angekommen bin ich sofort fasziniert und tief beeindruckt. So stellt man sich die Südseeinsel aus der Werbung vor, nur dass man hier im Einklang mit der Natur leben muss. Der Mensch ist hier wirklich nur Gast. Unbeirrt bleiben die abertausenden Vögel auf Wegen und Bäumen sitzen, wenn ein Mensch vorbeikommt. Man muss sich formlich den Weg durch die Vögel bahnen. Heron-Island ist ein Naturreservat und bietet für den Besucher ein nettes Ambiente.

GlasbodenbootSchnell wird klar, dass hier keine Erholung angesagt ist. zuviel wird geboten und die Gelegenheit soviel zu sehen hat man nicht alle Tage. Schnell esse ich was zu Mittag, denn in 15 Minuten fährt das Glasbodenboot. Eine Safari mit Fischen. Schade, dass die dicken Glaswände sehr viel von den Farben wegnehmen. In der einen Stunde mit dem Boot sehen wir 7 Schildkröten und ungefähr 20 verschiedene Fischsorten. Alle mit unterschiedlichen Formen und Farben. Auch die unterschiedlich gefärbten Korallen sind sehr beeindruckend.

Nach der Bootstour geht’s zum “Bird-Walk”, wo ich viele Hintergrundinfos zur Insel erhalte. Dann noch ‘ne Runde schwimmen. Da mein Körper völlig aufgeheizt vom Tag an der Sonne ist, scheint das Wasser kalt zu sein. Ich sage “Brrr ist das kalt” halblaut vor mich hin. Da kommt zufälligerweise eine Frau vorbei und meint “Nicht wahr, nur 27° Wassertemperatur – da hätten wir ja gleich an der Ostsee bleiben können!” Recht hat sie!

Das Essen auf Heron-Island ist grandios! Vor allem der mehrfach gebackene Schokoladenkuchen hat es mir angetan. An der Bar genehmigen wir uns noch ein Bierchen, denn schnell wird klar, dass die Vögel keinen Feierabend machen. Deswegen liegen auf den Zimmern auch Ohrstöpsel! Gerd und Uwe erzählen von ihrer “Wine & Cheese Cruise”, wo sie bei Sonnenuntergang sauren Wein und 7 verschiedene Käsesort gereicht bekommen haben. Eher was für verliebte – aber beim Preis von 40AUS$ für diese Minibootstour fühlten sie sich doch leicht verarscht. Aber die beiden haben natürlich das beste draus gemacht.

Überhaupt ist diese Insel sehr tückisch. Alles erscheint problemlos und easy zu sein, aber eigentlich alles kostet Geld – man zahlt aber nicht direkt, sondern erst bei der Abfahrt. Da heißt es mitdenken!

Am nächsten Morgen geht der “Stress” weiter. Nach einem vorzüglichen Frühstück und viel Spaß mit Uwe beim Beobachten der anderen Gäste und natürlich dem entsprechenden Ablästern, leihen wir uns eine Schnorchelausrüstung. Wir üben am Nordstrand der Insel und ich habe einen Heidenrespekt. Irgendwie habe ich die letzten 20 Jahre geglaubt, dass ich nicht Schnorcheln kann, weil ich entweder keine Luft bekomme oder Wasser einatme, wenn ich den Kopf unter Wasser nehme. Nach einer Viertelstunde hektisches Atmen durch den Schnorchel nehme ich den Kopf unter Wasser. Holla! Das funktioniert! Anfangs noch sehr hektisch, aber schon bald werde ich ruhiger.

Yellow Fish SchoolWir fahren mit dem Boot raus und werden an einem Riff rausgelassen. Das Training und die Überwindung haben sich gelohnt. Das Erlebnis ist unbeschreiblich. Ich fühle mich mit den Fischen vereint und verlieren jeden Sinn für Zeit und Raum. Bald traue ich mich auch mal zu tauchen. Wenn die Sonne rauskommt, werden die Farben besonders kräftig. Es ist noch besser als im Glasbodenboot, denn es ist individueller und man ist mittendrin. Die Korallen sind gerade mal anderthalb Meter unter einem und man muß aufpassen mit seinen Flossen nichts kaputt zu machen. Die Formen und Farben sind sehr unterschiedlich. Es ist dort übrigens sehr laut, denn die Luftblasen, die an die Oberfläche steigen, machen unter Wasser einen Höllenlärm!

Wrack at Heron IslandNach einer dreiviertel Stunde schwimme ich erschöpft und beeindruckt zurück zum Boot. Ich hätte niemals gedacht, dass soviel Zeit vorüber gegangen ist.

Gerne hätte ich auf dieser Insel noch einen Tag drangehängt und wäre nochmal Schnorcheln gegangen. Dann hätte ich auch eine Unterwasserkamera mitgenommen, die es auf der Insel zu kaufen gibt.

Zurück zur Insel, wieder ein leckeres Mittagessen und schon geht es zurück nach Gladstone. Vorher muß natürlich noch bezahlt werden und das geht – wie zu erwarten war – schief. Irgendwie wollen die uns noch mehr Geld abnehmen, als wir eh schon auf der Insel gelassen haben. Wir bleiben beharrlich und bekommen unser Recht. Trotz dieser Geldmacherei ist die Insel sehr empfehlenswert – aber nicht wirklich günstig.

Auf der Rückfahrt weiht Eva mich in einige Geheimnisse des Tauchens ein und Gerd nimmt trotz der gemäßigten Wellenhöhe von 1,2m lieber den Hubschrauber.

Parot - PapageiZurück auf dem Campingplatz fahre ich eine Runde mit meinem neuen Reifen und kaufe eine australische Mückenlotion – endlich mal etwas, was hilft. Hier gibt es nämlich die berüchtigten Sandflies. Die sind so klein, dass man sie nicht hört, geschweige denn sieht. Aber am nächsten Tag sieht man aus, als ob man Masern hätte.

Achja – Uhr umstellen nicht vergessen!

Tag 15: Tannum Sands – Rainbow Beach (ca 380km)

Da habe ich mir doch gestern beim Schnorcheln den Rücken verbrannt. Klar hatte ich ein T-Shirt an, aber man kann trotzdem sehen, bis wohin ich eingecremt war. Ich sehe aus wie ein Krebs und fühle mich auch nicht besonders gut.

It's really hot!Wir fahren, wie auch die nächsten Tage, immer die 1 entlang – den Bruce Highway. Es ist sehr heiß! Kurz hinter Miriam Vale – der “Hometown of Gary Larson” erblicke ich das ultimative Hitzebild. Ein Pferd steht bis zum Bauch im Wasser und nagt an Seerosen. Etwas Gegenlicht, aber es ist trotzdem recht gut gelungen.

Natürlich sind die anderen nun weit vor mir, aber das macht ja nichts. Die Gefahr sich zu verfahren ist eher minimal.

Kurz vor Childers treffe ich auf Uwe und Gerd. Wir kehren in ein Tea-House ein und quatschen uns fest. Neben dem interessanten Gespräch fällt die Merkwürdigkeit der Lokalität auf. Wir werden von offensichtlich verschüchterten Jugendlichen sehr höflich bedient, der Koch ist wohl der Herr Papa – der mit seinen geschätzen 80 Jahren aber auch … so wie die Kinder aussehen … aber lassen wir das. Im Tea-House sitzt in einer Ecke das lokale Kaffeekränzchen zusammen, die über Recht und Ordnung der kleinen Stadt zu filosofieren scheinen. Jedenfalls sitzen da bestimmt 1000 Jahre zusammen.

Sand road at Rainbow BeachAuf dem Weg nach Rainbow Beach fahren wir kilometer lang durch den Wald. Dann kommt die Härteprobe des Tages.

Eine Sand-Schotter-Piste quer durch den Wald, die eigentlich nur für 4Wheel-Drive-Fahrzeuge geöffnet ist. Die Piste ist so schmal, dass ein Motorrad und ein Auto nicht nebeneinander passen. Einige Mal kommt uns ein Auto entgegen und einer muß immer in den Busch. Es ist supr anstrengend, aber dank Übung und weiteren Tipps von Uwe kommen wir gut voran. Ich überstehe die Tortour überraschend einfach und werde auch nicht nervös, wenn der Lenker mal quer steht.

Jetzt weiß ich jedenfalls, dass Moppedfahren Sport ist. Nach der Fahrt bin ich schweißgebadet und mein Visier beschlägt von innen. (Nein, Visier öffnen ging nicht, denn es waren sehr viele fliegende kleine Tiere unterwegs!)

Der Campingplatz (-25ɰ54′13.8″ / 153ɰ05′31.8″ WGS84) ist sehr nett und hat seit neustem einen Pool. Eine äußerst willkommene Abwechslung für die triefenden Körper.

Tag 16: Rainbow Beach – Lennox Head (ca 520km)

Die Sandpiste gestern war wohl nur zur Übung. Es folgen die härtesten 32km dieser Tour. Es hatte über Nacht geregnet und selbst Hardy war der Meinung, dass er diese Schotter-Sand-Piste noch nicht in so schlimmen Zustand gesehen hat.

Einmal haut es mich fast hin, aber ich bleibe auf der rechten Fußraste so gerade noch stehen und kann ab Gashahn ziehen – geschafft. Dann kommt eine Pfütze. Viel zu spät erkenne ich, dass die größer und damit auch tiefer sein wird als zunächst gedacht. Aber es gibt keinen Ausweg, denn sie überzieht den ganzen Weg. Also mittendurch: ich stelle mich kräftig aufs Bike und verlagere mein Gewicht. Bamm! – da knallt mir das Wasser die Füsse weg. Ich hänge bäuchlings auf dem Ding, bekomme die Wasserladung oben in die Jacke rein und drehe nur noch am Gas – nur nicht umkippen! Ich schaffe es! Schnell schaue ich in den Rückspiegel, denn Gerd ist – mal wieder – hinter mir. Was macht er? Den gleichen Mist wie ich – große Klasse! Sowas kann man natürlich nicht auf Foto oder Film bannen – schade eigentlich! Nach diesen 32km ist wirklich jeder froh es geschafft zu haben und wir machen erstmal Rast!

Wir fahren die A1 die Goldküste entlang. Bei Brisbane wirds vierspurig und der Verkehr hat Deutschlandausmaße. Aber alles fährt etwas langsamer. Kurz hintereinander kommt Dreamworld, Movie World, Seaworld und ein Park nur mit Wasserrutschen. Das macht Sinn, denn es ist mal wieder sehr heiß.

Surfer's ParadiseEs geht weiter nach Surfer’s Paradise – neben Alice Springs wohl einer der am häufigsten beschriebenen Orte in Australien. Hier zählt nur eins – Surfen!

Surfer's ParadiseIch bin nur noch erschrocken, denn soviel Beton direkt am schönen Strand hätte ich nicht erwartet. Dutzende von Hotels stehen hier. Abends müssen hier die heftigsten Partys steigen, aber jetzt ist es mittag und viel zu warm für irgendwas.

Ich setze mich mit Gerd und Uwe in ein Cafe an der Strandpromenade und wir schauen den hübschen Frauen hinterher. Unser Thema heute: “außerehelicher GV” – ein anderes Thema kommt an diesem Ort auch wirklich nicht in Frage!

Bay somewhere in AustraliaDurch Zufall fahren wir durch Point Danger – Grenze zwischen Queensland und New South Wales. Mitten durch den Ort geht die Zeitzone und wir stellen die Uhr mal wieder. Auf unserem Weg nach Lennox Head kommen wir durch Byron Bay – einem der letzten Reservate für Hippies. Und wir machen einen Abstecher zum Lighthouse.

Most easterly point of AustraliaDas Lighthouse ist der östlichste Punkt des australischen Festlandes. Weil Uwe gerne 50 Cents für den Parkplatz sparen möchte, keuchen wir bei sengender Hitze in Moppedklamotten einen steilen Anstieg hoch. Uwe, das werde ich Dir nie vergessen!

In Lennox Head (-28ɰ47′07.8″ / 153ɰ35′19.3″ WGS84) angekommen gibt es lecker Essen und dann geht es in den Pub, denn morgen ist Fahrpause.

Es spielt eine tolle Band, die richtig Stimmung macht. Man hat das Gefühl, der ganze Ort wäre im Pub. Das Publikum ist zwischen 18 und 80.

Ich erlerne einige Geheimnisse des Footies, trinke etwas viel von dem Dunklen und amüsiere mich prächtig.
Tag 17: Lennox Head

Ein Tag Pause zum Regenerieren. Nach dem Frühstück gehen wir an den Strand und freuen uns über feinen Sand und 3-5m hohe Wellen. Wir haben jede Menge Spass. Die Sonne knallt so heftig, dass ich das Gefühl habe durch das T-Shirt einen Sonnenbrand zu bekommen. Ich schreibe einige Karten und gemeinsam überreden wir Hardy zu einer Fahrt im klimatisierten Auto. Wir setzen uns in ein nettes Café und essen Cheesecake.

Beim nächsten Wellengang treibt es mich etwas zu weit hinaus und ich habe meine liebe Mühe wieder ans Ufer zu kommen. Am Abend haben alle einen Sonnenbrand und die Moskitos sind unerträglich. Die anderen gehen wieder in den Pub – ich gehe lieber früh schlafen.

Tag 18: Lennox Head – Bootie Bootie (ca 500km)

Die Fahrt nach Bootie Bootie gestaltet sich äußerst langweilig. Schon früh verliere ich die anderen. Ich fahre allein voraus und mache auch nur kurz Rast zum Tanken und für ein Mittagsschläfchen. Gegen 4 Uhr habe ich die 500km geschafft. Der Campingplatz (-32ɰ18′37.9″ / 152ɰ31′13.3″ WGS84) gehört zum Bootie Bootie Nationalpark und liegt auf einer Landzunge. Er ist direkt am Meer und ich nutze die Einsamkeit und springe in meine Badehose. Der Sand knirscht unter meinen Füßen und ich entdecke zwei kleine Krebse. Außer mir scheint hier niemand zu sein – zumindestens die nächsten 5 km.

Es dauert eine Ewigkeit bis die anderen kommen. Wahrscheinlich haben sie sich in “Big Banana” aufgehalten. Wir sind heute nämlich durch kilometerlange Bananenstauden gefahren. Nach anderthalb Stunden kommt zunächst Hardy, denn auch Gerd und Uwe.

KookabooraWährend Hardy das Essen vorbereitet bekommen wir Besuch von Kookaboora – dem lachenden Hans. Der schreit fast wie ein Affe und ist auch ähnlich frech. Es kann passieren, dass er im Flug die Wurst vom Brot klaut, dass Du gerade zum Mund führst. Uns klaut er nur den Salat.

Es zieht sich zu. Um halb zehn verschwindet alles in die Zelt, denn es fängt mal wieder an zu regnen. Ich höre noch etwas Musik und merke, wie es in mein Zelt reinregnet. Die Halter der Innenzeltes sorgen dafür, dass das Wasser sich reindrücken kann. Ich hänge die Halter aus, das Zelt wird etwas kleiner, aber es ist nun trocken.

Tag 19: Bootie Bootie – Sydney (ca 370km)

CurveAm Morgen hat es sich wieder aufgeklärt. In der ersten Kurve ist Uwe gedanklich abgelenkt und fährt auf der rechten Seite. Natürlich brüllen wir, aber es nutzt nichts. Uwe merkt seinen Fehler erst, als ein Auto kommt. Glücklicherweise passiert nichts. Es ist Uwes letzter Tag auf unserer gemeinsamen Tour, aber das wäre fast ein ungeplantes Ende gewesen. Uwe wird in Sydney sich mit Freunden treffen.

Die Strecke beginnt kurvig und somit spaßig. Bald kommen wir allerdings wieder auf die A1 und weil uns das zu langweilig ist, nehmen wir den Umweg über The Entrance. So fahren wir wenigstens wieder am Meer entlang.

Sydney wirft allmählich seine Schatten voraus. Der Verkehr wird merklich dichter. Außerdem ist es wieder sehr heiß geworden. Das Thermometer zeigt 30ɰC. Auf einem Schild steht “Welcome to Sydney” und keine 50 Meter dahinter ein weiteres: “City 22km”. Wir fahren quer durch die Stadt. Natürlich fahren wir auch über die Harbourbridge (2,20$) – schön links halten, damit man die Oper mit der Skyline sehen kann. Ich stelle mich, um einen besseren Blick zu bekommen.

Opera SydneyUwe meint, dass die Oper mit der mächtigen Skyline im Hintergrund eher wie eine bessere Imbißbude aussieht.

Mehr sehen wir von Sydney erstmal nicht, denn die Strasse verläuft unterirdisch. Wir fahren hinter Sydney eine Bucht rein, um morgen mit der Fähre relativ problemlos nach Sydney reinzukommen. Der Weg zum Campingplatz ist sehr kurvig und sehr idyllisch gelegen. Der Campingplatz selbst ist eine Katastrophe und Bausstelle.

Uwe wird von seinem Freund abgeholt. Wir verabreden, dass er sich in Siegen mal mit Gerd trifft und die beiden dann mit Gerds Porsche zum Diaabend bei mir in Hamburg vorbeikommen.

Tag 20: Sydney

Zunächst fahren wir von Bundeena mit dem Boot und dann mit der Bahn weiter nach Sydney. Das Wetter wird rechtzeitig wieder schön. Die Bahn muß eine Zwangspause einlegen, weil auf der Strecke eine andere Bahn liegen geblieben ist. Es kommt sofort eine Durchsage und niemand murrt. Es ist immerhin recht früh und man kann vermuten, dass viele Berufstätige in der Bahn sitzen. Einige steigen aus zum Rauchen und werden rechtzeitig vor der Weiterfahrt wieder reingerufen. In der Bahn kann man die Rückenlehne der Sitzbank übrigens so variieren, dass man Vierergruppen bilden kann.

Sky-Tower SydneyWir fahren zuerst mit der Monorail eine kleine Runde durch die Stadt, um einen besseren Überblick zu bekommen. Danach geht es auf 1000ft hoch über die Stadt in den Sky-Tower. Der Spaß kostet 19,80$, aber dank der Monorail-Tickets gibt es 20% Rabatt.

Von dort oben hat man einen sensationellen Blick über die 4 Millionen Metropole Sydney. Die Ausdehnung, sprich Durchmesser, der Stadt beträgt über 100km!

Danach gibt es etwas Phantasialand für Arme. Ein kurzer erlebnisorientierter Abriss über Sydney. Man kann wählen zwischen den vier gängigen Sprachen: Englisch, Madarin, Japanisch und Koreanisch!

Es gibt hier auffallend viele Asiaten. Ich nutze die Gelgenheit und esse für wenig Geld leckeres Sushi.

HarbourbridgeJetzt geht es zum Hafen und zur Harbourbridge. Aber den Blick immer auf die Oper gerichtet. Am Pylon Lookout kann man sich über die Erbauung der Brücke informieren und einen Blick von oben wagen. Hier weht endlich wieder etwas Wind und die Schwüle ist nicht ganz so drückend.

Es zieht sich zunehmend zu. Der Skytower hängt schon in den Wolken. Nun rüber zur Oper – 5 Konzertsäle und ein Restaurant beherbegt dieser Bau. Der größte Konzertsaal ist für 4700 Zuschauer. An der Akustik wurde vier Jahre gerechnet. Auch, weil sich die Stadt mit dem Gewinner der Ausschreibung – einem Dänen – wegen der Kosten zerstritten hat. Der Däne nahm alle Pläne mit und die Stadt verlor wesentlich mehr Geld und die Oper sieht innen nun völlig anders aus als geplant.

Wir sparen uns die teure Sightseeing-Schifffahrt und fahren mit der normalen Fähre nach Manly, damit wir einen Blick auf Skyline und Oper vom wasser aus erleben können.

In Manly leben wohl nur Menschen unter dreißig.

Wir setzen uns für ein Bier in einen Pub und sehen Cricket. Es läuft das Topspiel Indien gegen Australien. Drei Tage wird das Spiel dauern.

Harbourbridge at nightZurück im Hafen von Sydney gehen wir in ein Restaurant namens “The Rock”. Man bestellt Fleisch am Tresen und bereitet es selbst am Grill zu. Wir ziehen weiter in ein Pub, das irischer nicht sein könnte und lauschen hervorragender Livemusik. Mit dem Taxi geht es zurück zum Campingplatz (90$)!

Ich habe mir eine Blase am rechten Fuß gelaufen.

Tag 21: Sydney – Tathra (ca 400km)

Auch wenn das Wetter trübe ist, so regnet es nur vereinzelt einige Tropfen. Die Fahrt ist landschaftlich und kurventechnisch wunderschön. Ich kann allerdings fast keine schöne Buchten und Strände mehr sehen!

Batemans BayIch fahre einen Umweg von Batemans Bay über Mossy Point nach Moruya immer die Küste entlang und durch schöne Buchten hindurch. Landschaftlich sehr empfehlenswert. In Narooma schlafe ich etwas am Strand.

Die Strecke nach Tathra ist so schön, dass ich sie nochmal fahre. Auch ein Stück Schotter ist mal wieder dabei.

Es ist mal wieder Waschtag. Nach der sanitären Katastrophe von Bundeena sind die Anlagen hier (-36ɰ43′02.2″ / 149ɰ58′29.6″ WGS84) eine Wohltat.

Tag 22: Tathra – Cann River (ca 200km)

Da wir heute nur 200km zu fahren haben, stehen wir eine Stunde später auf. Ich wache trotzdem um 7 Uhr auf und dusche ausgiebig. Es ist bedeckt, aber warm.

Ich bleibe hinter den anderen zurück, denn alleine habe ich mehr Zeit zum fotografieren und kurvenfahren. In Merimbula fahre ich ans letzte Ende der Stadt. Dort ist ein kleines Café. Ich esse Schokoladenkuchen zum zweiten Frühstück und trinke einen Cappucino. Dabei beobachte ich die Angler. Ich kaufe noch zwei Filme für 23,80$!

In Eden besuche ich das Killerwalmuseum und treffe alle wieder. Nun lerne ich, warum der Killerwal seinen Namen hat. Er hat früher nämlich Menschen geholfen, Blauwale zu jagen und zu fangen. Er hat die Blauwale in die Bucht getrieben und bekam zur Belohnung die Reste des Blauwals, die der Mensch nicht verarbeitet hat.

Pulpit RockIch fahre alleine weiter und biege ab zum Green Cape. Nach 20km Schotter komme ich zum Aussichtspunkt am Desaster Bay. Tolle rote Steine und grüne Pflanzen gibt es beim Pulpit Rock zu sehen. Ich fahre weiter zum City Rock. Dorthin ist der Weg sehr beschwerlich, aber ich werde mit surrealen Felsformationen, Einsamkeit und Meeresrauschen belohnt.

Ich überquere die Staatsgrenze nach Victoria und komme nach Genoa. Dieser Ort besteht aus 5 Häusern – eins davon ist eine Tankstelle.
Die Zapfsäule ist so alt, dass man noch Pumpen muß. Der Tankwart spricht deutsch und die ganze Situation ist so merkwürdig, dass ich umher schaue, um Hitchkock zu entdecken. Eva erzählt später, dass der Tankwart für 50Cents deutsche Lieder auf der Trompete gespielt hat. Wir taufen den Tankwart auf Norman Bates und empfehlen Hardy, diese Tanke ins Tourprogramm fest aufzunehmen.

Ich biege ab und fahre nach Mallacoota. 10km Winding Road durch den Wald – wunderbar. Erneut frage ich mich, wieso Hardy solche Strecken nicht verrät – kennt er sie etwa nicht?

MallacootaIch sitze am Hafen, ruhe mich aus und fotografiere einen Pelikan aus nächster Nähe. Während ich Salt & Vinegar Crisps esse, werde ich von 2 Möven beobachtet. Kaum gebe ich einer was ab, fliegen 30 weitere heran! Ein nettes Spektakel. Ein Jungtier ist sehr neugierig und kommt mir sehr nahe. Ich versuche einige Aufnahmen mit dem Weitwinkel.

Tatsächlich komme ich als letzter ins Camp (-37ɰ34′02.7″ / 149ɰ08′42.9″ WGS84).

Tag 23: Croajingolong National Park

Croajingolong National ParkCroajingolong National ParkHeute steht eine Dünenwanderung auf dem Programm. Erst aber nochmal 40km Schotterpiste. Mittlerweile sind wir so in Übung, dass das überhaupt kein Problem darstellt. Es ist bewölkt und windig, als wir den Ausgangspunkt unserer Wanderung erreichen. Es geht hoch und runter und der Wind bläst uns den Sand überall hin. Es bleibt trocken und der Spaß ist riesengroß. Der Ausblick belohnt uns für die Strapazen. Manchmal ist Hardy überrascht, denn die Dünen haben seit seinem letzten Besuch ihr aussehen verändert.

Nach kurzer Rast rutschen wir in den unmöglichsten Lagen die Dünen hinunter und wandern im Fluß zurück zum Ausgangspunkt.

Croajingolong National ParkWir erholen uns und essen Kekse, als uns einige Varane besuchen. Eva kommt einem beim Fotografieren etwas zu nahe. Er nimmt die Verfolgung auf und Eva kann sich so gerade noch retten. Sie hat seine Zunge schon am Bein gespührt. Und mit diesen Tieren ist nicht zu spassen, denn die Krallen sind sehr scharf und die Echsen klettern einfach an dir hoch. Hinterher sieht man dann entsprechend aus.

Croajingolong National ParkWir fahren zum Strand. Es ist immer noch sehr windig und das Wasser ist zu kalt zum Baden. Nach einiger Zeit in der Sonne machen Gerd und ich einen Abstecher nach Bemm River. Wir fahren durch den Wald und werden von einigen Tieren, die unvermittelt über die Strasse laufen, überrascht. Es kommt aber niemand zu Schaden. Am Ende der Strasse wundern wir uns, dass hier überhaupt noch Häuser stehen. Die Gegend ist wunderschön, aber hier ist der Hund begraben.

Abends wird es überraschend kalt im Camp.

Tag 24: Cann River – Glenluce (ca 620km)

Der letzte Fahrtag. Ein letzter wehmütiger Blick aufs Meer bei Lakes Entrance, dann geht es immer geradeaus auf der A1 nach Melbourne. Es wird spürbar wärmer. Die Nähe zu Melbourne kündigt sich an. Die Abstände der Ortschaften werden kleiner und die Luft stickiger.

Es ist Formel Eins Wochenende in Melbourne. Ich stehe an der Ampel und höre den Lärm der Boliden, der die Stadt durchdringt. Ich mache eine Rast in einem Pub, schreibe Postkarten und lese über den Schumi-Crash.

Dann geht es unweigerlich weiter nach Glenluce, wo wir schon von Kurt erwartet werden.

Die letzte Abzweigung! Ich fahre langsamer, denn es sind nur noch 14km bis zum Ende der Tour. Als ob ich den Urlaub durch langsam fahren verlängern könnte. Obwohl ich mich auf zu Hause freu, würde ich gerne noch etwas bleiben.

Nach 6418km biege ich in Glenluce ein.

Es wird ein netter Abschlußabend. Manche Dinge erfährt man tatsächlich erst ganz zum Schluß: sogar Uwe hat sich nämlich mal hingelegt – er hatte vergessen den Ständer auszuklappen :)

Tag 25: Formel 1 und Heimflug

Formula One at Albert-ParkDer letzte Tag in Down under. Es gibt nochmal ein Gruppenfoto und dann veabschieden wir Eva und Volker. Klaus, Gerd und ich fahren mit Kurt in den Albert-Park zum Formel Eins Rennen. Wir kommen erstaunlich gut durch die Stadt und finden auch einen guten Parkplatz. Für 87$ kaufen wir uns ein Tagesticket und suchen uns einen netten Platz mit Sicht auf Rennstrecke und Videoleinwand.

Ich bin froh, die Ohrstöpsel von Heron-Island dabei zu haben, denn es ist sehr laut. Die Show vor dem Start präsentiert ein Düsenflugzeug, das nur wenige Meter über unseren Köpfen kreist. So gewöhnt man Ohren an Lärm!

Dann geht es los und die Ferraristi sind eindeutig in der Überzahl. Nach 4 Runden fährt Vilneuve Ralf Schumacher hinten drauf. Es folgt eine sehr lange Safety-Car-Phase. Da beide Fahrer schon wieder wohlauf in der Boxengasse sind, wird klar, dass noch etwas passiert sein muß. Erst im Flugzeug erfahre ich, dass ein Streckenposten zu Tode gekommen ist.

Es gibt ein spannendes Duell über mehrere Runden zwischen Heidfeld und Frentzen. Nach dem Rennen gehen wir über die Rennstrecke zurück zum Auto. Verrückte sammeln das Gummi von den Abweisern in den Schickanen auf. Andere Schrauben Schilder ab und in der Zielgeraden steigt eine riesige Fete. 4 Schotten feiern Coulthard und zeigen, was unter ihrem Schottenrock ist.

Schon um 18 Uhr bin ich am Flughafen und kann auch direkt einchecken. Ich kann einen Sitzplatz am Notausgang ergattern und freue mich, keine Beinprobleme zu bekommen.

Mit Gerd und Klaus vertrinke ich mein letztes australisches Geld und um kurz vor 8 heißt es Abschied nehmen.

Am Dienstag, dem 6. März komme ich wohlbehalten zunächst in Frankfurt und dann auch in Hamburg an. Es ist kalt in Deutschland!

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Kategorie: Reiseberichte

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