Probefahrt :: Sex mit ‘ner 20jährigen?
14. March 2004 — Zuletzt bearbeitet: 16. October 2006 | 2041x gelesen
Lieber mit dem Hausmütterchen, die einem seit 25 Jahren die stinkigen Socken wegräumt, ins Bett gehen oder lieber mit einer knackigen Anfang 20jährigen heissen Sex haben? Keine wirkliche Frage oder – trotzdem ging mir diese Frage während meiner Probefahrt einige Male durch den Kopf…
Da ich mit meiner treuen Sprint ST in den letzten Monaten einige Schwierigkeiten hatte, meinte mein Lieblingshändler kürzlich, dass ich wohl ein Montagsmopped erwischt habe und machte mir ein verlockendes Angebot.
Lange habe ich mit mir gerungen und meine bessere Hälfte hatte natürlich auch ein Wörtchen mitzureden. Vor einer finalen Entscheidung sollte eine Probefahrt deutlich machen, ob das Angebot wirklich was für mich ist. Deswegen stand ich dann am Freitag, dem 12. März im Hof meines T-Dealers und er drückte mir die Schlüssel einer Daytona in die Hand.
Erwartungsfroh nahm ich Platz und war erstmal überrascht, dass der Gewichtsunterschied zwischen vollgetankter Sprint ST und einer Daytona mit wenig Sprit derart deutlich zu spüren war. “Spielzeug”, war mein erster Gedanke.
Die sportliche Sitzweise empfand ich als nicht so unangenehm wie erwartet und dann drehte ich sanft am Gashahn. Schon auf den ersten Metern viel mir das ausgesprochen gute Fahrwerk auf. Während ich mir überlegte wieviel Arbeit und Geld ich in die Verbesserung des Fahrwerks der Sprint ST gesteckt hatte, wurde mir klar, dass dieses Fahrwerk schon im Serienzustand auf gleichem Niveau war. Dieser Eindruck wurde später noch erhärtet.
Erstmal zur Tanke und schon tappte ich in die erste Falle: das Ding hat ja gar keinen Hauptständer.
Nachdem mir die Temperaturanzeige im Cockpit freundlich deutlich gemacht hatte, dass es jetzt durchaus an der Zeit wäre mal etwas flotter zu fahren, bog ich in mein Lieblingsrevier im östlichen Elbbereich von Hamburg ein. Probefahrten machen ja meiner Meinung nach nur da Sinn, wo man Vergleichsmöglichkeiten hat.
Sehr schnell schenkte mir die Daytona das notwendige Vertrauen trotz ungewohntem Bike und noch ungewohnter Sitzposition etwas zügiger ums Eck zu fahren. Dann kam der erste überholvorgang und ich tappte in die zweite Falle: unter 4000 Umdrehungen passiert da gar nix! Ich wollte gerade schon enttäuscht den überholvorgang abbrechen, da riß mir die Lady unmißverständlich die Arme in die Länge. Gnadenlos, absolut leichtgängig und sehr gut dossierbar zieht die Daytona los – nur eben erst ab 4000 Umdrehungen. Muß man ja erstmal wissen…
Jetzt hatte ich mich auf die andere Fahrweise eingeschossen und konnte mich auf andere Sachen konzentrieren.
Ein mit entscheidender Punkt sollte nämlich auch der Windschutz sein. Ich konnte mir nämlich nicht vorstellen, dass so eine kleine Scheibe einem 195cm messendem Menschen auf einem sportlich orientieren Motorrad genügend Windschutz bieten kann. Zugegebenermaßen ist der Windschutz natürlich nicht so toll wie auf der Sprint ST, aber völlig ausreichend und eigentlich sehr angenehm. Irgendwann erwischte ich mich bei dem Gedanken, dass es gut ist, mehr vom Winddruck abzubekommen, denn ansonsten wurde ich wohl zu sehr das Gefühl für Geschwindigkeit verlieren. Immerhin beschleunigt die Gute in unter 10 Sekunden auf 200 Sachen. Und wenn man an der Ampel zu sehr am rechten Griff dreht, dann wird auch klar wieso die sportliche Sitzposition Vorteile hat – man bekommt nämlich schneller das Vorderrad wieder auf die Strasse. Also der Windschutz geht in Ordnung, auch wenn er etwas besser sein könnte.
Das absolute Sahnestück dieses Bikes ist allerdings der orgiastische Sound. Der entsprechende Ingenieur in Hinckley gehört erschlagen. Ständig faucht einen die Lady lüsternd zwischen meinen Schenkeln an und fordert deutlich den kräftigen Dreh am Gasgriff. Das raubt einem echt die Sinne und der bedächtige Familienvater kommt in Bedrängnis. Die Kombination aus Beschleunigung und Sound bedarf einer gewissen Selbstkontrolle, ein Spielzeug ist diese Lady jedenfalls nicht.
Auch umstehende dürfen an dem tollen Sound teilhaben – meine Frau stand jedenfalls schon in der Tür als ich in den Hof eingebogen kam: “Loud pipes wake wives”, grinste sie. Sie hatte mich schon vor zwanzig Sekunden gehört und das obwohl sie nicht wissen konnte, dass ich vorbei komme.
Tja, was soll ich sagen: ein stimmiges Bike, das zwar nicht mit den Sportbikes neuerer Bauart mithalten kann – wenn es um die reinen technischen Daten geht. Aber dafür ist es ein Motorrad mit laszivem Charakter und ich passe auch mit 1,95m Körperlänge noch bequem drauf. Außerdem bietet es die Sicherheit, die man braucht, wenn man mit dieser PS Zahl im öffentlichen Strassenverkehr unterwegs ist.
Meinem Händler habe ich jedenfalls nur ein “Verführer” entgegengeworfen, als ich ihm den Schlüssel nach drei ekstatischen Stunden zurückgab.
“Zuhälter” wäre wohl passender gewesen …




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