Zu Gast beim Eishockey
23. December 2006 | 5925x gelesen
Auf Geschäftsreise in Köln treffe ich abends auf dem Weg zurück ins Hotel Eishockeyfans und ich gestalte spontan meinen Abend um. Und Glückes Geschick: die Kölner Haie treffen auf die Hamburg Freezers.
Mein letzter Besuch beim Eishockey war Mitte der neunziger Jahre und es waren die Spiele der Frankfurt Lions, die mich faszinierten. Durch meinen Umzug nach Norddeutschland (bis 2002 gab es dort keine Eishockeymannschaft in der DEL) und die starke Kommerzialisierung (die “Münchner Barons”, die auch schon mal “EV Landshut” hießen, wurden 2002 die “Hamburg Freezers”) habe ich den Sport aus den Augen verloren, aber an jenem Abend im Dezember in Köln hatte ich wirklich Lust mal wieder ein Eishockey-Spiel zu sehen. Außerdem konnte ich so die KölnArena auch mal von innen sehen.
Erste Hürde Kartenkauf: der Ticketschalter war schnell gefunden, die Schlange kurz, aber wo sitzen? Sitzen? Nö, habe ich beim Eishockey noch nie gemacht und die Kartenpreise bestärkten mich darin. Preiswerteste Kategorie 11 Euro für ein normales Ligaspiel finde ich schon heftig, wenn man dann ganz weit oben unterm Hallendach hinterm Tor sitzt. Also “gönnte” ich mir für 18 Euro einen Stehplatz bei den Kölner Fans. Diese Bemerkung ist eigentlich überflüssig, denn es waren vielleicht 20 Freezers Fans anwesend – handgezählt. Bei insgesamt 11.355 Zuschauern ist diese Anzahl auswärtiger Fans nicht der Rede wert. Die Halle wirkte nur halb voll, denn die teuren Plätze in Eisnähe waren kaum besetzt. In einer Halbzeitpause habe ich mich mal auf den Oberrang geschlichen und konnte mich davon überzeugen, dass man auch da oben wirklich gut sieht.

Zweite Hürde Platzeinnahme: Der entsprechend meiner Eintrittskarte vorgesehene Bereich konnte schnell von mir ausgemacht werden, aber trotz vorgezeigter Eintrittskarte kam ich nicht rein. “Wo ist der Stempel?” fragte mich der Kontrolleur. Äh, Stempel? Für den Stehplatzbereich vergibt ein anderer Kontrolleur am Eingang Stempel. Also zurück zum Eingang, schnell den gut zu übersehenden Menschen gefunden, schlecht zu sehenden Stempel abgeholt und wieder zurück. Karte und Hand vorgezeigend durfte ich passieren. Cool, dachte ich mir, hat was von Singing Area am Millerntor. Einen Capo gibt es auch und die Lieder sind fast die gleichen – ich musste nur aufpassen, dass ich “Haie” rufe und nicht “Sankt Pauli”
Dritte Hürde Getränkekauf: Ich habe kein Problem damit, dass ich für einen Becher Pfand zahlen muss. Allerdings habe ich mir keine Gedanken über die Folgen gemacht! Als ich nämlich ein zweites Bier holen wollte und wie selbstverständlich den Becher hingehalten habe, sagte der freundliche Bierverkäufer, dass hier keine Becherrückgabe wäre. “Ich will gar keinen Becher zurück bringen, sondern hätte gerne einen Becher mit weniger Luft drin.” Nun gab es hinter der Theke nur Fragezeichen und die stereotype Wiederholung: “Hier keine Rückgabe.” Um den Kreislauf der Missverständnisse zu unterbrechen, machte ich in leichtverständlichen Worten deutlich, dass ich einfach nur ein neues Bier ordern möchte. Und nun bekam ich die Aufklärung für Besuche in neumodischen Arenen: Becherrückgabe nur an der Becherrückgabe, neues Bier nur in neuen Bechern. Ich musste also erneut Pfand bezahlen, um dann zwei Becher, aber nur ein Bier zu haben. Blitzartig versuchte ich mir dieses Prinzip am Millerntor vorzustellen. So große Hütten für die Becherrückgabe kann man gar nicht bauen…
Zum Spiel: die Kölner Haie waren – trotz Schiedsrichter – drückend überlegen, konnten aber den Torhüter der Freezers Boris Rousson nur zweimal überwinden. Einfacher hatten es die Freezers, die gefühlte 7mal vor dem Tor der Kölner auftauchten und daraus 5 Treffer machten.
Die Stimmung im Rund war deswegen natürlich nicht so richtig prickelnd und eigentlich nur im zweiten Drittel gut, weil die Schiedsrichter solchen offensichtlichen Blödsinn pfiffen, dass die Kölner Volksseele den Emotionen freien Lauf ließen. Besonders übel ist mir in dieser Situation ein Honk im Rang über und hinter mir aufgefallen, der das leider immer noch weitverbreitete “schwarze Sau” brüllte. Das ist nun doppelt doof, weil die Schiris beim Eishockey gar kein schwarz tragen und wie unüberlegt rassistische Äußerungen gebrüllt werden, ist für mich nicht begreifbar. Positiv möchte ich bemerken, dass er nur selten den Quatsch von sich gegeben hat und er in meinen Ohren eine Ausnahme war.
Schöner fand ich dann schon die Reaktion des Publikums, als Rousson einen einfachen Puck nicht unter Kontrolle bekam und ein Kölner Spieler in Unterzahl zum zwischenzeitlichen 2:2 einnetzen konnte. Nachdem sich der Jubel über den Ausgleich gelegt hatte, riefen viele Fans “Idiot, Idiot”. Das ist herzerfrischend direkt und ehrlich, läßt sich aber nicht wirklich gut rufen.
Schade fand ich, dass egal wie laut die Fans gerade am Singen waren, bei den Spielunterbrechungen sofort Konservenmusik aus den Lautsprechern dudelte.
Aufgefallen ist mir noch, dass es fast ausschließlich Fans mit entsprechenden Trikots in der Arena gab. Auch wenn mir das vielfältige und bunte mit vorherrschendem Braun der Sankt Pauli Fans besser gefällt, so hat die Einheitlichkeit der Fans in Vereinsfarben auch seinen Reiz. Bemerkswert ist aber, dass es nur gefühlte 2% der Anwesenden überhaupt ohne Eishockeytrikot gab.
Fazit: kann man mal machen…



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