Yamaha XT :: Kennenlernen für Anfänger
13. December 2004 — Zuletzt bearbeitet: 24. November 2006 | 3116x gelesen
Ein Motorrad, das fast 20 Jahre auf den Buckel hat, muß man erstmal richtig kennenlernen. Sonst wird das nix…
Bei meiner XT fing das kennenlernen durchaus anstrengend an.

Nach der ersten Fahrt zum Stadion am Millerntor, wollte die Gute nämlich nicht mehr anspringen. Volle 2 Stunden habe ich alle Kicktricks ausprobiert, die ich so kannte, aber es tat sich nichts. Die erste halbe Stunde hat sie hin und wieder noch leichte Ansätze eines Anspringens gezeigt und mich somit zum Weiterantreten motiviert, aber nach 2 Stunden war ich körperlich am Ende und Dunkel war es mittlerweile auch geworden. Schöne Bescherung. Gut, dass es in Hamburg öffentliche Verkehrsmittel gibt.
Dankenswerterweise gibt es noch Leute, auf die man sich verlassen kann. So konnte ich meinen Nachbarn überreden mit mir eine nette Autofahrt zu unternehmen und von einem weiteren Freund durfte ich mir einen Anhänger ausleihen. So kam die kleine Zicke XT in heftigem Schneetreiben wieder nach Hause.
Der Schlag traf mich dann, als ich die rechte Verkleidungsseite abgenommen habe. Der Ansaugschnorchel war vom Vergaser gerutscht. Klar, dass ich da Probleme mit dem Anspringen habe…
OK, dachte ich mir, wenn sie jetzt hier schon mal steht und es noch nicht so winterlich ist, wie befürchtet, dann checke ich sie nun mal soweit durch, wie ich das kann, damit ich dann auch was wirklich zuverlässiges für den Winter habe.
Nachdem ich mir für kleines Geld bei eBay ein Reparaturhandbuch ersteigert habe und jede Menge hervorragender Tipps im XT-Forum bekommen habe, war das größte Problem die Beschaffung des richtigen Werkzeugs.
Jedenfalls habe ich den Vergaser gereinigt, die Zündkerze ausgetauscht, bei der Suche auf den Zündfunken die Elektronik überprüft, den Zündfunken gefunden, den Tank mindestens ein Dutzend Male ab- und wieder angebaut, den Luftfilter erneuert,… Ich hatte gute zwei Wochen Spaß, aber schlußendlich konnte ich alles wieder zusammenbauen.
Was mich dabei besonders erfreut hat: alle Ersatzteile gab es für kleines Geld. Selbst der Tankdeckel, der aufgebrochen werden mußte, kostet neu gerade mal 15 Euro!
Dann kam der große Tag: alles zusammengebaut wollte ich am Sonntag eine größere Runde fahren – nachdem ich sie denn dann endlich mal wieder angekickt hatte. Für diesen ultimativen Kick brauchte ich einen halbe Dose Starthilfe, aber irgendwann war es so weit: die liebe XT lief!
Und wie sie lief (gleich mehr dazu).
Nach einer Dreiviertelstunde auf meiner Hausstrecke mit fiesen Kopfsteinpflasterpassagen, war ich wirklich glücklich. Das Fahrwerk der XT kann als “rührend” bezeichnet werden: heftige Schläge werden sauber weggedämpft und plötzliche Gaswechsel führen zu Verwindungen. Die Vorderradbremse kann als vorhanden genannt werden, effektiver ist aber die Trommelbremse hinten.
Für ein Wintermopped genau das Richtige. Und Heizgriffe sind ja auch dran – natürlich Daytonas
Wieder zu Hause angekommen, wollte ich sie natürlich ausschalten – das ging aber nicht. (Ich schrieb ja, dass zum Thema “Sie läuft” noch was kommt.) Obwohl der Schlüssel schon längst abgezogen war, lief die XT schön brav weiter. Hatte ich sie zuerst nicht anbekommen, so bekam ich sie jetzt nicht aus. Der Dreh am Benzinhahn machte dem Spuck dann ein Ende.
Des Rätsels Lösung war recht einfach. Auf der Suche nach dem Zündfunken hatte ich ein Kabel kurzgeschlossen, dass der CDI bestimmte Informationen weitergibt: Killschalter Off, Seitenständer oben, Zündung an. Letzteres wußte ich aber nicht. Und da der Killschalter und Seitenständerschalter eh tot sind und mit kurzgeschlossenem Kabel der Zündfunke zuverlässiger kam, hatte ich das Kabel eben entsprechend verändert.
Tja, da habe ich zur Abwechlung mal wieder den Tank abgebaut und auch dieses Problem schnell gelöst…
Mittlerweile kann ich jedenfalls sagen, dass ich dieses Motorrad besser kenne als meine Triumph. Und mit der Zeit wurde auch eine Freundschaft draus.
Ach ja: ein nettes Kennzeichen habe ich mir noch besorgt – ein Saisonkennzeichen. Soviele Motorräder mit Saisonkennzeichen November bis April wird es wohl nicht geben…



(3 Bewertungen, Durchschnitt: 5.00 von 5)

