Jahreshauptversammlung 2004 :: Es wird weiter gewurschtelt…
19. November 2004 | 1613x gelesen
Persönliche Eindrücke einer Versammlung, wo die Skandale eher zwischen den Zeilen zu suchen war und das Wort "Stadionneubau" erstmals seit Jahren nicht fiel…
"Wir brauchen mehr Kritik – aber konstruktive Kritik!" Das sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Burmester bei der Jahreshauptversammlung vom FC St.Pauli am 15. November 2004 im Schmidts Tivoli.
Das war ziemlich am Ende der Versammlung und ich habe mich sofort gefragt, wie konstruktiv die Kritik denn noch sein muß, bis das Präsidium um Corny Littmann endlich in die Schranken verwiesen wird und kapiert, dass es einen Verein zu führen gibt – und nicht nur ein Regionalligateam.
Vor der letzten Jahreshauptversammlung im Dezember 2003 gab es vereinsintern heftige Auseinandersetzungen zwischen Präsidium – hier vor allem Corny Littmann – und Amateurvorstand und AFM. Grund waren die Verleihungen von geldlichem Vermögen von den einzelnen Abteilungen an den Verein, um die Zahlungsfähigkeit im Frühjahr 2003 zu sichern. Noch vor der Retteraktion war der Verein mit einem sechsstelligen Eurobetrag ins Minus gerutscht und damit die Saison 2002/03 überhaupt zu Ende gebracht werden konnte, hatten die einzelnen Abteilungen ihre Konten geplündert und dem Verein die Gelder geliehen. Alle, die Geld geliehen hatten, bekamen vom Verein schriftliche Zusagen, dass zum Ende Juni 2003 das Geld wieder zurückgezahlt werden sollte.
Die Abteilungen hatten dann im Juli 2003 und den Folgemonaten das Problem, dass teilweise der Spielbetrieb gefährdet war, weil kein Geld für entsprechende Auslagen mehr in den Kassen war. Und die Zusagen vom Verein zur Rückzahlung der Gelder waren das Papier nicht wert auf dem sie geschrieben standen. Nach dem Abstieg in die Regionalliga konnten die Zusagen einfach nicht gehalten werden. Und an dieser Stelle erfolgte der erste Riß im Verein.
Wenn die Verantwortlichen im Verein merken, dass sie Zusagen nicht einhalten können und es dafür sogar offensichtlich erkennbare Gründe gibt, dann ist es doch völlig normal, dass man auf die Leute von den man Geld bekommen hat zugeht und ihnen die Lage erklärt und eventuell einen Aufschub der Rückzahlungen erwirkt. Das ist zum einen gut für die Planungssicherheit der Abteilungen und zum anderen gut für die vereinsinterne Kommunikation. Immerhin bedeutet das Zuführen von Geldern aus dem gemeinnützigen Teil des Vereins in die Lizenzabteilung, dass die Gemeinnützigkeit des gesamten Vereins verloren gehen kann – mit entsprechenden steuerlichen Nachteilen und gewaltigen Forderungen seitens des Finanzamtes!
Dieser völlig normale kommunikative Weg wurde aber unter der Verantwortung von Corny Littmann nicht begangen. Der Präsident steht nämlich auf dem Standpunkt, dass im Insolvenzfall das Geld der Abteilungen sowieso weg gewesen wäre. Das ist zwar sachlich nicht falsch, aber trotzdem kein Hinderungsgrund mit den Geldgebern zu reden. Für diese Kommunikation hinderlich ist allerdings, wenn man als Präsident die Meinung vertritt, dass die meisten Mitglieder Fans von der ersten Fußballmannschaft sind – und somit die restlichen Abteilungen sowieso nicht wichtig sind. Corny Littmann ist seiner Meinung nach Präsident der ersten Fußballmannschaft und der Rest des Vereins ist relativ irrelevant. Mit dieser Einstellung begegnete er sehr vielen Menschen in unglaublich arroganter Manier. Auf seine falsche Ausrichtung seines Amtes hingewiesen begegnet er allen ernstes: "Das stimmt nicht, denn viele Abteilungen waren schon in meinem Theater Gast – nur die erste Mannschaft nicht."
Fakt ist, dass vor der Jahreshauptversammlung im Dezember 2003 interne Gespräche zwischen Jugendabteilung, Amateurvorstand und AFM-Abteilungsleitung – zum Teil unter Moderation des Aufsichtsrates – stattgefunden haben, in dem Geschäftsführer Frank Fechner und Präsident Corny Littmann sehr deutlich gesagt wurde, dass die von ihnen gewählte Art der Nichtkommunikation absolut unerwünscht ist, und dass man gesicherte Zusagen über den Rückzahlungszeitpunkt der Gelder haben will. Darüber hinaus wurden Mitgliedsbeiträge, die nach Beschlußlage der Jugendabteilung zustehen, nicht ausgezahlt. Hier macht Geschäftsführer und Präsident deutlich, dass man nicht gewillt ist diese Beiträge an den gemeinnützigen Teil des Vereins auszahlen will. Egal, was die Mitglieder beschlossen haben.
Der Showdown hätte auf der JHV kommen können, aber der gewiefte Taktiker Littmann hat wohl doch feuchte Hosen bekommen und verkündet völlig überraschend, dass alle ausstehenden Gelder ausgezahlt werden würden. Ein Aufatmen geht durch den Verein. Wird doch alles gut?
Zeitsprung zur aktuellen JHV. Es sind also über 11 Monate vergangen seit Präsident Littmann die Rückzahlung der Gelder versprochen hat.
Beim Bericht des Präsidiums geht niemand auf die alte Problematik ein. Es wird nur deutlich, dass der Verein 300.000 Euro hinterm Plan liegt und die Regionalliga nicht die finanzielle Grundlage bietet, die der Verein eigentlich benötigt um zu überleben. Später am Abend wird deutlich, dass der Verein nicht nur 300.000 Euro hinterm Plan liegt, sondern auch noch 350.000 Euro an zusätzlichen Geldern vom Hauptsponsor zugesteckt bekommen hat. Also ist die eigentliche Planungslücke noch viel größer.
Noch aber sah alles so aus, dass das Präsidium einigermaßen vernünftig gewirtschaftet hätte.
Dann aber kam der Bericht des Amateurvorstandes und hier kann ich wieder an den Beginn des Artikels anschließen. Wieviel konstruktive Kritik muß noch folgen? In dem Bericht des Amateurvorstandes wurde dann nämlich deutlich, dass das geliehene Geld zum größten Teil immer noch nicht zurück gezahlt wurde. Und noch schlimmer: schon wieder gibt es kommunikative ärgernisse mit dem Präsidium. Es wurde nämlich in einem Gespräch mündlich vereinbart, dass 4500 Euro monatlich zurückgezahlt werden sollen. Als ein schriftlicher Vertrag von Seiten des Präsidiums vorgelegt wurde, standen plötzlich nur noch 1500 Euro zur Debatte. Mal ganz davon abgesehen, dass äußerst fragwürdig ist, wie lange der Verein einen immer noch sechsstelligen Eurobetrag mit Monatsraten von 1500 oder auch 4500 Euro zurückzahlen will. Es ist jedenfalls absolut untragbar, wenn man mit Verantwortlichen Kompromisse aushandelt, die dann plötzlich wieder kassiert werden.
Aber es kommt noch besser!
Im Oktober sind die Mitgliedsbeiträge nicht an die Abteilungen ausgezahlt worden, sondern zur Bezahlung von Arbeitnehmergehältern verwendet worden. Das allein ist schon Skandal genug – und wieder ein katastrophaler Verstoß gegen entsprechende Gesetze, die die Gemeinnützigkeit des Vereins sichern. Der eigentliche Skandal ist, dass erneut das Präsidium das Gespräch mit den Abteilungen NICHT gesucht hat, sondern erst auf der Sitzung des ständigen Ausschusses dies auch Nachfrage erläutert wurde. Damit ist bestätigt worden, dass das Präsidium und vor allem Corny Littmann es offensichtlich nicht nötig hat mit Abteilungen zu sprechen, denen er Geld schuldet.
Damit der Skandal auf der JHV nicht zur Bombe wird, hat Corny Littmann das Geld mal eben persönlich überwiesen.
Weiteres Wasser auf die Mühlen folgte im Bericht der Kassenprüfer. Wurden diese bei der JHV 2003 noch von Corny Littmann persönlich übelst attackiert, weil beim Verkauf vom Jugendleistungszentrum Brummerskamp die Umsatzsteuer nicht berücksichtigt worden war, mußte das Präsidium diesmal zugeben, dass die Einschätzung der Kassenprüfer damals absolut korrekt war. Eine Entschuldigung von Corny Littmann diesbezüglich gab es natürlich nicht.
Und dann kam der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Burmester mit seinem Bericht. In 10 Fällen wurde der Aufsichtsrat nicht ordnungsgemäß zu Verträgen mit Spielern und Vereinsangestellten gehört. In einem Fall wurde der Beschluß des Aufsichtsrates vom Präsidium sogar komplett übergangen. Der Skandal setzt sich also fort, denn die Satzung wurde erst auf der letzten JHV entsprechend geändert. Weiterhin wurden Informationen dem Aufsichtsrat vorenthalten.
Immerhin erfolgte nun erstmals an dem Abend eine Warnung ans Präsidium und Konsequenzen bei fortdauernden Mißachtung des Vereins wurden deutlich gemacht: "Amtsenthebung", war das Wort, dass als Drohung durch den Raum hallte. Da zog auch Corny Littmann eine Augenbraue hoch.
Diese Drohung ist aber für den Patriarchen Corny Littmann nur eine tote Maus. Der Grund ist relativ einfach dargestellt. Eine solche Umgangsform und solche skandalösen Verhaltensweisen und Verstöße gegen gutes Benehmen im gemeinsamen Verein, wurde noch nie auf einer JHV deutlich. Trotzdem gab es diesmal keinen Abwahlantrag. Erstens ist das Hick-Hack bei der Ablösung von R.Koch noch zu frisch im Gedächtnis, als das viele Mitglieder dies noch mal durchleben möchten. Zweitens hat nun wirklich jeder im Verein gemerkt, dass selbst ein vom "Volk" ins Amt gehobener Präsident keine Besserung bedeuten muß. Corny Littmann hat bewiesen, dass sowas extrem nach hinten losgehen kann. Drittens heißt Amtsenthebung auch immer, dass sich der Aufsichtsrat Gedanken über eine Nachfolge machen muß. Und wem fällt spontan ein geeigneter Kandidat für das Amt des Präsidenten ein?
Deswegen sind Michael Burmesters Worte nach der "konstruktiven Kritik" bei gleichzeitiger Schelte aller Menschen, die an die öffentlichkeit gehen – damit bin auch ich gemeint – ein Schuß in den Ofen. Seit anderthalb Jahren wird vereinsintern konstruktiv kritisiert und nichts, absolut gar nichts, hat sich an Corny Littmanns Verhaltensweise geändert. Berechtigt ist die Frage, ob Herr Littmann sein Verhalten durch Druck von Außen verändert. Schlimmer kann es jedenfalls nicht mehr werden!



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