Bittere Niederlagen :: Die Relegation 87/88 mit dem SV Darmstadt 98
29. May 2003 — Zuletzt bearbeitet: 4. October 2006 | 3961x gelesen
Das war mehr als nur ein Prestigeduell, denn es ging um den Aufstieg in die erste Bundesliga. Es wäre der dritte Aufstieg von Darmstadt 98 gewesen, aber es wurde nur eine bittere Niederlage gegen den Regionalgegner aus Mannheim.
In der Saison 1987/88 belegt der SV Darmstadt 98 hinter den Stuttgarter Kickers und dem FC St. Pauli den dritten Platz. Man hatte zwar die beste Abwehr der Liga, aber im Sturm haperte etwas – deswegen reichte es nur zum Relegationsspiel gegen den drittletzten der ersten Bundesliga, um zu entscheiden, wer die nachfolgende Saison in der ersten Liga spielen würde. Der Gegner war kein geringerer als der SV Waldhof Mannheim. Die räumliche Nähe und die Tatsache, dass der Trainer von SV Darmstadt 98 Klaus Schlappner hieß und vorher 7 Jahre Trainer bei Waldhof war, sorgten für eine besondere Brisanz. Es sollte der bitterste Fußballkrimi werden, den ich bisher erlebt habe!
Die erste Partie fand am 1. Juni 1988 am heimischen Böllenfalltor statt. Für Darmstadt spielte Berg, Emig, Bernecker, Lachmann, Sanchez, Scholz (Gu), Posniak, Heß, Dörr (Künast), Kuhl und Gutzler. Vor 25000 Zuschauern schien nach 47 Minuten der Traum vom Aufstieg schnell ausgeträumt. Darmstadt lag mit 2:0 zurück! Doch innerhalb von 10 Minuten drehten die “Lilien” den Spieß um und brachten das Stadion zum Kochen. Gutzler (63.), Posniak (66.) und der eingewechselte Gu (73.) sicherten ein 3:2. Guangming Gu war übrigens der erste Chinese im deutschen Profifußball.
Das Rückspiel fand im Ludwigshafener Südwest Stadion ein, da das damalige Waldhof-Stadion eher einer Bruchbude glich und niemals sovielen Zuschauern sichere Unterhaltung geboten hätte. Bei Darmstadt spielte die gleiche Mannschaft wie im Hinspiel nur Trares spielte für Dörr. Darmstadt war zwar spieltechnisch die bessere Mannschaft, lag aber 1:0 hinten. Es galt nicht die Regel, dass Auswärtstor bei Gleichstand aus beiden Partien doppelt zählen und somit war die Situation ausgeglichen.
Bis zur 86. Minute: Lux erzielt für Waldhof das 2:0! Das war’s! Tiefe Enttäuschung machte sich unter den Darmstädter Anhängern breit – hatte man doch einige hervorragende Torchancen ausgelassen. Doch das Spiel dauert ja bekanntlich 90 Minuten. Also wurde wieder angepfiffen. Uwe Kuhl wurde steil angespielt und schoß auf’s Tor – Treffer!! Unglaublich! Es steht 2:1 und alles ist wieder offen! Wieder tobte die Menge. Aber mehr war an diesem Tag nicht drin.
Ein Entscheidungsspiel auf neutralem Boden mußte die endgültige Entscheidung bringen. Der neutrale Boden hieß Saarbrücken und ein riesiger Tross von weiß-blauen Autos zog von Darmstadt aus ins Saarland.
Nach 90 Minuten stand es 0:0 – Verlängerung! Auch in der Verlängerung gab es keine Tore – Elfmeterschiessen! Nie wieder sollte die Entscheidung über 1. oder 2. Liga so knapp ausfallen.
Darmstadt mußte vorlegen: Posniak verschoss gleich den ersten, Lux traf für Waldhof zum 1:0. Uwe Kuhl gleicht aus, Bockenfeld (Waldhof) verschießt, Uwe Schreml trifft, Bührer gleicht aus. Gu trifft zum 3:2, Trieb verschießt. Riesen Jubel bei Darmstadt – Karl-Heinz Emig, einer der sichersten Elfmeterschützen, hatte als 5. Schütze alles auf dem Fuß. Darmstadt könnte zum dritten Mal in die erste Liga aufsteigen. Da er damals schon einen Vertrag mit dem 1.FC Kaiserslautern hatte, sollte das der letzte Schuß für Darmstadt nach vier Jahren Abwehrchef für die “Lilien” sein. Waldhofs Torhüter Zimmermann konnte den schwachen Schuß halten! Das Elfmeterschiessen ging weiter. Waldhof gleicht aus, Scholz (später Trainer von Darmstadt) erhöhte zum 4:3, Waldhof gleicht aus, Bernecker verschießt und Klotz trifft für Waldhof zum 5:4. Aus! Vorbei! Endgültig!
Von dieser Niederlage hat sich Darmstadt irgendwie nie erholt. Sportlich und finanziell ging es von nun an bergab – bis hin zur Oberliga.
Ich werde diese Spiele nie vergessen – über eine Woche haben mich diese Spiele in ein heftiges Wechselbad der Gefühle geworfen. Es war alles verdammt knapp…




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