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Spaß und neue Erfahrungen :: Pfingsten auf dem Lausitzring

9. June 2006 — Zuletzt bearbeitet: 8. January 2007 | 2678x gelesen

Der Lausitzring war meine erste zarte Berührung mit dem Ringisieren und hat einen schwachen Virus in mir implantiert, der unter anderem dafür gesorgt hat, dass ich von der Sprint ST zur Daytona gewechselt bin. Zwei Befahrungen des Rheinrings bei Anneau und einem Besuch der Betonplattenstrecke in Peenemünde später, machte der Virus mir deutlich, dass er mich bald in einen Fieberwahn treiben würde, wenn ich ihn nicht wieder füttern würde. Vielleicht habe ich auch einfach nur auf falsche Freunde gehört…

Jedenfalls wurde im Winter aufgerüstet und mit weiteren Freunden ein passender Termin an Pfingsten gebucht. Die Freude auf vier Tage Rennstrecke wurde kurzfristig durch unverschuldeten Feindkontakt von Akeem getrübt, aber Donnerstag abend fanden sich trotzdem in zwei Boxen jede Menge nette Menschen mit gleichem Hirnschaden zusammen.
Obwohl ich zu Hause schon einiges vorbereitet hatte, ging die Schrauberei vor Ort noch etliche Stunden weiter. Dafür konnte dann am nächsten Morgen meine erste Fahrt auf Slicks beginnen…
Ich hatte mit Calle die mittlere, blaue Gruppe gebucht und so begann der Stress um 9:15 Uhr: Lederkombi anziehen, Ohrstöpsel positionieren, Arbeitshandschuhe anziehen, Reifenwärmer runterwurschteln, Mopped vorne abbocken, Mopped hinten abbocken, Arbeitshandschuhe ausziehen, Helm aufsetzen, Handschuhe anziehen, auf dem Mopped Platz nehmen, tief durchatmen, Rennstreckenmodus aufrufen, aus der Box fahren, vor der Ampel auf grün warten,… und um 9:20 Uhr bei grün mit vor Aufregung feuchter Hose losdümpeln. Merke: nächstes Mal vor dem Stress Toilette besuchen nicht vergessen!
Ich hatte im Vorfeld viel darüber gelesen, wie es ist mit Slicks zu fahren, aber so schlimm habe ich es mir nicht vorgestellt. Die erste Runde dachte ich statt der Slicks hätte ich Vollgummireifen aufgezogen. Die vor mir am Kabel ziehenden rennstreckenerfahreneren Freunde liessen meine Zweifel am Haftungsvermögen der Pneus schnell verfliegen und ab der zweiten Runde war auch das hopsende Gefühl weg. Mein Vertrauen wuchs, meine Schräglage auch und am Ende des Turns zeigte der Laptimer eine 2:18 an. OK, fünf Sekunden schneller als bei der letzten Befahrung des Eurospeedways und nur noch acht Sekunden bis zu meinem vor der Veranstaltung gesteckten Ziel. Ich war zufrieden.
Der zweite Turn lief bei strahlendem Wetter noch besser und ich “brannte” eine 2:13 in den Asphalt. Meine Hose war allerdings wieder feucht, diesmal aber, weil ich bemerkte, dass fahren auf gewärmten Slicks wirklich geil ist. Nach dem dritten Turn konnte ich gar nichts mehr halten, denn der Lappenzeiter ließ eine 2:09 aufleuchten und mein zweites Ziel wurde ebenfalls schon zu diesem frühen Zeitpunkt erreicht: erstmals in meinem Leben streichte der Knieschleifer liebevoll über den Asphalt. Interessanterweise zuerst mit der linken Seite, wo rechts doch eigentlich meine Schokoladenseite ist. Da ich zu diesem Zeitpunkt auch noch 2 Sekunden schneller war als mein Freund Calle, der von uns beiden der bessere Fahrer ist, trug nicht wirklich dazu bei meine Stimmung einzutrüben. Beim letzten Turn vor der Mittagspause fuhr ich dann völlig beseelt eine 2:08 und eigentlich hätte ich zu diesem Zeitpunkt schon wieder einpacken und nach Hause fahren können.
Pfeifend unterm Helm Natürlich hatte ich mich für die “Vergleichsfahrt” über 7 Runden am nächsten Tag eingetragen und wollte nun wissen, was meine “Fabelzeit” denn eigentlich wert ist und welcher Startplatz dabei herausspringen könnte. Immerhin wollte ich diesmal nicht Letzter werden, so wie bei dem Event in Peenemünde im letzten Jahr. Der Zeitenmonitor mit allen Fahrern und ihren Bestzeiten ließ mich dann schnell wieder nüchtern werden: noch langsamer als ich war eigentlich keiner der am Rennen teilnehmen wollte…
Während der Mittagspause wurden Linien diskutiert und vor allem Andi – zu dem Zeitpunkt schon mit einer 1:59 unterwegs – gab wertvolle Tipps für Nasenbohrer wie mich.

Nach der Mittagspause konnte ich meine Zeiten rund um 2:10 stabilisieren und bei der Bremspunktverschiebung auf der Gegengeraden konnte ich meine Offroadqualitäten voll zum Einsatz bringen. Leider machen Grünfahrten nicht wirklich schnell und bald wurde klar, dass die abfallende Links mein größter Gegner wird. Irgendwie wurde immer wieder die Hose feucht – jetzt allerdings hinten – wenn beim Anbremsen das Heck lustige Schüttler machte und ich bekam es nicht hin trotz des Wackelhecks einzulenken. Mein Tourerfahrerinstinkt war stärker als meine positiven Erfahrungen mit dem Haftungsvermögen eines Slicks. Besser wurde es erst, als ich zu früh nach Start/Ziel einbog und die Überfahrt des dort vorhandenen Kurbs in guter Schräglage für ein äußerst heftiges Schütteln des kompletten Bikes verursachte. Ich mußte aufrichten, fuhr auch hier durchs Grün, mußte aber nur die hinter mir fahrenden Calle und Andi durchlassen, bevor ich wieder die Fahrt aufnehmen konnte. Junge, junge, was so alles mit Slicks geht und wie sehr ich noch von irgendwelchen Limits weg bin, wenn solch ein Manöver so problemlos zu retten ist.
Im dritten Turn passte dann mal wieder alles und die 2:07 konnte als Bestzeit verzeichnet werden. Freudig über diese fahrerische Leistung kam ich zurück in die Box und strahlte Calle an, der aber nur abschätzig auf seinen Laptimer tippte: 2:04! Arschloch! ;)

Schräg rechts rum Das Qualifying und der Tag war nach Dusche, Grillen und Einschlafbier vorbei. Meine 2:07 bedeutet Startplatz 26.
Am nächsten Tag lief irgendwie gar nichts. Mein Reifen war schon am Vortag aufgerissen und nur dank Shark und Jos Hilfe beim der Fahrwerkseinstellung konnte ich schlimmeres verhindern. Nie wieder Metzeler auf dem Lausitzring! Die Zeiten waren permanent über 2:10 und die Gegengerade wurde auch nicht zu meinem Freund. Immerhin konnte ich mittlerweile schon routiniert während des Ausflugs ins Grüne dem Fotografen zu winken. Zu allem Überfluss erhellte dann auch noch die Motormanagementleuchte mein Cockpit und ließ meine Miene verfinstern. Nach kurzem Überlegen was zu tun sein, kam dann die rettende “Scheiss-Egal-Haltung” in meinen Sinn und ich konnte im letzten Turn meine bisherige Bestzeit um wenige Zehntel verbessern.

Racetime! Nur für zwei Minuten ist die Boxengasse auf und alle Fahrer müssen auf die Piste. Dann begann das große Suchen nach der Startposition und ein Vorstart in dem jede Startreihe mit wenigen Sekunden Abstand eine Runde zum Warmfahren der Reifen los fährt. Ich war in meiner Startreihe der einzige Starter, die anderen waren nicht angetreten. Beim Anflug auf die erste Links nach Start/Ziel viel mir dann auf, dass ich in einem völlig anderen Gang unterwegs als üblich. Eigentlich logisch, aber an sowas denkt man ja nicht. Jedenfalls nahm ich mir vor beim eigentlichen Start die Gänge zu zählen, damit ich nicht dem Automatismus folgend runterschalte. In der Einführungsrunde ließ ich mir etwas Zeit, denn ich wußte, dass der letzte Fahrer im Feld deutlich langsamer ist als alle anderen und ich wollte nicht zu lange in der Startaufstellung nervös werden. Das klappte ganz gut. Die Flaggen deuteten an, dass es gleich losgehen würde, die Motoren heulten auf, die Startampel schaltete auf rot, die Nervösität wuchs, die Ampel ging aus und über 30 Bikes rauschten auf die erste Kurve zu. Mein Start war prima. Dank der unterlegenen PS-Leistung hatte ich im Gegensatz zu den Mitracern keine Probleme mit einem steigenden Vorderrad. Nur mit wenigen kurzen Vorderradlupfern konnte ich zwei Startreihen gut machen, steckte dann aber bei der Links zurück, um niemanden zu gefährden. Übler Fehler, denn die gutgemachten Plätze habe ich so leicht hergeschenkt.
Ich reihte mich am Ende des Feldes ein und hatte sofort zwei Herren vor mir, von denen ich mich nicht abschütteln lassen wollte. Das lief gut. Wir fuhren als Dreiergruppe und vor und hinter uns war niemand mehr zu sehen. In der dritten Runde machte es kurz ssssst und Philip Hafenegger, seines Zeichens IDM-Fahrer, sauste an uns vorbei.
Drei Runden vor Schluß merkte ich, dass ich vielleicht eine Chance habe die beiden vor mir fahrenden zu kassieren. Das Rennfieber hatte mich gepackt. Zwei Runden vor Schluß konnte ich in der 180 Grad Linkskurve die vor mir fahrende RSV1000 innen überholen. Ein Grinsen huschte über mein Gesicht. Auf der Start/Ziel wollte ich unbedingt an der vor mir fahrenden 996 dranbleiben und in der letzten Runde meine Chance suchen. Leider schaltete ich unkonzentriert, verlor schnell viele Meter und die mühsam überholte RSV zog problemlos an mir vorbei. Mist. Aber dranbleiben war angesagt, denn ich spürte, dass ich die grösseren Reserven hatte. Mein Fitnesstraining der letzten drei Wochen (4 mal wöchentlich eine halbe Stunde joggen) machte sich nun bezahlt. Ausgerechnet auf der Gegengerade konnte ich die RSV wieder ausbeschleunigen und überholen. Nur noch die Duc vor mir, holte ich alles aus mir raus und überholte ihn in der Apcoa aussen – Höchststrafe! Jetzt nur nicht nachlassen, denn der bleibt bestimmt an meinem Hinterrad. Noch drei Kurven, noch zwei Kurven, die Schikane vor Start/Ziel, gleich habe ich es geschafft. Da! Beim Rausbeschleunigen in Richtung Ziel habe ich einen sehr heftigen Hinterradrutscher. Ich versetze um gefühlte drei Meter und gehe vom Gas. Aber ich will gewinnen, richte mein Mopped wieder in Fahrtrichtung und drehe am Gas. Der bollernde Sound der Duc läßt meinen Atem vibrieren. Vollgas – Ziel! Geschafft! Ich juble und recke die linke Faust gen Himmel. Mein erstes Rennen bei dem ich nicht Letzter werde. Ich fühle mich wie ein Weltmeister. Die Platzierung ist mir völlig wurscht, denn der Kampf war sicherlich vorne auch nicht härter – nur schneller …
Nach der Auslaufrunde lasse ich mich feiern, weil jeder der mitgefahren ist auch gefeiert wird. Mein Adrenalinpegel sind nur allmählich wieder. Es ist der jämmerliche Platz 25 von 29 geworden, aber geil war es trotzdem! Und die schnellste Runde war die letzte – 2:05!
Ich fahre danach nur noch einen Turn, aber nach drei Runden komme ich wieder rein. Irgendwie passt nichts mehr. Der Reifen ist völlig hin und wird gewechselt.
Abends beginnt es zu regnen und wir schauen uns kurz ein langweiliges Beschleunigungsrennen an, das am Lausitzring regelmäßig mehrere tausend Besucher lockt. Unverständlich…

Der nächste Tag beginnt trüb und kalt, aber trocken. Den ersten Turn lasse ich trotzdem aus. Beim zweiten Turn bin ich völlig verwirrt. Über Nacht haben ungefähr 100 Fahrer die Veranstaltung verlassen und 100 neue sind hinzugekommen, weil sich nicht alle den 4-Tages-Stress antun wollten. Das fahrerische Niveau hat sich allerdings stark in unserer Gruppe geändert. Obwohl ich keine Zeit unter 2:12 hinbekomme, habe ich das Gefühl ich pflüge durch das Feld. Teilweise überhole ich fünf Leute gleichzeitig bequem aussen in der Kurve. So komme ich in keinen Rhythmus und ich brauche ja noch eine neue Qualifyingzeit für das morgige Rennen. In der Mittagspause wechsel ich mit Calle in die schnelle Gruppe. Und nach einigen weiteren Grünausflüge schaffe ich wieder meine alte Qualifizierungszeit von 2:07, der einen Platz besser als beim letzten Mal bedeutet. So richtig verbessern kann ich mich aber nicht und schiebe es auf das Wetter und den kälteren Asphalt. Allerdings kann ich erfreut feststellen, dass ich auch in der schnellen Gruppe nicht der langsamste bin und Leute überholen kann. Leider fahren die beim Rennen nicht mit.
Nach einer gemütlichen Grillrunde am Abend kann ich am nächsten morgen die Bremspunkte nach hinten schieben, bevor es dann wieder heißt: Racingtime!

Mittendrin im Pulk Diesmal ist der Start nicht ganz so gut, aber ich stecke vor der Kurve nicht zurück und kann so beobachten wie ein Fahrer in der ersten Kurve aus dem Rennen fliegt: er hat den gleichen Fehler wie ich gestern gemacht und ist über den Begrenzungshubbel gefahren. Er war allerdings schräger und hat sich das Schaltgestänge zerstört. Das Feld zieht an ihm vorbei. Direkt vor mir bemerke ich einen Gixxerfahrer, der in den Kurven nicht so richtig aus dem Quark ist.Irgendwie bin ich aber noch nicht im richtigen Rennfieber und nehme mir vor ihn erst in der nächsten Runde zu überholen. Ein schwerwiegender Fehler, denn auf der Start/Ziel nimmt er mir locker 50 Meter ab. Geradeaus können irgendwie alle, denke ich mir. Und: die Dinger gehören verboten… Bei der Gegengerade bin ich wieder dicht an ihm dran und kurz bevor ich ihn überholen will, drängeln sich zwei weitere Fahrer zwischen ihm und mir. Schöne Scheisse. Zu dritt hängen wir der Gixxe im Arsch und haben auf der Geraden das nachsehen. Allerdings ist auch wieder die RSV1000 aus dem ersten Rennen dabei und ich denke mir, dass ich wenigstens einen Platz gut machen will. Als wir das vorletzte Mal die Start/Ziel runterrasen, kann ich die RSV ausbremsen, verschalte mich allerdings und die Dreiergruppe ist schon an der Gegengerade als ich endlich von der Start/Ziel wegkomme. Ich bin sauer, fahre was das zeug hält und an der Schikane vor Start/Ziel bin ich wieder dran. Diesmal lass ich mich nicht abschütteln.
Ausgerechnet auf der Gegengerade kann ich die RSV erneut ausbremsen und diesmal bleibe ich vorne. Die anderen beiden sind allerdings schon zu weit weg, um von mir noch eingeholt zu werden. Ich bin zufrieden und völlig erschöpft. Es sind nur noch wenige Meter zu fahren. In der Schikane überholt mich ein Fahrer, den ich bis dahin noch nicht gesehen hatte und kommt mit 0,2 Sekunden Vorsprung vor mir ins Ziel. Scheisse!
Es war wieder ein schöner Fight, ich bin 26. von 37 geworden und bin wieder 2:05 gefahren. Diesmal bin ich nicht überrundet worden und die Startrunde war eine 2:10 – aus dem Stand nicht die schlechteste Zeit für mich.

Ich bin völlig alle! Wir packen und ein wunderbares lernreiches langes Wochenende geht zu Ende. Nächstes Mal muss ich aber unter 2 Minuten kommen…

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Alle Bilder vom langen Wochenende…

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Kategorie: Racingtime

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3 Kommentare

  1. Da kann mann ja richtig mitfiebern !!
    Super genialer Bericht !!
    Vor allem wenn mann dabei war und fast die gleichen Erfahrungen gemacht hat.Mach bloß weiter so.
    Einer (Heiner) aus dem fourforfunteam

  2. netter bericht. als schadensersatz und wegen übler nachrede müsstest du zur strafe meine eigentlich auch schreiben.
    ich freu mich schon auf 2007.
    gruß calle

  3. mehr! ich will mehr davon lesen! das ist genau die richtige winterlektüre :-)
    mach weiter so, knack die zwei minuten und berichte davon.
    gruss andré

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