Januar / Februar :: 5. Kalenderwoche
5. February 2006 | 1562x gelesen
Arbeitslosenzahlen; Geiselnahme im Irak; Merkel in Palästina; Mohammed-Karikaturen; Fährunglück
Die Bundesagentur für Arbeit gibt bekannt, dass sich die Zahlen der Arbeitslosigkeit im Januar um 408 000 auf 5 012 000 Arbeitslose (Quote: 12,1%) erhöht und damit wesentlich ungünstiger als es jahreszeitlich üblich ist entwickelt haben. Hierfür nennt die Agentur zwei Gründe: Zum einen zeigten sich im Januar die Auswirkungen der Winterpause, zum anderen meldeten sich verstärkt ältere Menschen arbeitslos.
Zu den beiden Deutschen, die Opfer einer Geiselnahme im Irak geworden sind, gibt es auch zwei Wochen nach ihrer Geiselnahme immer noch keinen Kontakt. Nachdem ein Ultimatum der Geiselnehmer abgelaufen ist fordert Außenminister Steinmeier in einem Fernsehappell im arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira die Entführer auf, die Deutschen frei zu lassen. Er wird in seinem Appell von vielen muslimischen Verbänden in Deutschland und von arabischen Organisationen unterstützt.
Bei dem Besuch von Bundeskanzlerin Merkel in Israel und Palästina fordert sie die Wahlsieger Hamas auf die Existenz Israels anzuerkennen und macht einen Zusammenhang zwischen finanziellen Hilfen und politischen Forderungen an die Verantwortlichen der Region deutlich. Bei ihrem Besuch in Palästina verweigert sie bewusst eine Zusammenkunft mit Hamas-Vertretern und traf sich stattdessen mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas.
Bei der internationalen Sicherheitskonferenz Ende der Woche erneuert Bundeskanzlerin Merkel ihre Forderungen, ergänzt diese um die Forderung nach Gewaltverzicht und übernimmt damit die Position des Nahostquartetts (Uno, EU, die USA und Russland) vom Montag dieser Woche.
Bei dieser Gelegenheit ermahnte sie in ihrer Rede auch den Iran die Politik bezüglich der Urananreicherung zu überdenken.
12 Karikaturen über Mohammed sind das weltweite beherrschende Thema in dieser Woche. Die Entstehung der Karikaturen beschreibt das christliche Portal livenet.ch: "(Es geht) um ein Kinderbuch, das noch gar nicht erschienen ist. Denn der Verfasser, der Däne Kar Bluitgen, hat immer noch keinen Illustrator dafür gefunden. 'Der Koran und das Leben des Propheten Mohammed' soll es heißen. Die größte Tageszeitung des Landes, Jyllands-Posten, lud also verschiedene Karikaturisten dazu ein, ihre Ideen zu Papier zu bringen. Sie sollten Mohammed so zeichnen, wie sie selber ihn sähen. Heraus kamen 12 anonyme Zeichnungen, die das Blatt Ende September veröffentlichte."
Aus Wut über die Karikaturen des Propheten Mohammed haben aufgebrachte Moslems Europäern jetzt Gewalt angedroht. In sehr vielen islamisch geprägten Ländern und von muslimischen Volksstämmen in westlichen Ländern wurden Demonstrationen gegen die Veröffentlichung der Zeichnungen durchgeführt. Diese verliefen nicht immer gewaltfrei. Nach aktuellem Nachdrucken der Zeichnungen in weiteren Ländern wurden die Kundgebungen entsprechend ausgeweitet. So schreibt die Deutsche Welle unter anderem: "In der Stadt Gaza drangen am Donnerstag etwa fünfzig maskierte und mit Schnellfeuergewehren und Panzerfäusten bewaffnete Palästinenser in den Vorgarten des dortigen EU-Büros ein und feuerten Schüsse ab. (…) Die etwa dreihundert Moslems der extremen "Islamischen Verteidigungsfront" (FPI) drangen nach Angaben eines Augenzeugen in Jakarta (Indonesien) in die Lobby des Gebäudes ein, in dem die (dänische) Botschaft untergebracht ist. Sie zerschlugen Lampen mit Bambusstöcken und warfen Stühle umher. Auf das Schild der dänischen Botschaft warfen sie faule Eier und Tomaten."
Am Wochenende wurden Brandanschläge gegen die dänische Botschaft in der syrischen Hauptstadt Damaskus und in der libanesischen Hauptstadt Beirut verübt. In London demonstrierten rund 400 Menschen vor der dänischen Botschaft. Auch in ägypten gab es Proteste. In Kairo wurde eine dort ansässige Zeitung, die die Zeichnungen abdrucken wollte, vor der Auslieferung wieder eingestampft.
Ein Abebben der Gewalt ist derzeit nicht abzusehen. Die Staatspräsidenten von 17 arabischen Ländern rufen zum Boykott dänischer Produkte auf und fordern die dänische Regierung zur Bestrafung der Verantwortlichen auf.
Eine Entschuldigung der Jyllands-Posten liegt seit dem 30. Januar vor. UN-Generalsekretär Kofi Annan hat die Muslime in aller Welt gebeten, diese Entschuldigung zu akzeptieren.
über mäßigende Stimmen in der islamischen Welt schreibt sz-online: "So wurde Donnerstag der Chefredakteur der unabhängigen jordanischen Zeitung al-Shihan, Jihad Momani, entlassen, weil er drei der Karikaturen veröffentlicht hatte, damit die Moslems wissen, wogegen sie protestierten. Zugleich aber stellte Momani seinen Glaubensbrüdern die kritische Frage: 'Was erzeugt mehr Vorurteile gegen den Islam, diese Karikaturen oder die Bilder von Geiselnehmern, die ihren Opfern vor laufenden Kameras den Hals aufschlitzen, oder von Selbstmordattentätern, die sich bei einer Hochzeitsfeier in Amman in die Luft sprengen?'"
Die Zeit schreibt über die Motive und eine Zusammenstellung ihrer Artikel gibt es unter anderem für die FAZ und FR.
In der Nacht zu Freitag ereignet sich eines der schlimmsten Schiffskatastrophen der vergangenen Jahrzehnte. Die mit ca. 1300 Passagieren und 100 Besatzungsmitgliedern vollbesetzte Fähre "Al Salam Boccaccio 98" kentert auf dem Roten Mehr 90 Kilometer vor ihrem Ziel, dem ägyptischen Hafen Safaga. über die Anzahl der Toten gibt es keine verlässlichen Quellen. Die Zahl der Geretteten schwankte in unterschiedlichen Quellen zwischen 354 und 440 Menschen. Auch über die Ursache gibt es zunächst unterschiedliche Meldungen, die von schlechten Witterungsbedingungen mit Sturm oder einem Feuer an Bord sprechen.
über die schlechte Informationspolitik der Verantwortlichen sind mehrere Angehörige so erbost, dass es am Samstag zu gewalttätigen Auseinandersetzung mit der Polizei kommt. Dabei wird auch Tränengas eingesetzt.
Der Springer-Verlag erklärt endgültig kein Interesse mehr an der übernahme der ProSiebenSat.1-Gruppe zu haben.
Alan Greenspan ist als Notenbankchef der USA zurück. Das Neue Deutschland fasst sein Wirken zusammen.



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