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Nur noch fünfzehn Sekunden bis zur Spitze

24. April 2007 | 2319x gelesen

Was für ein toller Start in die Rennstreckensaison! Meinen ersten Besuch in Oschersleben kann ich als rundum gelungen bezeichnen. Und natürlich konnte ich wieder jede Menge Erkenntnisse gewinnen und es gibt auch wieder viele Geschichten zu erzählen…

Zum Beispiel die Geschichte von der schönsten Schlafhose aller Zeiten. Diese Hose wurde wirklich von allen Anwesenden bewundert. Das topaktuelle Design und die Zusammenstellung der Farben schmeichelte allen Augen. Leider war es nicht meine Hose und so erspare ich euch diese Geschichte.
Oder die Geschichte von dem breitestmöglichen Grinsen nach einer besonderen Probefahrt. Es war allerdings nicht ich, der seine mit Rennreifen gefahrene Zeit mit einer geliehenen 675er mit normalen Strassenreifen pulverisierte. Und deswegen lest ihr diese Geschichte hier nicht.
Auch die Geschichte von dem begnadetem Grillmeister, der eben noch sagte, dass das Grillgut noch etwas Zeit benötige, um im nächsten Moment darauf hingewiesen zu werden, dass es auf dem Grill brennt, erzähle ich natürlich nicht, denn fehlerfrei sind wir alle nicht.

Bleibt noch die Geschichte von dem Reifendienst, der für meine Verhältnisse zu früh eingepackt hatte, so dass ich meine Triumph nicht wieder auf Strassenbereifung umrüsten konnte. Am späten Sonntagnachmittag eine kleine Katastrophe, denn schliesslich war ich mit dem Mopped angereist und wollte ebenso auch wieder nach Hause kommen. An dieser Stelle möchte ich meinen Dank dem Team Meklau aussprechen, die völlig unproblematisch reagiert haben und meine Schluffen umgezogen haben. Zwar konnten die Suzuki-Leute meine Hinterradfelge wegen fehlendem Werkzeug für die Triumph-Einarmschwinge nicht wuchten, aber bei allem anderen haben sie wie echte Profis agiert. Und wer kann schon von sich behaupten mit von einem IDM-Team montierten Reifen rumzufahren? Ich! Wenn das jetzt auch noch automatisch schneller machen würde…

Aber vielleicht sollte ich die Geschichte doch von vorne anfangen, denn schließlich gab es schon vor der Abreise neue Erkenntnisse.
Zum Beispiel die Erkenntnis, dass die Aprilnächte in der Börde sehr kalt sein können. Deswegen war ich froh, zunächst mit PiPos auf die Strecke zu fahren. Da ich noch nie in Oschersleben meine Runden gedreht habe, sollten die Reserven vom Pilot Power problemlos ausreichen. Als meine Gruppe am Samstag zum ersten Mal raus durfte, habe ich mich einfach an eine Instruktor geführte Gruppe rangehängt und mir die Strecke erst mal angeschaut. Der Verlauf ist leicht einzuprägen und nicht sonderlich tückisch – keine blinden Kurve oder ähnliches. Nach zwei Runden überholte ich die Instruktortruppe und konnte vor Ende des ersten Turns noch zwei Runden eigenständig fahren. Am Ende stand eine 2.11 auf dem Transponder. Die Zeit war mir relativ egal, aber als Anhaltspunkt natürlich interessant. Schließlich hatte ich mir vor dem Wochenende zum Ziel gesetzt unter 2 Minuten für die 3,66 Kilometer zu benötigen. Das schien zu diesem Zeitpunkt machbar.

Im nächsten Turn stellte ich dan fest, dass es sooo einfach auch nicht war mein Ziel zu erreichen. Ich kam auf eine 2.07.
Nun wurde es aber wärmer und mein Wohlfühlfaktor stieg. Im dritten Turn war es dann eine 2.02. Das Ziel war greifbar nahe, aber mein Vertrauen zum PiPos sank. Da der vierte Turn das Zeittraining für die Startaufstellung des 15 Runden Rennens war, wollte ich aber keine Experimente wagen und fuhr auch im vierten Turn noch mal mit dem PiPo raus. Das meine Startposition beim Rennen ganz hinten wäre, war mir sowieso schon vor dem Wochenende klar. Schließlich ist das fahrerische Niveau bei Plüss-Veranstaltung bekanntermassen etwas höher und etliche anwesende Lizenzfahrer unterstrichen diesen Eindruck.
Im Zeittraining kam ich dann auf 1.58! Mein Ziel unter zwei Minuten zu fahren war erreicht. Allerdings gewann ich auch die Erkenntnis, dass ich das Gefühl hatte, dem PiPo mehr nicht zutrauen zu können. Die Gummikügelchen hingen rechts und links auf der Kante und beim Rausbeschleunigen hatte ich einige Male das Gespür, dass der Reifen leicht hinten rum kam. Vermutlich habe ich kleinere schwarze Striche gezogen.

Da ich nun fast zwei Stunden Zeit bis zum nächsten Turn hatte, vollzog ich den Reifenwechsel. Vorne hatte ich noch einen neuen K2, aber der hintere Slick war schon einen halben Tag am Lausitz und zwei Tage in Padborg unterwegs gewesen. Für den Saisonstart sollte das aber trotzdem reichen, hatte ich mir vor dem Wochenende gedacht.
Der nächste Turn war der letzte Turn vor dem Rennen. Ich konnte also nochmal ausprobieren, was mit Slicks so geht.
Nach zwei Runden auf PiPo-Zeit-Niveau sprach ich mir in den Helm, dass ich nun auf Slicks unterwegs sei und das da noch was gehen müsse. Also zog ich etwas mehr am Kabel und bremste auch etwas härter und siehe da – der Lappenzeiter blinkte am Ende des Turns mit einer 1.53! Was für eine Erkenntnis: ganze fünf Sekunden schneller durch den Wechsel von Strassenreifen zu Slicks!

Dann das Rennen. Erkenntnis aus Fehler Nummer eins: wer zu früh in die Startaufstellung fährt, bekommt Probleme mit der Motortemperatur. Normalerweise zeigt die Anzeige meiner Tona maximal 104 Grad an. Im Stadtverkehr in den Dolomiten vielleicht auch mal 105, aber mehr nie! In der Startaufstellung lief der Lüfter auf Hochtouren und die Anzeige zeigte trotzdem 115 Grad an. Etwas ängstlich fieberte ich der Warm Up-Lap entgegen. Als diese startete konnte ich gleich die nächste Erkenntnis aus Fehler Nummer zwei gewinnen: wer zu früh in die Startaufstellung fährt, wird mit einem kalten Slick bestraft. Beide Erkenntnisse machen nicht unbedingt den Kopf frei und so komme ich zur nächsten Erkenntnis: wenn der Kopf nicht frei ist, kannst Du nicht schnell fahren.
Das Starterfeld von 69 Maschinen war beeindruckend. Beim Start konnte ich gefühlte 5 Positionen gut machen, die ich aber natürlich nach einer Runde schon wieder verloren hatte. Nach ca. 5 Runden wurde ich von den Ersten überrundet. Und das war wirklich neu: normalerweise zischen die Jungs einzeln an mir vorbei – das bin ich so gewohnt. Bei diesem Starterfeld knallten die Jungs aber gleich im halben Dutzend Ende der Start-Ziel an mir vorbei – rechts wie links. Nachdem ich dieses Gefühl verarbeitet hatte und ich mir sicher war, dass mich keiner abschiessen wird, konnte ich mich auch wieder aufs Moppedfahren konzentrieren.
OSL auf Slicks - Copyright: pixelrace.de Mein Hauptziel für das Rennen war ja es durchzustehen. Schließlich sind 15 Runden kein Pappenstiel, wenn man sich überlegt, dass ich bei normalen 20 Minuten-Turns auf vielleicht 7 oder 8 Runden komme. Jetzt wagte ich auch den ersten Blick auf die Anzeigetafel für die Restrundenanzahl: sieben! Da wußte ich, dass ich das schaffen würde und wurde zusehends lockerer. Bis dahin bin ich Rundenzeiten um die 1.55 gefahren. Dann sank die Zeit langsam, aber kontinuierlich.
Nachdem die schnellen Jungs mich das zweite Mal überrundeten kam irgendwann der Punkt, wo der Geschwindigkeitsüberschuss der Überholenden nicht mehr so gewaltig war und ich mich zumindest stellenweise an das Hinterrad heften konnte. Die letzten vier Runden bin ich dann alle unter meiner bisherigen Bestzeit gefahren und die vorletzte Runde war dann meine schnellste Runde des Tages: 1.51.099!

Ich war glücklich das Rennen durchgestanden zu haben und überrascht, dass meine Zeit doch deutlich unter meinen Erwartungen geblieben war. Allerdings war ich bezüglich meines Abschneidens im Rennen völlig orientierungslos. Der Blick auf die Zeitenliste ergab dann, dass ich letzter geworden bin – wie nicht anders zu erwarten. Positiv ausgedrückt bin ich allerdings auf 61 gestartet und auf 45 ins Ziel gekommen. Und 45er von 69 zu werden finde ich persönlich nun nicht so schlecht.

Der Samstag war vorbei und für den Sonntag nahm ich mir vor unter 1.50 zu fahren.

Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass Aprilnächte in der Börde kalt sein können? Der Sonntag begrüßte uns mit strahlendem Sonnenschein und Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Den ersten Turn schenkte ich mir und nutzte die Zeit, um die Gruppe zu wechseln. So konnte ich nämlich wieder mit meine T5net-Freunden zusammenfahren.

Der zweite Turn war eine Katastrophe. Ich war steif, meine Muskeln unwillig und so habe ich es geschafft meine Slicks kalt zu fahren. Wahnsinn, wie man binnen weniger Kilometer sein Vertrauen verlieren kann. Das ging gar nicht. Und die Zeit von 2.02 völlig indiskutabel.

Im dritten Turn heftete ich mich einfach an meine beiden Triumph-Kollegen in meiner Gruppe und wir zogen zu dritt unsere Runden. Problemlos fuhr ich bis auf 5 Hunderstel an meine schnellste Runde vom Samstag ran. Na also, geht doch. Ich fühlte mich wieder wohl, hatte Spaß am Fahren und erkannte meine alten Probleme: die Linkskurven. Durch meine Skoliose bin ich beim Hanging-off in Linkskurven blockiert. Auf den Bildern vom Lausitzring hatte ich schon letztes Jahr bemerkt, dass die gefühlte Sitzposition nicht mit der tatsächlichen übereinstimmt: ich hatte das Gefühl komplett neben dem Sitz zu hängen, saß aber gerade mal wenige Zentimeter aus der Motorradachse versetzt. Im vierten Turn wollte ich das in Angriff nehmen.

So fuhr ich im vierten Turn nicht übermässig auf Angriff, sondern legte meine Konzentration voll auf Linkskurven. In der Hasseröder passierte es schließlich: viel zu schnell schoss ich in diese lange Links, aber ich verkrampfte nicht, sondern schaute bewußt auf den Kurvenausgang – obwohl ich viel lieber gewußt hätte, wie dicht das Kiesbett noch ist – und gab leicht Stützgas. Und siehe da: zwischen Wohlfühlgeschwindigkeit und der in dieser Kurve fahrbaren Geschwindigkeit besteht ein Unterschied. Es war die letzte Erkenntnis an diesem tollen Wochenende, denn nach zwei weiteren Runden zeigte mein Laptimer eine 1.49.5 an!

Ich hatte auch dieses Ziel erreicht und sparte mir den Rest des Tages. Meine Konzentration war genauso leer wie meine Adrenalinspeicher und ich habe keine Einstellung mehr zum Fahren gefunden. Mit einer dicken Daytona beim ersten Mal in Oschersleben unter 1.50 zu fahren ist so schlecht nicht, auch wenn ich für vorderer Platzierungen bei Rennen natürlich noch ca. 15 Sekunden besser werden müsste. Mal schauen, ob ich beim nächsten Besuch in der Börde im August wenigstens noch fünf Sekunden schneller werde.

Außerdem wollte ich die positiven Erkenntnisse und die schönen Geschichten des Wochenendes nicht mehr riskieren…

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Kategorie: Racingtime

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2 Kommentare

  1. Super Bericht :-)
    Die Gfühle und Emotionen kenn ich irgend
    woher :-)

  2. Moinsen Stefan,

    gratuliere, schön zu lesen klasse verlinkt. Langsam fang ich an mich richtig vor Dir zu fürchten. Das wird ja ein hergebrenne in Padborg werden. Denke mein Ziel wird es sein müssen nicht überrundet zu werden.:)

    Gruß Hans+++

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