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Triumph Sprint ST: Die Probefahrt :: Eine neue Erfahrung

10. October 2002 — Zuletzt bearbeitet: 30. November 2006 | 2718x gelesen

Am 26. März 2002 sitze ich das erste Mal in meinem Motorradfahrer-Leben nicht auf einer Enduro. Schon immer wollte ich mit einer sportlicheren Variante eines Motorrades fahren. Aber bei meiner Beinlänge hatte ich mir das längst abgeschmiert. Sollte nun doch ein Traum in Erfüllung gehen?

Am 26. März 2002 war es dann endlich soweit. Nach etlichen Testberichten und Probesitzen auf verschiedenen Bikes hatte ich einen Probefahrttermin bei herrlichem Sonnenschein auf einer Sprint ST. Nachfolgend meine Eindrücke, die natürlich immer meine Erfahrungen und Gewohnheiten mit der BMW R1100GS berücksichtigten.

Triumph Sprint STDer Triumph-Händler meines Vertrauens schmeißt die Kiste an. So, so, Kupplung ziehen beim Starten, aber der Seitenständer darf draussen bleiben – ungewohnt. Der Motor brabbelt fröhlich vor sich hin – netter Sound. Mal kurz am Gas drehen – ein erstes Lächeln auf meinen Lippen: geiler Sound!
Was gibt es sonst noch zu beachten? Ach ja, die Blinker! (Während der ganzen Fahrt werde ich nur beim Linksabbiegen blinken … )

Rauf auf’s Mopped, runter vom Hof, Richtung Zollenspieker.
Natürlich ist die Sitzposition arg ungewohnt. Und in den Spiegeln sehe ich zunächst nur mich. 10km später habe ich mich halbwegs dran gewöhnt und bin überrascht, wie leicht sich die Kiste um die Ecken bewegen läßt. Eigentlich muß ich nur in die richtige Richtung schauen, der Rest macht die ST. Sehr angenehm.

Die Vorderradbremse ist allerdings wirklich sehr giftig. Das hatte ich ja schon gelesen, aber das ist nun wirklich ein Riesenunterschied zur gewohnten ABS-Matschbremse der GS. Nach einigen Versuchen stelle ich allerdings fest, dass diese Bremse sehr gut zu dosieren ist und sicher auf die unterschiedlichen Geschwindigkeiten reagiert. Gibt mir ein sehr gutes Gefühl.
Apropos Gefühl: die Schaltung und die Gasannahme ist ein Traum. Alles sehr leicht bedienbar, sehr direkt und sehr feinfühlig. Während der 150km, die ich gefahren bin, war ich sicherlich das ein oder andere Mal im falschen Gang – trotzdem gab es keine Ruckler beim Einkuppeln, so wie bei der GS. Irgendwie entwickelte ich auch sehr schnell ein Gefühl für die Stellung des Gashahns zum sanften Schalten.

Auf einer Geraden gebe ich das erste Mal etwas heftiger Gas. Obwohl ich damit gerechnet habe, geht das Vorderrad nicht hoch. Die Achslastverteilung ist bei der Sprint ST etwas anders als bei der Speed Triple – sicherlich das beliebteste Triumph-Modell. Schön, denn damit ist die ST doch etwas sanfter und damit tourentauglicher abgestimmt als die Speed Triple. Es gibt keinen Schlag in den Nacken bei 5500U/min wie bei der GS. Dafür aber konstante Leistungsabgabe über die gesamte Drehzahlbreite. In wenigen Sekunden fahre ich 160km/h, habe aber eher das Gefühl langsamer zu sein. Ich schalte mich erstmal auf “Tourermodus”, denn schon jetzt wird mir klar, dass mit dem Bike mehr los ist…

Am Zollenspieker angekommen, hält gerade die Fähre. Ich entscheide, die Fährfahrt als Ruhepause zu nutzen. Ich stelle die ST auf den Seitenständer und habe das erste Mal seit sehr langer Zeit keine Angst, dass mir die Kiste umkippt. Beim Aufbocken auf den Hauptständer fällt mir das geringe Gewicht auf.
Ich spaziere um dieses wunderschöne Mopped und schaue mir einige Details an. Elegante runde Linienführung, schöne Einarmschwinge, die 6 Zoll Felge, drei Speichenrad, dieses orgiastische Cockpit – sie ist einfach nur schön! Als ich mir denke, dass es doch eher ein Sportler ist, entdecke ich die Bordsteckdose! Also doch ein Tourer. Und ich dachte bisher immer, nur BMW hätte so’ne Steckdose ab Werk drin.

Am Ufer angekommen drücke ich den Starter und freue mich erneut über den Sound. Das bin ich von mir nicht gewohnt! Ich geb Gas, aber zuwenig und die Kiste säuft ab. Tja, braucht wohl doch ein paar Umdrehungen mehr als die BMW.
Ich probiere ein paar Dinge aus: langsam fahren, Durchzug aus niedrigen Drehzahlen, ausscheren, Tempowechsel in Kurven. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass dieses Motorrad für mich gebaut ist. Selbst beim Langsamfahren, dass mir aufgrund meines leicht-gestörten Gleichgewichtssinnes immer schwer fällt, gleite ich ruhig und unangestrengt dahin.
Ok, unter 2000 Umdrehungen ist wirklich nix los mit dem Bike und die Kette hackt nervös rum, aber darüber funktioniert alles erfreulich leicht. Ab 5000 Umdrehungen gibt es leichte Vibrationen – aber nicht zu vergleichen mit denen einer GS und auch nicht wirklich störend.

Ich fahre meine tägliche Arbeitsstrecke über Moorburg nach Hause und schaue etwas mehr auf den Tacho, weil ich ja hier Vergleichsmöglichkeiten habe.
Der Fahrtwind strömt meinen Helm direkt an. Ich bekomme also mehr Wind ab, als auf der GS. Das finde ich etwas enttäuschend, aber damit fällt die Entscheidung zugunsten einer höheren Scheibe.

Bei mir angekommen gibt es kritische Blicke meiner Frau! Sie ist über die Schönheit überrascht – bis jetzt kennt ihr Auge ja nur Enduros. Wir drehen gemeinsam ein Runde über Jork, Cranz, Finkenwerder wieder zurück. Jetzt kommt der Teil, vor dem ich den meisten Bammel hatte. Fahren mit Sozia bin ich nicht wirklich gewöhnt, denn dafür fährt meine Frau zu selten mit und dann auch noch ein unbekanntes Mopped. Aber auch hier überzeugt mich die Sprint ST. Ich bemerke meine Frau überhaupt nicht – nur beim Bremsen, da drückt sie nach vorne. Aber sanfteres Bremsen ist mir nicht möglich :)
In Finkenwerder ist die Strasse dicht und wir haben Stop-n-Go Verkehr. Das ist nicht wirklich angenehm, aber hier macht sich das geringere Gewicht gegenüber der GS doch erleichternd bemerkbar. Ich bin trotzdem froh, als ich wieder mehr vom Gasweg ausnutzen kann.

Nachdem ich meine Frau wieder zu Hause abgesetzt habe, fahre ich alleine weiter über Rübke und meine geliebte Schotterpiste zurück durch den Freihafen zum Triumph-Händler. Die Schotterpiste ist ein völlig neues Gefühl. Erinnert mich eher an Bullenreiten, aber auf niedriger Stufe. Ohne aufwändige Fahrwerkseinstellungen fahre ich die Brücken fast so schnell, wie mit der GS. Allerdings springe ich nicht – so wie mit der GS, sondern habe immer Bodenkontakt. Das Fahrwerk taugt also wirklich was. In schnelleren Kurvenpassagen auf normalen Landstrassen merke ich, was es an diesem Bike noch alles zu entdecken gibt. Wie auf Schienen gleite ich entspannt dahin.
Im Freihafen gebe ich mal richtig Gas und schalte bei 170km/h in den 6. Gang. Geil, denke ich mir – da ist ja noch einer über :)

Gerne hätte ich auf der dreistündiger Probefahrt noch das ein oder andere ausprobiert, aber irgendwann muss ja mal Schluß sein.
Ich halte an der Tanke, denn so kann ich auch den Verbrauch checken: etwas über 5l auf 100km – das ist in Ordnung!

Beim Händler gibt es dann ein freundliches Gespräch und nach anderthalb Stunden sind die Verträge unterschrieben. Ich bin die GS zum fairen Preis losgeworden, darf aber noch bis zur Lieferung der Sprint ST damit rumfahren. Das soll in 14 Tagen soweit sein.

Gekauft habe ich nun eine offene Sprint ST in blau inklusive Überführung, Zulassung, Heizgriffe, MRA-Spoilerscheibe (rauchgrau), Scotoiler, Hepko & Becker Koffer ‘Journey’ für rechts und links plus den passenden Gepäckträger, Soziusabdeckung, Hinterradabdeckung, Lampengleichschaltung und Alarmanlage.

Mitte April soll es soweit sein …

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Kategorie: Triumph Sprint ST

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