“Confluence Dance” oder: viele Bilder der Welt!
21. January 2003 — Zuletzt bearbeitet: 16. October 2006 | 3636x gelesen
Im Jahr 1996 hat Alex Jarrett ein Projekt gestartet, da ihm die Idee gefiel, Orte zu besuchen, die durch runde Zahlen bei Breiten- und Längengeraden beschrieben werden können. “Degree Confluence Points” also Zusammenflusspunkte von Graden meint geografische Punkte an denen sich ganzzahlige Längen- und Breitengrade schneiden. Dies kann z.B. sein: N 48� 0.000' Breite und E 10� 0.000' Länge.
Er wollte wissen, wie es dort aussieht. Die Frage war auch, ob vor ihm schon andere Leute diese Punkte als besonders empfunden hatten. Zudem hatte er sich von einem Freund dazu überreden lassen, ein GPS-Gerät zu kaufen und musste damit jetzt irgendetwas unternehmen. So hat er selbst zahlreiche Konfluenzpunkte besucht und auf seiner Webseite darüber berichtet. Irgendwann begannen dann andere Leute ebenfalls diese Punkte zu besuchen und das ganze wurde immer umfangreicher…
Das Ziel ist so einfach wie umfangreich: Alle Konfluenzpunkte auf der Erde zu besuchen. Und es gibt viele davon: Da es für jeden der 181 ganzzahligen Breitengrad (der Äquator bei 0° und 1° bis 90° nördlich sowie 1° bis 90° südlich) 360 ganzzahlige Längegrade (0ɰ, 180° sowie 1° bis 179° westlich und 1° bis 179° östlich) gibt, errechnen sich daraus 65160 Punkte. Abziehen müssen wir noch 2x 359 Punkte, da sich an den Polen ja alle 360 Längengrade in einem Punkt befinden und es bleiben 64442 Punkte. Da in Richtung der Pole der Abstand zwischen den Punkten stark abnimmt, werden dort einige ausgelassen bzw. nur als sekundäre Konfluenzpunkte angesehen. Während am Äquator der Abstand zwischen zwei Längengraden noch etwa 111 km beträgt und es in unseren mittleren Breiten (45° bis 50ɰ) noch etwa 75 km sind, liegen bei 85° die Längengrade nur noch knapp 10 km auseinander.
Ab 49° nördlich bzw. südlich wird jeder dritte Punkt weggelassen. Nämlich dann, wenn der Rest beim Teilen des Längengrads durch 3 den Wert 2/3 annimmt, also die Rechenoperation Längengrad modulo 3 den Wert 2 ergibt. Dies wird in Richtung der Pole solange durchgeführt, bis der Abstand zwischen den Punkten unter 2/3 des Abstands am Äquator beträgt. Dies ist bei 64° der Fall und hier wird zusätzlich noch jeder Punkt weggelassen, bei dem die modulo 3 Rechnung 1 ergibt, also der Rest beim Teilen durch 3 den Wert 1/3 ergibt. Bei 89° werden nur 10 der möglichen 360 Punkte besucht und bei 90° nur einer. Es bleiben also 47650 Punkt übrig, von denen sich etwa 12000 auf Land befinden.
Das Ziel ist nun, möglichst alle diese Punkte zu Besuchen und zu Fotografieren. Daraus wird langsam aber sicher eine Weltkarte mit Fotos der Konfluenzpunkte. Das Bild gibt einen Eindruck, wie das für Europa aussieht. Und hier ein Bild zur entsprechenden Weltkarte.
Das Besuchen eines Konfluenzpunktes bedarf im Grunde genommen wenig Vorbereitung. Man könnte einfach im GPS geradzahlige Koordinaten eingeben und drauf los fahren oder laufen. Praktischer ist es jedoch, wenn man sich vorher informiert, in welchem Gebiet sich ein gewünschter Punkt befindet, damit man sich nachher nicht unterwartet in einem See oder einem Gletscher wiederfindet. So ausgestattet kann die “Suche” nach dem Punkt losgehen. Natürlich klingt das Laufen zu einem im GPS eingegebenen Punkt sehr einfach, wer aber schon einmal nach GPS gelaufen bzw. gefahren ist, weiss wie mühsam es sein kann, einen Punkt querfeldein zu erreichen. Meist wird erst auf dem Rückweg der bequeme Weg entdeckt, der praktisch genau zum Zielpunkt geführt hätte. Da die GPS-Position je nach Empfangsqualität mehr oder weniger stark schwanken kann, sieht man Konfluenz-suchende häufig beim “Confluence Dance”, also dem hin- und herlaufen in einem etwa 25 x 25 m grossen Gebiet um den Punkt zu erwischen, an dem das GPS-Gerät Werte mit möglichst vielen Nullen nach dem Komma anzeigt.
Hat man sein Ziel erreicht, dann kann man seine Bemühungen im Internet veröffentlichen. Unter www.confluence.org sieht man alle schon besuchte Punkte und kann nette kurze Geschichten zur Entdeckung der Punkte nachlesen.



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