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Was können GPS-Handgeräte?

3. February 2003 — Zuletzt bearbeitet: 6. October 2006 | 7631x gelesen

Bevor man mehrere hundert Euro für einen GPS-Empfänger zur Navigation am Motorrad ausgibt, sollte man sich über die Möglichkeiten der Empfänger im Klaren sein. Deswegen hier ein kurzer überblick der derzeit auf dem Markt erhältlichen Geräte und ihrer Funktionalitäten. Nach dem Lesen dieses überblicks sollte man besser für sich entscheiden können, welche Geräteklasse für einen in Frage kommt. Dann muss man sich natürlich noch intensiv mit den einzelnen Empfängern auseinandersetzen, denn die Unterschiede liegen oft im Detail.

Ich habe nur Geräte aufgeführt, die parallel 12 Satelliten empfangen können. Einige der angegebenen Geräte sind nur noch gebraucht erhältlich, aber trotzdem eventuell einen Blick wert. Zu den Empfängern der geko und der etrex-Reihe von Garmin ist zu bemerken, dass sie zum Einsatz auf dem Motorrad nicht zu empfehlen sind, denn das Display ist zu klein und die Bedienung mit Motorradhandschuhen fast unmöglich. Bei den genannten Preisen handelt es sich um Preise im Dezember 2005 und um reine Gerätepreise. Da die Preise – gerade bei Geräten die es nur noch gebraucht gibt – stark unterschiedlich sein können, lohnt sich ein Preisvergleich. Eventuelles Zubehör sollte bei der endgültigen Geräteauswahl ebenfalls beachtet werden.

Die nachfolgende Geräteauflistung baut aufeinander auf. Je später die Geräte genannt werden, umso komfortabler und flexibler sind sie in der Anwendung.

Alle Geräte zeigen die Himmelsrichtung und die Entfernung zum nächsten Wegpunkt, die derzeitige Uhrzeit, Geschwindigkeit und Richtung an. Alle Geräte können mindestens 500 eigene Wegpunkte speichern. Mit allen Geräten kann ich mindestens eine Route erabeiten, die mir das Navigieren erleichtert. Mit allen Geräten kann ich meinen zurückgelegten Weg aufzeichnen und später am heimischen PC auswerten und ansehen – hierfür benötigt man allerdings extra Software, die meistens kommerziell ist und Geld kostet (es gibt allerdings auch Free- und Shareware). Weiterhin kann ich diesen zurückgelegten Weg per einfache Tastenkombination am Gerät für die “Heimreise” nutzen.
Alle Geräte berechnen die Durchschnittsgeschwindigkeit und werten die Maximalgeschwindigkeit aus. Alle Geräte verfügen über einen Tripzähler, der also die zurückgelegten Kilometer anzeigt. Alle Geräte zeigen an, wieviele Satelliten und in welcher Signalstärke diese empfangen werden. Bis auf das eMap sind alle Geräte wasserdicht, die Meridian-Reihe von Magellan und die 76er Reihe von Garmin sind sogar schwimmfähig.

Die Einstiegsgeräte haben über die oben beschriebenen Grundmerkmalen keine weiteren Funktionen. Trotzdem sind diese Geräte sehr gut als Einstieg in die Navigation mit dem GPS geeignet. Seine Ziele findet man auch mit diesen Empfängern – für Touren sind erfahrungsgemäß längere Vorbereitungszeiten nötig. Hier findet man einen Bericht über mein erstes GPS-Gerät: ein Garmin 12. Diese Grundgeräte kosten zwischen 100 und 200 Euro. Es sind die kleinen Geräte der Geko-Reihe (ACHTUNG: Geko 101 hat keine Schnittstelle!), sowie das etrex GPS und GPS 12 von Garmin und das 310 von Magellan, sowie die kleine eXplorist-Reihe (mit den Modellbezeichnungen kleiner 300) von Magellan, die allerdings über keine Schnittstelle verfügen.

Weitere Einstiegsgeräte verfügen über einen festen Speicher von einem Megabyte, um sogenannte POIs hochzuladen. POIs sind Point-of-Interests, die über entsprechende Software von den Herstellern zur Verfügung gestellt werden. POIs sind zum Beispiel Hotels, Tankstellen, Krankenhäuser, … Außerdem haben einige Geräte eine Städtedatenbank einprogrammiert. Folgende Geräte verfügen über diese Funktionen: etrex Venture (1MB), GPS 12XL, GPS 72 (1MB), GPS 76 (1MB) von Garmin und von Magellan das Sportrack (1MB) und die älteren Geräte GPS 315 und GPS 320. Das Geko 301 ist eine kleine Ausnahme, sollte ihr aber Erwähnung finden, denn es verfügt über einen kompletten Tripcomputer.
Eine Ausnahme ist das Etrex Summit und das Geko 301, die zusätzlich über einen eingebauten Barometer und einen elektronischen Kompass verfügt. Mit diesem Kompass ist es möglich die Richtung zu bestimmen, auch wenn man still steht. Normalerweise ist eine Richtungsbestimmung nur möglich, wenn man sich bewegt. Diese GPS-Empfänger kosten zwischen 200 und 300 Euro.

Mit der nächsten Stufe wird der Komfort in der Bedienung sprunghaft gesteigert. Erst in dieser Geräteklasse können Kartendaten geladen werden. Diese Kartendaten ermöglichen die Darstellung von Strassenverläufen auf dem GPS-Empfänger. Obwohl es möglich ist eine Zieladresse einzugeben und sich via Richtungspfeil anzeigen zu lassen, in welche Richtung man fahren muß, so wird auf diesen Geräten ausschließlich die Himmelsrichtung zum Ziel angezeigt. über eine mitwandernde direkte Verbindungslinie zum Ziel ist ein Navigieren trotzdem sehr gut möglich. Stark veränderliche Strassenverläufe können aber natürlich zu Irritationen führen. Eine automatische Routenführung ist mit diesen Geräten nicht möglich.
Die Kartenansicht ermöglicht eine zoomfähige Strassenkarte, die je nach Zoomstufe verschiedene Detailansichten anzeigt. So ist eine grobe übersicht der Hauptstrassen innerhalb der nächsten 20 km genauso möglich, wie kleinste Strassen innerhalb eines Wohngebiets mit Darstellungen von bis zu ca 80 m. Alle Geräte verfügen über eine sogenannte Basemap, mit ausschließlich Hauptverbindungsstrassen und Autobahnen. So ist eine adressgenaue Navigation nicht möglich. Damit diese Zusatzfunktion ermöglicht wird, muß man in das Gerät sogenannte Feindaten laden. Zur Veranschaulichung der unterschiedlichen Datendichte hier ein Bild mit Hamburgs Innenstadt auf dem GPS-Display: links mit Feindaten, rechts nur die Basemap.

Hierbei muss beachtet werden, dass dafür optional erhältliche Software der entsprechenden Hersteller verwendet (und gekauft) werden muss. Wer spezielle Karten benötigt (Offroad) oder viel in Ländern unterwegs ist, die nicht über entsprechende Feindaten verfügen (z.b. Irland, Osteuropa), kann normale Strassenkarten nicht direkt in den Empfängern verwenden – die Ausnahme ist die Verwendung eines Handhelds als GPS-Gerät. Ein Handheld mit entsprechender Ausstattung ermöglicht die Verwendung von allen Karten – auch eigenen am PC eingescannten zum Beispiel. Leider sind Handhelds schwierig am Motorrad zu befestigen und nicht wasserdicht, aber in der Kartentasche des Tankrucksacks ist die Verwendung sehr gut möglich.
Ist das Haupteinsatzgebiet also oben beschriebenes, dann kann man auch genausogut die günstigeren Einstiegsgeräte verwenden, denn dann ist man in der Funktion genauso beschränkt.

Für alle Geräte mit Kartendatenverwendungsmöglichkeit gilt, dass für die Kartendetails der Speicher der Gerätes von besonderer Bedeutung ist. Zum Beispiel gibt Garmin für seine Kartendaten folgende Richtwerte für die einzelnen Ländern an: Deutschland 316 MB, Schweiz 43 MB, österreich 53 MB, Italien 146 MB und Frankreich 228 MB – wobei nie ein komplettes Land geladen werden muss. Es können frei wählbare Bereiche genutzt werden. Die Auflistung soll nur den Speicherplatzbedarf anhand von einigen Beispielen verdeutlichen. Der Speicherplatz der Magellansoftware ist sehr ähnlich, da die Grundlage der Kartendaten bei Garmin und Magellan vom gleichen Hersteller (NavTech) kommt.

Der Unterschied zwischen der Software von Magellan und Garmin ist, dass Magellan eine frei wählbare rechtecktige Auswahl ermöglicht, während bei Garmin bestimmte “Kacheln” ausgewählt werden müssen. Hier nun die Liste der Geräte, die mit zusätzlichen Feindaten erweitert werden können – in Klammer immer die Größe der frei nutzbaren Speicherkapazität: etrex Legend (8MB), etrex Vista (24MB), GPS 12map (1,4MB), GPS III plus (1,5MB), GPSmap 76 (8MB), emap und GPS176 (bis 128MB auf speziellen Garmin-Speicherkarten), sowie zusätzlich mit Barometer und Kompass etrex vista (24MB), GPSmap 76S (24MB) – alle Geräte von Garmin. Von Magellan gibt es das map330 (8MB), SporTrak Map (5MB) und Meridian GPS (bis 256MB mit handelsüblichen SD-Speicherkarten)
Darüberhinaus gibt es noch das Garmin GPS 176C (bis 128MB auf speziellen Garmin-Speicherkarten), die mit einem Farbdisplay für zusätzliche übersicht sorgen. Die Preise liegen zwischen 195 Euro und 499 Euro – jeweils ohne Kartensoftware (Garmin: 179 Euro – Magellan: 168 Euro) und ohne eventuell nötigen Erweiterungsspeicher. Viele der hier genannten Geräte sind mittlerweile nur noch gebraucht erhältlich, weil die nächste Kategorie von GPS-Geräten die Navigation noch bequemer macht.

Bei folgenden Geräten kann nach entsprechender Zielorteingabe eine geführte Route von den Geräten errechnet werden. Mit diesen Geräten ist es also möglich, dass bei Kreuzungen entsprechende Abbiegehinweise in optischer und/oder akustischer Art angezeigt werden. In Klammern wieder die Größe des nutzbaren Speichers: von Garmin V (19MB) und von Magellan Sportrack Map (6MB), Sportrack Pro (23MB), Sportrack Pro Marine (17MB zusätzlich mit Seezeichen und Gezeitentabellen) und Meridian Gold (bis 1024MB mit handelsüblichen SD-Speicherkarten), sowie zusätzlich mit Barometer und Kompass Meridian Platinum (bis 1024MB mit handelsüblichen SD-Speicherkarten). Die Preise liegen zwischen 300 und 470 Euro.

Darüberhinaus mit Farbdisplay: Garmin eTrex Legend C (24MB), GPSMAP 60C (56MB), GPSMAP 76C (115MB), Quest (243MB), Quest2 (1,5GB) und von Magellan Meridian Color und eXplorist XL (bis 1024MB mit handelsüblichen SD-Speicherkarten) – Preise zwischen 429 und 799 Euro.
Mit Farbdisplay, Barometer und Kompass: Garmin eTrex Vista C (24MB), GPSMAP 60CS (56MB), GPSMAP 76CS (115MB) und von Magellan SporTrack Color (21MB) – Preise hier von 440 bis 770 Euro.
Bei den Magellan Meridian-Geräten muß noch der Speicherpreis für SD-Karten berücksichtigt werden.

Im Frühjahr 2006 kommen auch von Garmin Gerätetypen mit handelsüblichen Wechselspeicher (miniSD) auf dem Markt. Die Geräte sind leicht durch das “x” in der Modellbezeichnung zu erkennen. Die 60er und 76er Reihe ist außerdem erstmals im Handgerätemarkt mit dem neuen SiRFIII-Chip ausgestattet, der eine schnellere Positionierung ermöglichen soll und bessere Empfangseigenschaften haben soll.

Als letztes sollen hier Geräte aufgeführt werden, die eigentlich keine Handgeräte sind. Schon das Garmin Quest ist nur bedingt als Handgerät anzusehen. Nachfolgende Geräte sind fast ausschließlich für den Gebrauch in Auto oder auf dem Motorrad abgestimmt. Das muß kein Nachteil sein, aber wer sein Gerät auch zum Wandern oder Radfahren nutzen will sollte wegen der Gerätegröße und -gewicht die Anschaffung eines solchen Gerätes überdenken.
Alle diese Geräte haben einen Farbdisplay und können echtes Autorouting: Garmin Street Pilot III deluxe, GPSMAP 276C, StreetPilot-Reihe (mit Modellbezeichnungen größer 2000). Das Streetpilot 2720 kann sogar Verkehrsinformationen, die über den Radiokanal mittels TMC-Technik übermittelt werden, verarbeiten und einen so um Staus etc herumführen. Bis auf die Streetpilot-Serie (nicht III) können alle Geräte mit Speicherkarten von 8 bis 256MB ausgerüstet werden. Es müssen allerdings spezielle (und recht teure) Garmin-Speicherkarten verwendet werden. Die StreetPilot-Serie kann hingegen mit handelsüblichen CF-Karten arbeiten. Die Preise liegen zwischen 750 Euro und 1500 Euro.

Fazit: Erst seit Mai 2000 ist durch das Abschalten der Ungenauigkeit der GPS-Satelliten für private Benutzer die Navigation mittels GPS-Empfängern für die zivile Bevölkerung wirklich interessant geworden. In dieser kurzen Zeit haben sich schon eine Vielzahl von interessanten, genauen und anwenderfreundlichen Geräten entwickelt. Das wird in der Zukunft sicherlich so weitergehen, denn immer mehr motorisierte Anwender interessieren sich für entsprechende Geräte. Da es besonders im Strassenverkehr immer mehr Käufer gibt, wird sich die Entwicklung sicherlich noch weiter spezialisieren. Viele Geräte, die bis jetzt nur für Segler oder Flieger Anwendung fanden, werden auch mit Funktionen für Strassennutzer ausgestattet und spezielle Strassenrouting-Geräte und entsprechende Software wird entwickelt. Aber schon jetzt gibt es eine gute Möglichkeit in das Thema “GPS gesteuerte Navigation am Motorrad” einzusteigen. Ich hoffe, ich konnte einen Einstieg verschaffen.
Hilfreich ist sicherlich auch das GPS-Handgeräte-Auswahltool von Peter Roosen. Hier kann die Geräteauswahl anhand individueller Kriterien eingeschränkt werden, um die übersicht am Markt nicht zu verlieren.

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Kategorie: GPS Infos

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