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Moppedtour :: Drei Tage in den Alpen

16. March 2003 — Zuletzt bearbeitet: 5. June 2007 | 4099x gelesen

Im Anschluß an die Vogesentour bin ich noch einige Tage alleine in den Alpen rumgefahren, damit sich die Anreise aus Hamburg auch wirklich lohnt. Ein Erlebnisbericht mit vielen Bildern…

Mein erster Alpen-Turn in 2002 fand Anfang Juni als Verlängerung meines Vogesenurlaubs statt. Ursprünglich wollte ich von den Vogesen aus eine Woche in die französischen Alpen fahren, aber das Wetter machte mir einen Strich durch die Rechnung. Zwar konnte ich am ersten Tag von den Vogesen zum Genfer See fahren, aber schon gegen Abend wurde deutlich, dass eine Schlechtwetterfront mich zum Umplanen veranlassen würde. Auf dieser Seite nun ein kurzer Erlebnisbericht – alle Bilder dieser Seite können dürch einfaches Anklicken vergrößert werden.

Dank meines GPS-Gerätes war dieser erste Tag geprägt von kleinen Sträßchen. Ich bin die über 460km von Geradmer in den Vogesen an den Genfer See fast nur auf kaum befahrenen Landstrassen entlang geschippert. Zwischendurch gab es nur wenige langweilige Stücke und die sogenannte “Kalte Sense” hat dann doch für vieles entschädigt.

Campingplatz am Genfer See Abends habe ich dann am Genfer See auf einen gepflegten Campingplatz mein Zelt aufgestellt. Der Campingplatz liegt mitten in einem Touri-Gebiet mit MC und Schwimmbad mit Wasserrutsche – Le Bouveret heißt der Ort. Jetzt in der Vorsaison war alles ruhig, aber in der Hauptsaison ist der Platz wahrscheinlich nicht geeignet, um Ruhe zu genießen. Weiteres Manko – alles was motorisiert ist, muß auf einen Parkplatz außerhalb des Platzes. Wer lässt schon gerne sein Bike über Nacht alleine rumstehen …

Am nächsten Tag quält sich die Sonne nur mühsam durch die Wolken, aber ich konnte trotzdem in kurzen Hosen frühstücken. Ich bin dann die Route 88 aus dem Denzel (dem Standardwerk für Alpenzweiradfahrer – jetzt in der Neuauflage, leider mit anderen Nummerierungen) in die andere Richtung als beschrieben gefahren, um so lange wie möglich im Trocknen fahren zu können. Col du Corbier Der Col du Corbier ist wirklich sehr schön, aber es gibt die ersten nassen Flecken. In Cluses ist’s dann endgültig vorbei mit meinem Wetterglück. Es regnet in Strömen. Statt die schönen kleinen Strassen zu nehmen, benutze ich für einen Euro die weiße Autobahn – direkt am Mont Blanc vorbei nach Chamonix. Durch die tiefhängenden Wolken ist natürlich nichts von diesem Berg zu sehen.

Ich mache Mittagspause am Col de la Forclaz und nehme eine warme Suppe zu mir. Ich unterhalte mich mit anderen Bikern und entschließe mich nach Ulrichen zu fahren. Dort will ich dann je nach Wetterlage über den weiteren Weg entscheiden. Soll es die nächsten Tage weiterregnen, dann würde ich nach Norden gen Heimat düsen und würde aber noch meinen geliebten Grimsel mitnehmen. Hätte ich die Chance auf weitere Sonnenstrahlen, dann könnte ich in den Alpen bleiben und fahre eben durch die Ostalpen statt durch die Westalpen – Hauptsache noch ein paar Kurven.

Die Strecke von Martigny nach Ulrichen ist bis Brig stinklangweilig und immer geradeaus. Da es aber sowieso aus Kübeln regnet ist mir das egal. In Ulrichen nehme ich ein Hotelzimmer (Hotel Astoria, fast 50 Euro für Übernachtung mit Frühstück, eigene Moppedgarage, viel zu teuer, aber bei dem Wetter wollte ich nicht zelten, denn da werden die Klamotten ja nie wieder trocken…) und nehme eine heiße Dusche – schön! Das Regenwasser steht zentimeterhoch in meiner Außentasche, aber die Koffer haben dicht gehalten.

Der Wetterbericht verdeutlicht, dass es gut sein könnte, dass ich einen trocknen Tag erwischen kann, wenn ich Richtung Osten fahre – aber es ist nun schon klar, dass es nur ein trockner Tag werden würde. Na ja, nicht entmutigen lassen – seit wann stimmen Wettervorhersagen!

Nordrampe zum Grimsel Der Dienstag begrüßt mich mit herrlichem Sonnenschein! Ich fahre hoch zum Grimsel, denn dort wollte ich schon seit sehr langer Zeit mal wieder hin. Das letzte Mal, als ich hier oben stand, war ich nämlich mit dem Fahrrad unterwegs und hatte mir die mehr als 1500 Höhenmeter auf 28km Aufstieg von Innertkirchen, also vom Norden her kommend, in mehreren Fahrstunden hart erkämpft, aber kurz bevor ich den Gipfel erreicht hatte, zog es sich zu und ich konnte den Ausblick damals nicht genießen. Seit diesem Tag wollte ich immer wieder dort hinauf, um den Ausblick “nachzuholen”.Nun stand ich dort oben und es war grandios. Die Erlebnisse der Radtour, die schon 11 Jahre zurücklag, hatten sich doch sehr intensiv in mein Gedächtnis eingebrannt, um heute hervorgeholt zu werden. Ich konnte mich an sehr viele Details der Strecke erinnern und bemerkte sofort, wenn sich etwas geändert hatte. Furkagletscher
Grimselpass 2165m Grimselsee Blick über Grimsel und Furka Irgendwo mitten in der Schweiz

Da der Susten und der Furka gesperrt waren, fuhr ich wieder Richtung Ulrichen zurück, um den Nufenen gen Osten zu nehmen. Dieser Pass hatte erst vor wenigen Tagen geöffnet und es war grandios durch teilweise meterhohe Schneewände zu fahren. Ich war froh meine Sonnenbrille anzuhaben, denn diese oben offenen Schneetunnels blendeten sehr stark. Oben auf dem Pass blies ein schrecklich kalter Wind, der mich schnell weiter trieb.

Alte Tremola Weiter ging’s Richtung Gotthard, wo ich die alte Tremola-Route nahm. Diese alte Strecke mit nassem Kopfsteinpflaster ist bei diesen Witterungsverhältnissen berechtigterweise berüchtigt. Es war aber sehr angenehm fern der Auto- und Reisebuskolonnen auf der neuen und ausgebauten Strecke recht alleine die Kurven und die Natur zu genießen. Auf diesem Part hätte sich allerdings meine alte GS sicherlich wohler gefühlt. Alte Tremola
Stilfser Joch Richtung Italien Nach einer kurzen Rast ging es weiter über Oberalp, Albula und Berninapass zum Stilfser Joch. Die Seite nach Österreich war zwar noch gesperrt, aber oben trafen sich trotzdem einige Biker. Sehr nett, dass ich für einige Engländer auf BMWs Photograph spielen durfte. Sehr nett, weil wir natürlich gleich ins Gespräch gekommen sind, weil ich als Deutscher ja schließlich eine britische Lady ausführen durfte… Stilfser Joch Richtung Österreich

ReschenseeÜber den Umbrail – immer noch ein Hammerpass so ohne Absperrungen in Richtung Tal, obwohl mittlerweile fast alles asphaltiert ist – ging’s zum Reschenpass. Klar, dass ich die obligatorischen Bilder von der Kirche im Stausee gemacht habe – erinnert mich das doch so ein bisschen an die Situation zu Hause in Neuenfelde, wo ein ganzer Stadtteil Hamburgs plattgemacht werden soll, nur damit einige Aushilfskräfte Sitze in Flugzeuge einbauen dürfen und die Stadt Hamburg zum Luftfahrtstandort vermarkten kann. Mal ganz davon abgesehen, dass das größte Süßwasserwatt Europas industrialisiert wird – letztlich wird auch in Neuenfelde nur die Kirche übrig bleiben…

In Reschen gibt es ein tolles und günstiges Hotel – mit Shuttledienst zur Pizzeria am anderen Ende des Ortes. Die Pizzeria hat den gleichen Besitzer wie das Hotel und eine prima Küche. Da die Pizzeria direkt am Grenzübergang ist, treffen hier Fernfahrer und motorradfahrende Hotelgäste zum netten Schnack aufeinander. Sehr empfehlenswert! Das Hotel trägt den Namen Johann Wallnöfer Garni und ist in der Hauptstrasse 12 direkt in Reschen. Die Übernachtung inklusive reichhaltigem Frühstück kostet 24 bis 29 Euro – je nach Jahreszeit und Zimmer. Die Moppedgarage ist eine alte Scheune, aber Tonnen von Motorradzeitschriften und immer eine nette Tour vom “Chef” persönlich als Vorschlag für weitere Alpenkilometer zeigen, dass hier wirklich Biker willkommen sind.

Am Mittwoch war es zunächst trüb, aber noch trocken. Also entschloss ich mich, statt direkt nach Hause zu fahren, eine kleine Schleife übers Timmelsjoch zu drehen. Dieser Alpenübergang hatte auch erst vor wenigen Tagen aufgemacht, wie ich am Abend vorher in der Pizzeria erfahren hatte. Dort wollte ich unbedingt mal fahren, denn zuviel hatte ich von diesem Pass schon gehört.

Durch das Ötztal blies ein kräftiger Wind. Es war zwar nicht schön, aber trocken. Auf 2150m läßt man den höchsten ganzjährig bewohnten Ort der Ostalpen hinter sich – Hochgurgl. Nach einige Kehren passiert man die Mautstelle.

Tja – tolle Sache: nach der Mautstation begann das Übel. Ich fuhr im Nebel mit Sichtweiten unter 10 Meter. Immer wieder konnte ich im Augenwinkel ein Schild erhaschen, dass mich vor einer Kehre in 50m warnte – allein: ich wusste nie in welche Richtung diese Kehre ging, bevor ich nicht mitten in der Kehre war… Ich verließ mich einfach darauf, dass nach einer Rechtskehre eine nach links kommen müsse und umgekehrt.

Nach der Passstation wusste ich glücklicherweise von den Tunnels auf italienischer Seite, die gerne noch glatte Stellen beinhalten und unbeleuchtet sind. Normalerweise sind die befürchtet, weil im Sommer sonnenbebrillte Streetfighter blindlings reinrasen und nicht immer raus kommen. Dieses Problem hatte ich nicht – aber durch eine Nebelwand ohne Sicht in völliger Dunkelheit zu fahren ist auch nicht gerade ein Spaß.

Jaufenpass Richtung Tal verließ ich irgendwann den Nebel, um dann den Jaufenpass hoch und damit wieder in den Nebel rein zu fahren. Wieder keine 10m Sicht – volle Konzentration, das schlaucht. Im Schlepptau hatte ich einen Biker aus Südhessen, der – glaube ich – ganz glücklich war, dass mein Rücklicht ihm einen Anhaltspunkt zur Orientierung gab. Jedenfalls sprach er mich auf der Passhöhe mit den Worten “Na, als Nordlicht bist Du wohl so’n Wetter eher gewohnt” lächelnd an.

Über den Brennerpass und kleine nette Sträßchen am Kühtai und übers Hanntennjoch fuhr ich zurück in die Heimat nach Norden.

Leider wurde so aus der einwöchigen Alpentour hinein in warme Gefilde am Mittelmeer nur unterkühlte drei Tage in den Ostalpen. Aber erstens hatte ich ja schon während der Vogesentour soviel Glück und zweitens hat mindestens der Dienstag mit 8 Pässen an einem Tag vieles rausgerissen. Und so weiß ich jetzt wenigstens, dass ich verschiedene Strecken nochmal bei schönem Wetter besuchen muß…

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Kategorie: Reiseberichte

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Ein Kommentar

  1. komm mal vorbei. mein servis ist immer der gleiche.

    meine vielen fernfahrer wurden inzwischen vertrieben, neue abzockstelle am reschenpass, sie fahren alle am brenner, ich bin sehr trauarig, über die vielen netten kumpels, ich hoffe es kommt mal besser.
    motorradfahrer immer, viele lauter stramme kerle. grins.

    es gibt immer das gute schnappserl, zu begrüssung. danke für deine nette seite, und ich würde mich freuen wenn es einmal klappen tut.
    die pizza noch besser.
    hans

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