Kurventraining auf dem Heidbergring :: Teuer ist auch nicht gleich gut
7. May 2005 — Zuletzt bearbeitet: 5. June 2007 | 5771x gelesen
Nach langer Zeit habe ich mich mal wieder entschlossen, mich bei einem "richtigen" Kurventraining einzuschreiben. Normalerweise fahre ich ja für wenig Geld über private Initiative von dem ein oder anderen Internetforum auf den Heidbergring. Diesmal habe ich mir ein Training bei motorradtraining-4u.de geleistet: Instruktor geführtes Fahren und mehr. Besser war das aber nicht unbedingt…
Eigentlich habe ich dieses Training ja gewählt, weil ich die Hoffnung hatte, das pädagogisch geschulte Motorradfahrer mir besser beibringen können, wie ich schneller ums Eck komme. Das das nicht geklappt hat, lag an verschiedenen Faktoren – auch an mir. Aber von vorne…
Dieses Training kostet schlappe 162 Euro. Meiner Kenntnis nach, gibt es keinen teureren Anbieter von Trainings auf dem Heidbergring. Schon bei der Vorstellungsrunde wird klar warum: 6 Instruktoren, einen Fahnenschwenker, einen Erste-Hilfe-Menschen, 2 Leute in der Küche, 2 Leute für wechselnde Aufgaben und eine Physiotherapeutin! Wasser gabs kistenweise kostenlos, Mittagsuppe mit Wurst und Brot für 2,50 Euro. Neben dem üblichen Kurventraining, gab es in den Fahrpausen weitere Übungen: Bremsen bis zum blockierenden Vorderrad, Kreisbahn, Erste-Hilfe am Unfallort, sowie Tipps und Tricks zur Fahrwerkseinstellung. In der Mittagspause wurde die komplette Strecke mal erlaufen und auf markante Punkte, ideale Linienwahl und eventuelle Gefahren hingewiesen. Also eigentlich ein wirklich rundes Angebot.
Die Gruppeneinteilung wurde von den Instruktoren im Vorfeld vorgenommen. Dabei wurde auf die Selbsteinschätzung der Teilnehmer bei der Anmeldung (ein Kreuz in einem von fünf Feldern) zurückgegriffen. Es fuhren immer 2 Gruppen gleichzeitig, die Fahrzeit betrug jeweils 20 Minuten. Ein Instruktor hatte es mit 7 Teilnehmern zu tun. Ich war bei Karsten gelandet – dem Chef des Anbieters, der uns jedes Mal mindestens 2 Minuten Fahrzeit klaute, weil er nie pünktlich vor Ort war.
In meiner Gruppe war das Leistungsniveau sehr unterschiedlich – zumal die Strecke anfangs nass war. Ich bin persönlich der Meinung, dass gerade bei Nässe, jeder seine Möglichkeiten selbst erfahren sollte. Das Mißtrauen ist bei jedem anders und natürlich auch von der Tagesform abhängig. Lernen kann man meiner bescheidenen Meinung nur etwas, wenn man schrittweise sein Mißtrauen abbaut.
Blöd halt nur, dass ich heute einen wirklich guten Tag erwischt hatte und dazu der Pilot Power richtig guten Grip gezeigt hat, aber der Instruktor mit seinem Super Corsa ständig wegrutschte und so die schnelleren Jungs – zu dem ich ausnahmsweise auch mal gehörte – gehörig einbremste. Man kann Karsten nun wirklich nichts böses unterstellen, denn ich habe deutlich gesehen, wie sein Hinterrad immer wieder wegschmierte. Für mich stellt sich halt nur die Frage, wie stur man sein Konzept des “Hinter-dem-Instruktor-fahrens” verfolgen muß. Ich hätte mich jedenfalls gefreut, wenn jeder Mal eine Runde hätte vorfahren können – denn das ist natürlich auch noch mal ein anderer Schnack und hätte die Schnelleren vielleicht auch ein wenig eingebremst. Immerhin waren wir die sogenannte “schnelle Gruppe” und alle Teilnehmer der Gruppe hatten Heidbergringerfahrung. Mit Sicherheitsbedenken konnte das jedenfalls nichts zu tun haben, denn die Unfälle, die über den Tag leider passiert sind, wurden in keinster Weise vom Veranstalter gedeckt (was durchaus normal ist). So hatte ich jedenfalls in den ersten beiden Turns nur Spaß, weil Andreas mit seiner Speed Triple ebenfalls den Pilot Power drauf hatte und ich von ihm viel abschauen konnte – Andreas kann nämlich wirklich gut fahren!
Den dritten Turn hat sich Karsten dann endlich erweichen lassen und wir haben die Gruppe in zwei geteilt. Das hat dann auch gleich viel mehr Laune gebracht.
Nach dem Mittagessen hätte ich nun erwartet, dass wir in die andere Richtung fahren – ein Prozedere, was auf dem sehr kurzen Heidbergring durchaus üblich ist. Leider fuhren wir noch zweimal in die gleiche Richtung und nur der dritte Turn ging dann gegen den Uhrzeigersinn. Angeblich, weil wir noch nicht schnell und sicher genug um den Ring fahren. Damit hatte Karsten – bis auf Andreas – zwar recht, aber dann hätte er ruhig etwas mehr zu unserer Sicherheit und Schnelligkeit beitragen können. Tipps für die richtige Linienwahl gab es nämlich kaum. Und wenn, dann hat er sich auch oftmals nicht dran gehalten. Immerhin: nach mehrmaligen Fragen gab er mir dann mal einen Tipp für eine bessere Sitzposition und die konnte ich beim letzten Turn dann auch ausprobieren.
Einige andere Instruktoren sind mir beim Betrachten der Gruppen auch nicht besonders positiv aufgefallen. Erstens haben sie sich oftmals auch nicht an die selbst vorgegebene Linie gehalten und einer fuhr mit seiner R1 sogar hemmungslos 20 Meter vor den Teilnehmern her. Wie soll man denn da was lernen?
So war dann auch die Stimmung am Ende des Tages bei den Teilnehmern längst nicht so euphorisch wie ich das bei anderen Anbietern erlebt habe.
Unfälle sind auch überraschend viele passiert und keiner hatte was mit den anfänglich nassen Bedingungen zu tun.
Allerdings möchte ich nicht verschweigen, dass der Lernfortschritt in einigen Gruppen auch wirklich hervorragend war. Und einige Instruktoren haben sich mit ihren Leuten auch richtig mühe gegeben.
Trotzdem denke ich, dass es die 162 Euro nicht wert ist, weil der Lernfortschritt zu sehr vom Instruktor abhängt – und das Instruktorniveau zu unterschiedlich ist.
Nachsatz: Damit kein falscher Eindruck entsteht, möchte ich noch bemerken, dass alle Instruktoren bessere Fahrer sind als ich. Allerdings muß man dieses Wissen auch vermitteln können und meiner Erfahrung nach gelingt das anderen Anbietern besser.
Weitere Bilder von dem Tag…





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Tuesday, 17. July 2007
Und was würdest du nun einem Neueinsteiger empfehlen um sicherer zu werden?
LG.
Thursday, 19. June 2008
Moin!
Ja, ich hätte auch gerne eine Antwort auf die Frage, an welchen Anbieter man sich für ein Kurventraining auf dem Heidbergring wenden sollte.
Vielen Dank für eine kurze Antwort!
Johannes
Thursday, 19. June 2008
Moin,
ich möchte aber keine Empfehlung abgeben, da die Veranstalter öfter ihr Personal wechseln und die Trainingsqualität doch sehr menschbezogen ist.
Grüße
Stefan