5382km :: Der Unfall
16. July 2004 — Zuletzt bearbeitet: 5. June 2007 | 3463x gelesen
Am 13. Juni 2004 war es nach über 100000 Motorradkilometern in den letzten vier Jahren soweit: meine erste unfreiwillige Berührung mit dem Asphalt! Dabei hatte ich viel Glück…
Nach einem herrlichen Kurzurlaub im Schwarzwald mit vielen Freunden des gepflegt Tripletreibens fuhr ich mit drei weiteren Triumphfahrern am 13. Juni auf der Landstrasse B294 zwischen Wolfach und Schiltach. Wir hatten uns zusammen getan, weil wir noch etwas Landstrasse fahren wollten bevor wir genügend Autobahnkilometer zu fahren hatten. Da ich den Weg schon von meiner Hinfahrt kannte, fuhr ich vorne weg. Unnötig zu sagen, dass wir alle das Licht anhatten und mit dem nötigen Sicherheitsabstand als Gruppe mit normalem Tempo unterwegs waren.
An einer übersichtlichen und geraden Stelle passierte es: uns kam ein Auto entgegen und der Fahrer hatte den Blinker links gesetzt. Eine Situation, wie sie sicherlich dutzende Male im täglichen Strassenverkehr vorkommt. Der Abstand zwischen mir als zuerstfahrendem, der Einbiegung und dem Autofahrer war auch so deutlich und vor allem gering, dass die Verkehrssituation völlig eindeutig war: das Auto mußte warten, alles andere führt in eine Katastrophe.
Und die Katastrophe kam! Es waren ungefähr 30 Meter bis zu meinem Erreichen der Einfahrt, als das Auto die Kreuzung erreicht hatte und ohne die Fahrtgeschwindigkeit weiter zu drosseln in die Strasse einbog und somit meinen Spur kreuzte.
Dann ging alles sehr schnell: ich habe natürlich gebremst und es war natürlich eine Schreckbremsung. Ich habe zwar noch versucht die Folgen des überbremsten Vorderrades durch eine Art Stotterbremse zu kompensieren (gut ablesbar an der Bremsspur), aber bei so geringem Abstand zum Hindernis spielt der Verstand nicht mit – ich habe zu stark gebremst, um auf dem Motorrad zu bleiben. Wenn ich weniger stark gebremst hätte, wäre es allerdings wahrscheinlich zu einem Zusammenstoß mit dem Auto gekommen. Also ein klassischer Fall von “keine Chance”! So haben es auch die anderen Motorradfahrer bewertet.
Das Motorrad ist vorneweg gerutscht und ich hinterher. Ich habe es nicht genau gemessen, aber ca 60 bis 70 Meter bin ich bestimmt rücklings über den Asphalt geschlidert. Da mich dabei gedreht habe, konnte ich sehen, dass der Autofahrer einfach weiter gefahren ist. Während ich meine 5 Wochen alte Daytona funkensprühend vor mir her rutschen sah, war mein nächster Gedanke, dass ich jetzt wohl auf den Kosten sitzen bleiben würde.
Aber ich hatte mehrfach Glück! Erstens war ich nicht alleine und während einer mein Motorrad von der Strasse schaffte und einer mir aufhalf, fuhr der dritte im Bunde dem Autofahrer hinterher. Er hatte sich nicht nur geistesgegenwärtig das Kennzeichen gemerkt, er konnte der Fahrer auch schnell ausfindig machen, denn die Strasse in die er hineingebogen war, ist eine Sackgasse und existiert nur für drei Häuser. Glück hatte ich auch, dass ich mit der richtigen Schutzkleidung unterwegs war.
Lederkleidung mit Protektoren an der richtigen Stelle sind eben eine gute Lebensversicherung. Wir vier Motorradfahrer waren uns jedenfalls schnell einig: keiner wollte wissen, wie nach einer solchen Rutschpartie eine Textiljacke ausgesehen hätte. Ich bin die meiste Zeit mit den Füßen voran dem Motorrad hinterhergerutscht. Wer da keinen Verbindungsreißverschluß von Jacke zur Hose hat und sich dann auch noch auf den eingebauten Protektor in der Jacke verläßt, der kann seinen Rücken auf der Strasse zusammensuchen. Glück hatte ich natürlich auch, dass kein weiterer Verkehr auf der Strasse unterwegs war, und dass sich kein Hindernis mir oder der Daytona in den Weg stellte.
Der Autofahrer entpuppte sich als netter Mann Mitte Dreißig, der sichtlich überrascht war: er hat uns und auch später der Polizei gesagt, dass er kein Motorrad gesehen habe und deswegen logischerweise abgebogen sein. Tja, der hat wohl einfach von was anderem geträumt und ist nun wegen “Nichtbeachtung des Gegenverkehrs” einige Punkte in Flensburg reicher.
Meine Daytona hat einen 5-stelligen Schaden hinnehmen müssen, der aber reparabel ist.
Ich hatte am rechten Ellenbogen eine kleine Abschürfung und dadurch direkt nach dem Unfall einen recht großen blauen Fleck, der im Laufe der Zeit lustige Farbwechsel vollzogen hat und auch noch etwas größer wurde. Nach drei Wochen war aber auch der weg.
Etwas Sorgen machte mir allerdings meine linke Hand, die sofort nach dem Unfall sehr stark schmerzte. Ich dachte zuerst an eine heftige Prellung, aber die Schmerzen waren unerträglich. Deswegen bin ich in ein Krankenhaus gefahren, um die Hand untersuchen zu lassen. Nach mehrfachem Röntgen bekam ich einen Salbenverband, denn ein Bruch konnte nicht festgestellt werden. Für die Nacht habe ich mir Schmerzmittel geben lassen. Die Schmerzen haben aber nicht nachgelassen und so habe ich mich dann drei Tage später zu meinem Hausorthopäden gemacht. Nach weiteren Röntgenuntersuchungen konnte aber auch er nichts feststellen. Da aber ein leichtes Klopfen mit seinen Fingern auf meinen Handrücken unerträgliche Schmerzen verursachten, war klar, dass da was nicht stimmen konnte.
Ich bekam eine überweisung zur Kernspintomographie und macht so auch mal Erfahrung mit Lärm in einer kleinen Röhre. 20 Minuten später konnte ich eine saubere Fraktur eines Mittelhandknochens auf dem Bildschirm sehen. Das bedeutete drei Wochen Zwangspause und Gips. Aber wenigstens haben nach einer Woche Stilllegung die Schmerzen etwas nachgelassen. Außerdem hatte ich auch hier wieder Glück, denn es gibt drei Mittelhandknochen, die alle für die Beweglichkeit der Hand von besonderer Bedeutung sind. Glücklicherweise hat es den “unwichtigsten” der Drei erwischt.
Dreieinhalb Wochen nach dem Unfall kam der Gips also wieder ab und die Schmerzen begannen von Neuem. Es ist unglaublich, wie stark die Muskelatur in drei Wochen abnimmt. Am ersten Tag konnte ich keine volle Literflasche Wasser mit der linken Hand halten, weil ich keine Kraft dazu hatte! Sehr mühsam mußte ich die Beweglichkeit wieder schmerzvoll herstellen und mir die Kraft wieder antrainieren. Dieser Prozeß dauerte allerdings gute drei Wochen. Dann hatte ich erst wieder die Kraft eine Kupplung zu betätigen. Noch längere dauerte es, bis Linkskurven wieder ähnlich flüssig gingen wie Rechtskurven.
Fazit: Niemals ohne Schutzkleidung, denn vor solchen Unfällen ist niemand gefeit! Eine Portion Glück gehört aber trotz allem noch dazu…
P.S.: Ein herzliches Dankeschön an meine drei Mitfahrer aus dem T5net, die mir sofort geholfen haben und ohne deren Hilfe ich wesentlich unorganisierter dagestanden hätte. Ich mußte ja schon nicht mal die Polizei anrufen…
Alle Bilder vom Unfall in der Bildergalerie.



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