April :: 15. Kalenderwoche
18. April 2006 | 1287x gelesen
Wahl in Italien; Ehrenmordurteil; Osterfest; Rassismus in Potsdam
Die Parlamentswahl Anfang der Woche in Italien entscheidet die Mitte-Links-Allianz um Romano Prodi mit hauchdünnem Vorsprung für sich. Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi will seine Niederlage allerdings nicht anerkennen und verlangt eine überprüfung möglicher Unregelmäßigkeiten. Prodi hat bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus mit einem Vorsprung von 25.224 Stimmen vorne gelegen, aber Wahlprüfer haben 43.000 Stimmen wegen regelwidrig ausgefüllter Wahlzettel nicht anerkannt. Nach überprüfung der umstrittenen Stimmzettel verringerte sich die Zahl der ungeklärten Stimmen auf 2131. Prodis Koalition erhält demnach im Abgeordnetenhaus 340 von 630 Sitzen. Dem Innenministerium zufolge kommt der Prodi-Block zudem im Senat auf 158 Sitze, die Mitte-rechts-Allianz von Berlusconi auf 156. Zum Regieren werden Mehrheiten in beiden Kammern benötigt. Doch Berlusconi weigerte sich auch am Freitag, einen Sieg Prodis anzuerkennen.
Weil sie sich ihrer Zwangsehe entzogen, das Kopftuch abgelegt und sich von ihrer Familie abgewendet hatte, wurde die 23jährige Hatun Sürücü von ihrem Bruder am 7. Februar 2005 mit drei Kopfschüssen erschossen. Im Prozeß um den sogenannten Ehrenmord hat ein Berliner Gericht den Täter zu neun Jahren und drei Monaten Haft verurteilt, die älteren Brüder der Toten aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Die Höchststrafe für diesen Mord hätte zehn Jahre betragen. Die geringere Haftstrafe erklärte das Gericht mit der langen Untersuchungshaft, seiner Reue und dem Geständnis, das der heute 20jährige schon zum Prozeßauftakt abgelegt hatte. Die Anklage hatte wegen gemeinschaftlichen Mordes auch für die beiden älteren Brüder lebenslange Haftstrafen gefordert. Der inzwischen 26jährige sollte die Waffe besorgt, der ein Jahr jüngere Bruder den Tatort überwacht haben. Dafür fand das Gericht aber keine unmittelbaren Beweise.
Ehrenmorde haben nach Auffassung des Zentralrats der Muslime nichts mit dem Islam zu tun.
Das Sorgerecht für den Sohn der Ermordeten hat nun die Schwester des Opfers beantragt. Dies halten viele Politiker für schwer vorstellbar. Mehrere Politiker haben die Familie des Opfers nach dem Urteil aufgefordert, Deutschland zu verlassen.
Papst Benedikt XVI. hat die Welt bei seinem ersten Osterfest mit einer tiefgründigen theologischen Botschaft und einem ungewöhnlich politischen Appell überrascht. Er rief zu Frieden an den Krisenherden der Welt auf, forderte Solidarität und gerechte soziale Strukturen. Zugleich mahnte er Völker, Kulturen und Religionen zum gemeinsamen Einsatz gegen Terrorismus. Der Pontifex verwies aber auch auf die Krise um die Nuklear-Problematik und das Morden im sudanesischen Darfur.
Ein aus äthiopien stammender Deutscher ist am Ostersonntag von Unbekannten in Potsdam überfallen und schwer misshandelt worden. Der 37-jährige Vater zweier Kinder erlitt nach Polizeiangaben bei dem überfall ein schweres Schädel-Hirn-Trauma sowie Knochenbrüche. Er schwebt in Lebensgefahr und wurde auf der Intensivstation ins künstliche Koma versetzt. Der Ingenieur für Wasserbau, der gegenwärtig an seiner Doktorarbeit schreibe, sei gegen vier Uhr früh an einer Straßenbahnhaltestelle in der Brandenburger Vorstadt auf offener Straße überfallen worden. Die Staatsanwaltschaft geht von einer rassistisch motivierten Tat aus. Sie ermittelt unter anderem wegen Mordversuchs mit fremdenfeindlichem Hintergrund.



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