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Familientag im Airbus-Werk in Finkenwerder

28. August 2005 — Zuletzt bearbeitet: 16. October 2006 | 3316x gelesen

Ich habe überhaupt nichts gegen die Firma Airbus – von den militärischen Aktivitäten der Hauptgesellschaft mal abgesehen. Der Zufall wollte es aber, dass ich in Neuenfelde wohne – in direkter Nachbarschaft zu Airbus…

Ich bin eigentlich sehr technikafin und gerade neue Dinge begeistern mich sehr. Deswegen habe ich zum Beispiel überhaupt nichts gegen die Firma Airbus – von den militärischen Aktivitäten der Hauptgesellschaft mal abgesehen. Der Zufall wollte es aber, dass ich in Neuenfelde wohne – in direkter Nachbarschaft zu Airbus, die ja eigentlich EADS (European Aeronautic Defence and Space Company) heißt.
Als ich nach Neuenfelde gezogen bin, wußte ich von dieser Nachbarschaft. Mit dem damit einhergehenden Fluglärm habe ich keine Probleme. Die Flugzeuge im Landeanflug sind weniger als 100m über meinem Wohnhaus und das bedeutet nur kurzzeitig viel Lärm. Auch der Windzug durch das Wohnzimmer und die vibrierenden Scheiben, die durch den Landeanflug der Flugzeuge (sogenannte Wirbelschleppen) verursacht werden, belasten mich nicht. Ich habe vorher gewußt, worauf ich mich einlasse.
Neuenfelde - leerstehendes HausTrotzdem beschleicht mich ein merkwürdiges Gefühl, als ich am 27. August 2005 – am Familientag der Airbus – erstmals das Werk in Finkenwerder betrete. Das hat weniger mit der Airbus selbst zu tun, als mit einem durch die Springer-Presse zugespitzten Konflikt um die Verlängerung der Start- und Landebahn in Richtung Neuenfelde. Ich will diesen Konflikt hier nicht ausführlich darstellen, denn das können andere Webseiten viel besser. Nur kurz zum besseren Verständnis meines Textes einige Informationen: die Landebahnverlängerung wird benötigt, damit eine zu zweidrittel beladene Frachtversion des neuen A380 auf der Piste starten und landen kann. Dieser Flug ist notwendig, um potentiellen Kunden die Leistungsfähigkeit des Fliegers zu zeigen. Die Anzahl dieser Flüge gibt die Airbus selbst als so niedrig an, dass zum Zählen der Flüge maximal zwei Hände notwendig sind. Neuenfelde - leerstehendes HausDiese Flüge könnten problemlos für die Kosten einer Tankfüllung in Toulouse – dem Hauptwerk der Airbus – durchgeführt werden. Selbst auf dem Hamburger Flughafen in Fuhlsbüttel wäre die Durchführung der Flüge problemlos möglich. Die Kosten würden sich hierbei auf einen niedrigen 5-stelligen Eurobetrag belaufen.
Statt dessen wird von Airbus, Hamburger Senat und SPD, sowie der örtlichen Springer-Presse (Bild, Welt, Abendblatt) eine Verlängerung der Werkspiste forciert, die Kosten in Höhe von einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag bedeuten. Neuenfelde 1962Neben diesen Kosten wird der Deichschutz für Neuenfelde aufs Spiel gesetzt (das Schwarzweißbild zeigt Neuenfelde beim Hochwasser 1962 – nach dieser Katastrophe wurde der Hauptdeich gebaut, der nun für die Landebahn durchbrochen werden müsste – der rote Pfeil im Bild zeigt mein jetziges Wohnhaus), mehrere Hektar Obstanbaugebiet werden betoniert (das “Alte Land” versorgt ca 50% des Apfelbedarfs in Deutschland und ist Naherholungsgebiet der Hamburger – vor allem zur Kirschblütenzeit) und viele Häuser wurden schon abgerissen oder stehen seit Jahren leer (die Bilder hier auf der Seite zeigen alle leerstehende Häuser in meiner unmittelbaren Nachbarschaft. In der Strasse in der ich wohne, stehen ca 80% der Häuser leer.).
Die Chance, dass die Landebahnverlängerung doch nicht umgesetzt wird, geht gegen Null.
Diese kurze Information macht dem Leser hoffentlich die Vielfältigkeit und die historische Bedeutung der Landebahnverlängerung deutlich. Umfassend ist sie natürlich nicht. Sie soll auch eher die Hintergründe für mein mulmiges Gefühl beim Betreten des Werksgeländes erläutern.

Erfreulicherweise nimmt die Airbus bei ihrer Präsentation von Fertigung und Prüfungen von Flugzeugen auf die Landebahnverlängerung keinen Bezug. Trotzdem umgibt sie mich an diesem Tag immer wieder.
Zum einen wird der A380 extra aus Toulouse zum Familienfest anfliegen und einige Runden über Hamburgs Süden drehen. Neuenfelde - leerstehendes HausDie Medien haben dieses Ereignis natürlich entsprechend gehyped.
Zum anderen schnappe ich immer wieder Gesprächsfetzen von Leuten auf, die wie ich in Schlangen warten und auf die Landebahnverlängerung bezug nehmen. Auch hier kann ich erfreut zur Kenntnis nehmen, dass die Gespräche sehr sachlich verlaufen und die Leute glücklicherweise nicht so emotional verblendet sind, wie die Springer-Presse das gerne darstellt. Und die Neuenfelder Feuerwehr schiebt sogar Dienst auf dem Werksgelände.

Die Fertigungsprozesse werden in großer Offenheit gezeigt. Die Organisation des Festes läuft wirklich rund. Allerdings hätten auf dem Lageplan die Eingänge verzeichnet werden sollen – besonders für Halle 14 läuft man sich einen Wolf, bis man endlich den Eingang gefunden hat.
Anfangs erscheinen mir die Anzahl der Fressstände etwas überdimensioniert, aber um die Mittagszeit ist an jedem Stand eine mindestens 10 Meter lange Schlange. Zwei kleine Airbusse stehen offen, damit man einen Blick ins Cockpit werfen kann und selbst morgens um viertel nach neun warte ich eine Dreiviertelstunde. Rundflüge in kleinen und großen Maschinen sind für kleines Geld zu haben, aber schon vor dem Familienfest ausgebucht.
Neuenfelde - leerstehendes HausInteressant ist, dass die Starts und Landungen der größeren Flieger auf dem weiten Feld des Werksgeländes wesentlich leiser sind als bei mir im Garten.

Als der A380 nachmittags über dem Garten kreist, sind die Tiere wegen Lautstärke und Größe des Objekts sehr nervös. Die befürchteten Wirbelschleppen bleiben aus, weil der A380 nicht zu Landung ansetzt – der Testplan hat dafür laut Airbus keine Zeit gelassen.

Fazit: ein interessanter Tag – aber das mulmige Gefühl wird bleiben…
Fast 60 Bilder vom Tag bei der Airbus gibt es in meiner Galerie zu sehen.

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Kategorie: Diverses

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2 Kommentare

  1. Hau wech den Scheiss – es lebe der Fortschritt um jeden Preis!

  2. 2
    A. Winter 
    Tuesday, 3. October 2006

    Sei standhaft und bleibe. Neuenfelde hat viele Katastrophen überlebt. Noch fehlen die Landebahnen auf den europäischen Flughäfen. Eineige Länder steigen aus bei Airbus. Die Ölvorräte schrumpfen weiter. Der Motor der Flugzeuge läßt sich nicht umändern von Kerosin auf einen anderen Treibstoff. Das Ende für die Riesenflieger ist absehbar.

    Leider steht auch das Haus von meinen Urgroßvaters Johann Hinrich Witt leer. Mein Großvater Johannes Witt hatte es 1914 erbaut. Mein Vater war in Südamerika, als das Haus verkauft wurde. Er hat dies immer zutiefst bedauert. Wir sind nach dem Erdbeben 1960 erst zurückgekehrt. Auf dem Haus ist noch eine alte Wetterfahne von früheren Haus.

    MfG
    A. Winter

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