Moppedtour :: Große Alpentour
9. June 2003 — Zuletzt bearbeitet: 5. June 2007 | 5799x gelesen
Ein Reisebericht über fast 4000km ab München über unzählige Alpenpasse in Österreich, der Schweiz, in Italien und in Frankreich im August 2002
“Radfahren ist hier verboten”, schnauzte der Bundesbahnmitarbeiter am Altonaer Bahnhof einen verdutzten Radfahrer an. Dieser stieg ab – allerdings schaute er mir verwundert hinterher: da ich mich mit meinem vollbeladenen Mopped in die falsche Reihe einsortiert hatte, blubberte meine Maschine gerade fröhlich quer durch die Bahnhofshalle und erfüllte die Umstehenden mit wohlgelauntem Sound meines Triples. Ja, ja, da wiehert der deutsche Amtsschimmel und ich hatte mein erstes Highlight meiner zweiten Alpentour des Jahres 2002.
Es war Mittwochabend, der 14. August, als ich mich in Altona einfand, um mit dem Autoreisezug bis München zu fahren und so Reifenabrieb zu sparen. Als einer der ersten fuhr ich auf den Zug, tief gebückt, um mir nicht den Kopf zu stossen. Nicht gerade ein Vergnügen, genausowenig, wie die Nacht in einem ruckelnden Schlafwagen – das Abteil voller blutrünstiger Mücken. Morgens um kurz nach acht, nach einem ordentlichen DB-Frühstück, konnte ich in München wieder auf’s Mopped steigen. Es war absolut nichts am Bike beschädigt, die Mitarbeiter in Altona hatten meine Vollverkleidete gut gesichert.
Da in Bayern Feiertag war – Mariä Himmelfahrt – war recht wenig los in Münchens Innenstadt, die ich zügig Richtung Alpen verließ.
Zunächst ein kurzes Stück Autobahn bis kurz vor Garmisch-Partenkirchen, dann die Strasse hoch zum Fernpass und eine erste unfreiwillige Rast – Prozession im Ort vor mir und deswegen kein Weiterkommen.
Bei herrlichem Wetter geht es dann über den Fernpass, den Holzleitner Sattel, auf halben Weg zum Kühtai, um ins Ötztal zu kommen. Diesen “halben Weg” habe ich nur meinem GPS zu verdanken – zwar habe ich auch eine Motorradkarte mit dem Maßstab 1:300000 in meinem Tankrucksack, aber diese Straße war nur in meinem GPS verzeichnet. Eigentlich eine wirklich gute Kombination: normale Karte für den Überblick, GPS-Daten für die Feinarbeit. Solche “sinnvollen Abstecher” sind übrigens auch ein Grund, warum ich GPS-Geräte mit Autorouting für Motorradfahrer überflüssig finde, denn solche wundervollen Abstecher übersieht das Autorouting geflissentlich…
Weiter geht’s zum Timmelsjoch – diesmal mit herrlichen Sichtverhältnissen, genauso, wie der anschließend passierte Jaufenpass. Im Juni war ich ja anderes gewohnt. Es sind wirklich sehr viele Motorradfahrer unterwegs, denn neben dem Feiertag in Bayern gibt es ja noch Ferro Augusto in Italien. Das wird mir aber erst später fast ein Verhängnis, als ich auf Hotelzimmersuche gehe. Nun fahre ich erstmal übers Penser Joch Richtung Bozen. Im Café “Fichte” mache ich Rast. Das Café bietet schattige Plätze unter vielen Bäumen direkt in einer langgezogenen Kurve. Für’s leibliche Wohl gibt es einen Cappuccino und einen Apfelstrudel mit Vanilleeis und Sahne für unschlagbare 4,30 Euro.
Bozen touchiere ich dank GPS nur periphär und kann direkt Weiterkurven zum Mendelpass. Um diese Uhrzeit – es ist mittlerweile rund 16 Uhr – ist der Sonnenstand für die Auffahrt äußerst ungünstig. Von der schönen Landschaft kann ich kaum was wahrnehmen, denn die Sonne knallt direkt ins Gesicht. Und die vielen Wechsel zwischen Licht und Schatten durch die durch Bäume scheinende Sonne machen das Fahren doppelt anstrengend. Trotzdem ist der Mendelpass wirklich ein sehr schöner Pass. Über die Scheitelhöhe verläuft die Provinzgrenze, die zugleich auch deutsch-italienische Sprachgrenze ist.
Ich beginne mit der Hotelsuche – wegen der erwähnten Feiertage ein wirklich schwieriges Unterfangen. Auch das Verlassen der Hauptreiserouten hin zu versteckten kleinen Örtchen nutzt nichts – alles belegt. Erst am Tonalepass auf 1883m Höhe finde ich in einer Absteige einen Unterschlupf – aber immerhin mit Garage fürs Mopped. Mittlerweile ist es halb neun und Nebel zieht vom Westen über den Berg. Den ganzen Tag hatte ich Sonnenschein und kurz vor dem Trüben kann ich die Tagetour beenden. 507km waren das am ersten Tag!
Am Freitag starte ich um 10 Uhr meine Maschine. Der Nebel hat sich verzogen und die typischen fliegenden Händler haben am Tonale ihre Stände aufgebaut. hier bekommt man auch schon mal günstig Nachtsichtgeräte aus russischen Militärbeständen – keine Ahnung, von welchen Lastern die runtergefallen sind.
Der erste Pass des Tages ist der Gavia – der helle Wahnsinn. Stellenweise passt nur wenig mehr als ein Auto auf die Passstrasse. Hin und wieder sind Ausbuchtungen, damit die Autos aneinander vorbeikommen. Ein herrliches Spektakel, denn neben den vielen Autos, die wirklich nur meterweise vorbeikommen, fahren natürlich auch Wohnmobile und Autos mit Wohnwägen diese Strecke. Es entsteht ein absolutes Verkehrschaos mitten im Grünen und ich kann mich nur wundern, dass es weder Unfälle gibt, noch frustrierte Autofahrer den leicht und locker dazwischenhuschenden Motorradfahrern eins auf die Fresse geben. Einige Autofahrer, die ich überholt habe, kommen vermutlich erst auf der Passhöhe an, wenn ich schon am Stilfser Joch bin…
Gavia und Stilfser Joch sind die höchsten Durchgangspassstrassen der italienischen Alpen. Der Gavia windet sich bis auf 2621m hoch und Stilfser Joch kommt sogar auf 2758m.
Über Bormio ist das der nächste Pass und hier ist wirklich was los. Es scheint, als würden die Alpen nur diese Passhöhe für Motorradfahrer bieten. Hunderte bevölkern die Strasse und Tausende die Passhöhe – fürchterlich! Vor allem die Biker, die mit ihren Dickschiffen auch die engen Rechtskehren ganz links anfahren, so dass ich einige Male meinen Fahrfluß abrupt beenden muß, um keinen Frontalzusammenstoß zu riskieren – wohlgemerkt ganz aussen auf meiner Spur. Vor allem deutsche BMW-Fahrer fallen unangenehm auf…
In großem Bogen über Sluderno gehts zum Ofenpass. Da offensichtlich viele die günstige Tankgelegenheit in Livigno nutzen, ist meine Strecke nun relativ frei von anderen Bikern. Über Zernez und Susch geht es zur Flüelaalp. Dort mache ich den Fehler und nehme das Mittagessen zu mir. Zwar sitze ich schön in der Sonne und natürlich ist hier oben das Essen etwas teurer – immerhin versorgt sich das Haus selbst mit Energie, sogar eine kleine eigene Kläranlage schützt die Natur – aber 15 Euro für ‘ne Apfelsaftschorle und einen kleinen Teller Spaghetti Bolognese? Das ist dann vielleicht doch etwas viel.
Über Davos geht es nach Tiefencastel und weiter am See von Marmorera hoch zum Julierpass. Am Silvaplana vorbei zum Malojapass über wirklich schöne Strecken durch die Alpen. Am Grenzort Castasegna mach ich nochmal Rast – ein Liter Wasser und ein Capuccino kosten hier gerade mal 2 Euro!
Am Samstag fahre ich um neun Uhr los und da ich schon kurz vorm Splügenpass starte, ist die Piste recht frei und man kann die Natur genießen. Kurz hinter der Passhöhe ist eine Grenzstation – wieder mal. Ich habe auf der Tour nun schon soviele Grenzen passiert, dass ich nicht mehr weiß, in welchem Land ich bin. Doch es gibt einen Anhaltspunkt: ein Blick auf mein Kennzeichen reicht dem Zöllner, um mich durchzuwinken. Im Rückspiegel sehe ich, wie die 4 Personen aus dem Fiat mit italienischem Kennzeichen aussteigen müssen. Ich bin in der Schweiz und in Europa sind alle Menschen gleich …
Über den San Bernadino geht es runter bis nach Bellinzona. Dann wieder Richtung Norden in die Zentralschweiz zum Gotthard. Natürlich wieder über die alte Tremola-Strecke, die bei diesen Witterungsbedingungen angenehmer zu fahren ist, als noch im Juni.
Da ich im Juni nicht über den Susten konnte, fahre ich weiter nördlich. Aber es ist wahnsinnig viel Verkehr. Kaum ein vernünftiges Vorwärtskommen zwischen vielen Dosen und LKWs. Eine Stichstrasse zum Göscheneralpsee kommt da gerade recht. Ich weiß zwar noch nicht, was mich dort erwartet, aber schlechter als hier in Autoabgasen zu stehen, kann es nicht sein. Umso überraschter bin ich, als mich eine kleine leere Strasse begrüßt, die einige überraschende Momente mit sich bringt. So kreist sie einmal einen Felsen ein, dass die Kurve nicht mehr enden will – so scheints zumindest. Am Ende der Strasse gibt es den genannten Stausee und ein nettes Café. Kaffee und Kuchen sind sehr lecker und das Wetter ist grandios. Die Bedienung kommt aus Franken. Was sie hier her geschlagen hat, frage ich sie. Die Antwort: “Das habe ich mich auch schon gefragt. Heute ist der erste schöne Tag seit 6 Wochen. Vorher war hier nur Nebel und niemand hat sich hierher verlaufen. Da fällt einem die Decke auf den Kopf. Suizidgefährdete dürfen hier nicht arbeiten…”
Nach dieser erholsamen Pause geht es die Stichstrasse zurück und über den Susten. Netter Pass, aber heute sind doch viele Rennfahrer unterwegs. Noch schlimmer wird es dann, als ich den Grimselpass als nächstes in Angriff nehme. Offensichtlich ist der Ärztekongress mit Porsche Boxer Cabriolets auf Betriebsausflug. Einige wollen nicht einsehen, dass man die Passstrasse schneller nach oben fahren kann – noch schneller als sie. Einige gewagte Überholmanöver später klaue ich den Jungs grinsend den letzten Parkplatz auf der Passhöhe. Es ist immer wieder herrlich hier oben zu stehen – aber diese Auffahrt enttäuscht mich doch wahnsinnig. Das letzte Mal bin ich diese Auffahrt nämlich vor 11 Jahren mit dem Fahrrad hochgefahren… – aber ich wiederhole mich. Wen es interessiert, der kann ja im ersten Bericht über meine Alpentour näheres nachlesen.
Jedenfalls habe ich nach drei Tagen die Schnauze voll von viel zu viel Verkehr und ich entscheide mich dafür meine eigentlich für die Junitour geplante Route nun umzusetzen. Das Wetter soll noch viele Tage so schön und warm bleiben, also fahre ich nun Richtung Frankreich. Erstmal wieder diese stinklangweilige Strecke von Brig nach Martigny. Nach einem Kaffee zur Entspannung geht es über den großen Bernhardino nach Aosta. Ich bin mal wieder in Italien und es ist immer noch Ferro Augusto. Die Hotelsuche gestaltet sich schwierig, aber kurz nach neun Uhr habe ich eine günstige Unterkunft gefunden – naja, Absteige triffts besser. Nach über 12 Stunden im Sattel und 514km raffe ich mich nochmal auf, denn in Aosta ist mächtig was los und es ist herrlich warm. In einem netten Ristorante und bei Salat und Pizza lasse ich es mir gut gehen und den Abend ausklingen.
Es ist Sonntag und es geht mal wieder Richtung Frankreich. Über den Kleinen Bernhard, der mit seinen fast 2200m Höhe gar nicht so klein ist, fahre ich nach Seez. Kurz vor Seez geht es in vielen Serpentinen schnell viele Höhenmeter runter.
Ich durchquere das Val d’Isere und die Spannung steigt – am Ende des Tales geht es zum Col d’Iseran auf 2770m – so hoch war ich mit noch nicht. Im Tal selbst ist es sonnig, aber es weht ein kühler Wind. Es ist deutlich zu merken, dass diese Strasse die einzige Verbindung zwischen Nord und Süd ist. Außerdem ist Sonntag – es ist viel Verkehr und auch im Sommer versucht die Wintersportregion Touris ins Tal zu locken. Es gibt mehrere Events, die Besucher in Scharen strömen lassen. Trotz der vielen Veranstaltungen ist aber weniger Verkehr als in den Ostalpen.
Endlich erreiche ich die Auffahrt zum Col d’Iseran. Mühsam wurde die Strasse dem Fels abgerungen – eindrucksvoll sind besonders die Tunnels. Oben angekommen habe ich das Gefühl auf dem Dach der Welt angekommen zu sein. Ein hervorragender Blick auf die umgebenden Berge und die Schlichtheit der Natur lassen mich innehalten. Ich bin nicht der einzige, der sich von diesem Moment gefangen nehmen läßt. Ich habe selten einen Punkt erlebt, wo wirklich alle Durchreisenden für mehrere Minuten stehen bleiben – und das nicht nur für die üblichen Erinnerungsfotos. Trotzdem ist es hier angenehm leer. Wenn ich mich da an das Stilfser Joch nur wenige Tage zurück erinnere – kein Vergleich!
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Es geht weiter bis Lanslevillard, um einen Abstecher zum Lac de Mont Cenis zu machen. Mittagsrast in den Dünen eines Sees auf fast 2000m Höhe – hat schon was von Heimat, für so’n Nordlicht
Wieder zurück zur N6 und zügig Richtung Westen. Die D215 in Saint Martin D’Arc verlassen und dann die D902 Richtung Süden – Telegraphenpass, Galibier, Lautarent weiter nach Briancon.
Spätestens ab hier kann ich feststellen, dass Geraden in französischen Strassenplanungsbüros ausgegangen sind. In schönen netten schwingenden Kurven geht es nach Cervieres. Direkt Richtung Süden über den Izoard, um in einer netten Auberge einen Café a lait zu verköstigen. Napoleon heißt das nette Lokal und liegt schon wieder über 2200m hoch.
Ich fahre immer noch auf der D902. Das klingt wenig spektakulär, ist aber sehr gut zu fahren. Die Sonne neigt sich dem Horizont, als am Col d’Vars meine Tanklampe angeht. Das ist durchaus ein Problem in diesem Teil Frankreichs, denn die Tankstellen sind selten besetzt. Und wenn sie nicht besetzt sind, dann kann man nur mit speziellen Tankkarten Sprit nachfüllen. Diese Tankkarten hat vermutlich jeder Franzose, aber ich eben nicht. Jedenfalls hatte ich das Problem kommen sehen, aber keine der auf dem Weg liegenden Zapfsäulen wollte mir Nahrung für meine Brit-Lady geben. Nun, da mein Tanklämpchen die Dringlichkeit der Nahrungsaufnahme deutlich macht, sehe ich noch größere Probleme auf mich zu kommen.
Ab jetzt geht es nur noch bergab und ich versuche spritschonend zu fahren. Das gelingt mir auch, aber die Sonne ist nun hinter dem Horizont verschwunden und es wird Zeit eine Zapfsäule und eine Unterkunft zu finden. Die Strassen sind menschenleer und Autos Mangelware. Sonst finde ich solche Bedingungen ja sehr angenehm, aber nun doch eher beunruhigend. In Jausiers hat mein Bangen ein Ende. Nur noch wenige Tropfen waren in meinem Tank über, als ich an einem Hotel, Restaurant und Tankstelle anhalten kann. Fast hätte ich die einzelne Säule übersehen. Es ist kurz nach neun Uhr, als ich erschöpft nach einem Bett frage. Das Hotel ist ausgebucht, aber unter Bikern hilft man sich. Der Sohn des Hauses räumt sein Zimmer und schläft die Nacht bei seinen Eltern. Ich kann in sein kleines, aber feines Zimmer. Es gibt sogar noch ein formidables Abendessen und ich gönne mir ein Bier und den freundlichen Helfern ein Cognac. Nach 409km falle ich ins Bett. Und Mitlesende: wenn ihr mal in Jausiers seid, dann kehrt doch im “Sans Soucis” ein – es lohnt sich.
In Jausiers gibt es die Abfahrt zum Col de la Bonette. Auf dem entsprechenden Strassenschild steht auch Nizza – so weit im Süden bin ich nun schon vorgedrungen. Aber zunächst führt mein Weg auf 24km von 1250m auf 2802m Höhe – die höchste Passstrasse Europas! Auf sehr unterschiedlichem Streckenbelag ist vor allem die Südrampe mit vielen Löchern gesegnet. Die Nordrampe ist zum Teil neu asphaltiert. Die letzten Meter fährt man allerdings über Kies. Man kann sein Motorrad sehr nah am Gipfel abstellen und muß dann nur noch ca 40 Höhenmeter zurücklegen, um einen wunderbaren Rundumblick zu bekommen. Leider ist es ein wenig trüb und deswegen nicht ganz so schön wie am Col d’Iseran. Allerdings auch noch leerer: ein Auto und drei weitere Biker – das ist Europas höchste Passstrasse!
In Saint-Sauveur-Sur-Tinee fahre ich rechts ab zum “Gorges de Paluis”. Geradeaus wären es nur noch wenige Kilometer nach Nizza gewesen, aber es ist schon jetzt viel zu warm. Eigentlich kann man es nur in den Bergen aushalten. Zumal, wenn die Strasse so aufregend geschlängelt ist und die Natur so atemberaubend. Eine Schlucht und die Strasse in dunkelrotem Fels gehauen – grandios. Die Farbe erschlägt einen schon zur Mittagszeit. Wie muß das hier erst aussehen, wenn die Abendsonne die rote Farbe des Felses so richtig zum Strahlen bringt.
Aber es kommt noch besser: “Grand Canyon du Verdon”! Wenig Platz auf der Strasse, die Wärme drückt zwischen den Felsen, hunderte von Touris – das spricht nicht gerade für angenehmes Fahren. Aber die Natur entschädigt für sehr viel. Für diesen Flecken solltet ihr euch einen kompletten Tag nehmen und viel Flüssigkeit sowie Wanderschuhe bereithalten. Wegen der vielen Touris und dem fehlendem Schuhwerk habe ich das nicht gemacht, aber ich werde da nochmal hinfahren!
In unendlichen Kurven orientiere ich mich langsam wieder Richtung Norden, um am Fuße von Alpe d’Huez eine sehr einfache Unterkunft zu finden. Wieder waren es 479km.
Am Morgen des Dienstags erklimme ich den Alpe d’Huez: 13km, 1100 Höhenmeter, 21 Kehren – jede einem Tour de France Sieger gewidmet. Das sind die nackten Zahlen. Aber dieser Aufstieg ist viel mehr. Selbst mit dem Motorrad ist das schon ganz schön anstrengend, aber man hört förmlich die radsportbegeisterten Menschen am Wegesrand stehen und ihre Idole anfeuern. Es gibt auch sehr viele Radfahrer, die sich dieser Steigung aussetzen. Und für was? Oben angekommen kann man nämlich sinnvollerweise nur wieder runter fahren. Ein Ort, der seine Existenzberechtigung aus einer mörderischen Steigung für das härteste Radrennen der Welt erfährt.
Col de Caldon und Col de la Madelaine heissen meine nächsten Stationen. Fast nur Kurven, sehr guter Asphalt, wenig Verkehr: Bikerherz was willst Du mehr. Naja, vor Kehren ne Warnung wäre manchmal ganz angenehm. Einige halsbrecherische Bremsmanöver sind die Folge, aber der Sog der Kurven ist zu stark. Über Albertville fahre ich weiter Richtung Genfer See und treffe noch oft die Namen von Radrennfahrern, die Begeisterte auf die Strasse gemalt haben. In Armoy finde ich ein nettes Hotel. Gegen die Absteigen, die ich die letzten Tage so kennengelernt habe, ist das schon Spitzenklasse. Fast traue ich mich nicht rein. Aber ich bekomme ein tolles Einzelzimmer mit direktem Blick auf die Alpen im Osten. So kann ich prima das Wetter begutachten.
Unverständlich ist die Preisgestaltung, denn das Einzelzimmer kostet mit Frühstück satte 40,50 Euro! Aber ich habe Halbpension genommen – so kostet das Zimmer nämlich nur 40 Euro! Wer das versteht, schreibe mir bitte eine eMail ![]()
Jedenfalls ist das Abendessen typisch französische Küche – viel zu viele Gänge und sehr lecker. Die heutige Tagesetappe war übrigens nur 340km lang.
Der letzte Tag in den Alpen! Ich fahre mal wieder über den Col du Corbier, wie ich das auch schon im Juni getan habe. Im Gegensatz zu damals nehme ich nun die kleinen Alpenstrassen und so komme ich über den Pillon – an dem ein erbärmlich kalter Wind weht – zum Jaunpass. Während ich am Thunersee und Brienzersee vorbei fahre und die herrliche Strecke direkt an den Seen genieße, überlege ich mir, ob ich nicht nochmal einen Abstecher über den Grimsel etc machen sollte. Schließlich war ich da jetzt schon einige Tage nicht mehr…
Da das Wetter aber nicht wirklich einladend ist, nehme ich den Brüningpass Richtung Norden und verabschiede mich am herrlichen Glaubülenpass von den Alpen. Dieser Pass ist nicht zu verachten – die Strasse ist so schmal, dass im Halbstundenrythmus die Richtung, in die gefahren werden darf, wechselt. Als mir ein Bus entgegenkommt – der die Strecke nicht in einer halben Stunde schaffen kann – weiß ich auch warum. Ich muß stehenbleiben und am rechten Abgrund mein Mopped bis zur Schmerzgrenze abwinkeln, damit der Fahrer vorbei kommt. Nette Omis winken mir aus dem Bus freundlich zu, während ich mit dem Kopf über den Abgrund schwitze.
Bei Bad Säckingen überquere ich Rhein und Grenze und fahre durch den Schwarzwald einige nette Kurven Richtung Heimat.
Fast 4000km in einer Woche trotz Zugfahrt bis München und unzählige Pässe und andere Höhepunkte. Eine Tour die sich gelohnt hat. Aber das nächste Mal fahre ich gleich nach Frankreich, denn dort ist es nicht so überlaufen, wie in den Ostalpen.












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Monday, 13. November 2006
hi Stefan,
dein Alpenreport ist zwar nicht ganz taufrisch, aber der Ausblick vom Col d´Iseran wird wohl für Generationen der Gleiche sein.
Bezeichne mich als Nostalgie Biker der sich im Herbst des Lebens noch mal verliebt hat.:”Sprint ST 695 AB.” Mit meiner neuen Partnerin plane ich in 07 einen Ausflug in die beschriebene Region und werde aus deinem Bericht einige Tipps für meinen turn übernehmen.
Drei Finger z.Gruß. Mik
Tuesday, 6. February 2007
Hi,
sehr netter Bericht,,, kenne die Alpen recht gut, aber meine Lieblingsecke sind die französischen Alpen bis runter nach Nizza, einfach traumhaft zu fahren und landschaftlich genial….. die Pässe in der Zentalschweiz zum Einschwingen unddann ab Richtung Frankreich…. so wird es wohl auch dieses Jahr…..
Cu
Monday, 10. August 2009
Hallo Stefan,
bin jetzt zufällig auf deinen Reisebericht gestossen, den ich habe für die nächste Woche eine ähnliche Route geplant. Van Klagenfurt (Ö), Südtirol, Schweiz, Frankreich (Val d’Isere, Verdon,..) runter die Cote d’Azur entlang bis Pisa und wieder retour nach Österreich. Möchte mir das Pension suchen ersparen und auf Campingplätze ausweichen. Hast du dort unten (Schweiz, Frankreich) erfahrungen mit Campingplätzen gemacht?
Grüße aus Österreich, René
Monday, 10. August 2009
Hallo René,
bei der Tour war ich nur in günstigen Hotels, weil mir der Transport von Zelt etc. zu aufwändig war.
Wünsche Dir viel Spaß und eine gesunde Heimkehr.
Grüße
Stefan