16691km :: Motorschaden
9. June 2005 — Zuletzt bearbeitet: 20. May 2007 | 4060x gelesen
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen…
Seit meinem Ritt zu den “1000km von Hockenheim” an Ostern hatte meine Lady ein Problem: einen Öldurst, der für Triplemotoren völlig untypisch ist. Einen ersten Versuch dieses Problem in den Griff zu bekommen, hat mein Dealer auch unternommen. Kurz vor dem Urlaub war aber klar, dass es wirklich nur ein Versuch war und der Ölverbrauch nicht in den Griff zu bekommen war. Allen Beteiligten war das Risiko in Urlaub zu fahren bewußt, aber ich habe es trotzdem gemacht. Schließlich hatte das Problem keine direkte weitere Auswirkung auf den Fahrspaß mit der Tona, außer regelmäßig nach dem Öl zu schauen. Direkt nach meinem Urlaub hatte sich die Werkstatt eine Woche im Auftragsbuch geblockt, um dem Problem auf den Zahn zu gehen. Ich habe einen Liter des wertvollen Goldes in den Tankrucksack gepackt. Und so kam es, wie es kommen mußte…
Es war ein wunderbarer Urlaub mit Achim und Calle, die ich im T5net kennengelernt habe und nur beim direkten Vergleich mit anderen Triumph-Motorrädern beim Ringisieren in Anneau du Rhin wurde klar, dass ich im oberen Bereich ein Leistungsproblem habe. Zu leicht gingen selbst die Speedys mit mindestens 20PS weniger an mir auf der langen Geraden vorbei. Die restlichen Überholmanöver könnte der geneigte Leser mit meinen mangelhaften Fahrkünsten erklären, aber auf einer fast 1km langen Geraden kommt das sicherlich nur wenig zum Tragen.
Die Füllmenge des Öls habe ich alle zwei Tage kontrolliert und den Pi mal Daumen Wert von 500ml auf 1000km kam ziemlich genau hin.
Am letzten Tag überquerten wir das Timmelsjoch in Richtung München, wo wir für den Abend den Autoreisezug nach Hamburg gebucht hatten.
Im Oetztal leuchtete plötzlich die rote Ölkontrollleuchte. Sofort stellte ich den Motor ab. Glücklicherweise war nur einen halben Kilometer entfernt die nächste Tankstelle. Calle holte schnell einen Liter Öl und ich staunte nicht schlecht, dass ich 600ml in die Tona füllen mußte, bis der Peilstab wieder die maximale Füllmenge angezeigt hat. Dabei hatte ich erst am Vorabend ordnungsgemäß aufgefüllt.
Weiter gings im 6. Gang kurz über der Leerlaufdrehzahl. Vorsichtig, hatte ich doch nur noch ein Ziel, dass ich das 180km entfernte München erreiche. Aber ich kam nur 20km weit – die rote Ölkontrollleuchte leuchtete schon wieder. Und wieder füllte ich 600ml nach – wir hatten noch weiteres Öl für unterwegs gekauft.
Wieder fuhr ich vorsichtig im 6. Gang weiter und ahnte schon, dass ich München an diesem Abend nicht mehr sehen würde. Meine Vorahnung bewahrheitete sich nach abermaligen 7 Kilometern. Es gab einen leichten Ruck und Knall in der Lady, die rote Lampe leuchtete und der Motor erzeugte keinen Vortrieb mehr. Natürlich habe ich den Motor sofort ausgemacht. Calle und Achim, die hinter mir gefahren waren, hielten neben mir an und machten fragende Gesichter: “Warum hältst Du denn an?” Weil meine Reise zunächst hier enden sollte.
Äußerlich war kein Schaden zu sehen und der Motor ist auch nicht fest gegangen. Ein letzter Startversuch ließ nur den Anlasser drehen, aber nichts passierte. Ich stand in Habichen – ca. 20km südlich von Imst.
Ich drückte Calle und Achim die Fahrkarten für den Autoreisezug in die Hand und wünschte gute Weiterfahrt. Schließlich war die Ladezeit nur noch drei Stunden entfernt, aber München noch gute 170km weit. Und mir war klar, dass der ACE mich und mein Motorrad irgendwie nach Hause bringen würde.
Während ich noch auf den Abschleppdienst wartete, rief ich bei meinem Händler in Hamburg an und Andreas Päper brachte mich auf die hervorragende Idee, mein Motorrad via Autoreisezug nach Hause bringen zu lassen. Schließlich war der eh gebucht und ein Rücktransport des Motorrades mit dem ACE würde – wie ich aus leidvoller Erfahrung des letzten Jahres weiß – mindestens 10 Tage dauern. Der Abschleppdienst brachte mich in nahegelegene Imst und wollte am nächsten Tag das Motorrad zum nächstgelegenen Händler bringen. Erst von dort aus sollte die Lady via Sammeltransport nach Hamburg kommen. Während der Fahrt nach Imst rief mich ein freundlicher Sachbearbeiter vom ACE an, um das weitere Vorgehen mit mir zu besprechen. Als ich ihm den Vorschlag mit dem Autoreisezug machte und ihm deutlich machen konnte, dass beide Seiten davon profitieren – ich müßte nicht so lange auf die Daytona warten und für den ACE wäre der Transport sicherlich auch nicht teurer – war er sofort Feuer und Flamme und setzte alle Hebel in Bewegung, um noch am gleichen Abend den Zug zu erreichen. Wäre ich etwas früher liegen geblieben, hätte das auch noch geklappt, aber um 19 Uhr war das nicht mehr umsetzbar.
So bezahlte der ACE mir eine Hotelübernachtung und schickte mir am nächsten Morgen einen Transport für mich und mein Motorrad nach München.
Für den weiteren reibungslosen Reiseverlauf mußte ich nun dringend einige Telefonate führen. Dumm, dass der Münzfernsprecher vor dem Hotel nicht funktionierte. Dumm, dass meine Prepaid-Handykarte völlig leer telefoniert war. Dumm, dass ich keine Karte für das funktionierende Kartentelefon direkt vor dem Hotel auftreiben konnte. Dumm, dass der Chef des Hotels nicht vor Ort war, aber sicherheitshalber mal Ferngespräche ins Ausland vom Hoteltelefon aus gesperrt hat. Glück, dass es nebenan ein weiteres Hotel gab, von dem ich meine Frau die Rückrufnummer von meinem Hotel nennen konnte. Glück, dass die Angestellten meines Hotels wirklich nett und hilfsbereit waren – und auch die Gäste am Tresen, die bei den Anrufen meiner Frau immer Platz machen mußten, weil das Telefonkabel nicht ausreichend lang war.
Jedenfalls hat die beste Ehefrau von allen dann aus Hamburg die Umbuchung meines Zuges veranlasst und meinem Dealer Bescheid gesagt, wann ich in Hamburg ankommen werde.
So kam ich am nächsten Tag um 14 Uhr entspannt am Bahnhof an, hatte eine nette Fahrt mit einem Suzi-Treiber hinter mir und konnte einen sonnigen Tag in Münchens Biergärten genießen.
Das Schieben des Moppeds auf den Reisezug ging übrigens überraschend gut.
Nach einer holprigen Nacht im Autoreisezug holte mich mein Dealer wie versprochen morgens um 7:30 Uhr in Hamburg Altona ab und trug sogar meine Klamotten ins Auto. Besonderen Dank an Jan, der dafür sogar in meine Moppedschuhe griff! Jan hat dann mich und die Daytona zu Q-Bike gefahren, dort haben wir die weitere Vorgehensweise besprochen, die Daytona wurde gegen eine Speed4 ausgetauscht und dann hat Jan mich nach Hause gefahren. Herzlichsten Dank an dieser Stelle für diesen absolut nicht alltäglichen Service am frühen Morgen!
Schon am nächsten Tag war die endgültige Diagnose des Schadens gestellt: Motorschaden. Ob nun die Steuerkette dafür gesorgt hat, dass die Ventile nicht mehr ordentlich arbeiteten, oder die Ventile das Reissen der Steuerkette verursacht haben, ist im Nachhinein nicht mehr feststellbar. Die Bilder des Schadens machen aber deutlich, dass schon längere Zeit was im Argen lag. Wenn ich mir das recht überlege, dann hat der schadhafte Motor noch ungefähr 7000km gehalten. Eigentlich spricht das sogar für Triumph.
Die Ersatzteile kamen sehr schnell und schon nach einer halben Woche hatte ich meine Lady wieder im Besitz. Die Werkstatt hat mal eben mit Ersatzteilen im Wert von dreieinhalbtausend Euro einen komplett neuen Kopf gebaut. Ob damit nun auch der erhöhte Ölverbrauch der Vergangenheit anhört, werde ich in ungefähr 1000km wissen. Ich gehe aber davon aus. Bis dahin darf ich mal wieder einen Motor einfahren.
Obwohl Triumph keine Mobilitätsgarantie gibt, wie das zum Beispiel verschiedene Autohersteller machen, bekomme ich die Umbuchaktion des Zuges bezahlt. Das Leih-Speed4 geht auf Kosten meines Händlers. Dankeschön!
OK, ich habe mal wieder Pech gehabt, weil laut Triumph ein solcher Schaden bei einer Daytona noch nicht vorgefallen ist – schon gar nicht nach 10 Monaten und der geringen Laufleistung – aber im Nachhinein kann ich die Geschichte mit einem weinenden und einem lachenden Auge betrachten. Das weinende wegen des Schadens, aber das lachende, weil ich mich mal wieder auf meine Mitmenschen und einem hervorragenden Händler verlassen konnte und alles finanziell glimpflich und mit recht wenig ärger abgewickelt werden konnte.
Und seit die Lady wieder rennt bekomme ich das Triumph-typische Grinsen eh nicht mehr aus dem Gesicht…





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Wednesday, 13. June 2007
Hallo,
also, der Aussage, das es keinen weiteren Motorschaden bei einer Trimph Daytona 955 im ersten Betriebsjahr gab, möchte ich energisch widersprechen. Meine hielt nur knapp 18 000 Km da war nach einem dreiviertel Jahr der Motor zum erstenmal hin. (Wenn Du magts, lies mal auf meiner Webseit unter dem Punkt Geschichten, die Geschichte von der Notwendigkeit mehr als einen Schutzengel zu besitzen).
Der Ölverbrauch bei meiner Maschine beträgt, auch nach mehrmaligen Reparaturversuchen seitens des Triumphhändlers, ca. 1 Liter auf 800 bis 1000 Km- Ich habe Triumph Deutschland schon mehrmals deshalb angeschrieben (Sogar mit der Bitte, gegn kleinen Aufpreis eine andere Maschine zu erwerben). Aber die Verweisen mich immer wieder an meinen Händler…. und der an Triumph Deutschland ????.
Also die Daytona ist zwar ein wunderschönes Motorrad, aber für mich die erste und letzte Triumph Maschine die ich fahren werde.