Die kackenschnelle Achselkatze
20. June 2007 — Zuletzt bearbeitet: 22. June 2007 | 4398x gelesen
Wenn man beim Frühstück die freundliche Frage hört, ob man mal bitte die Butter haben könnte und dann zwei Leute sofort und zeitgleich in barschem Ton “Nein!” antworten, dann befindet man sich hoffentlich unter Freunden…
Es ist mal wieder das alljährliche Treffen bei Calle inklusive Befahrung des nahegelegenen Padborg-Parks angesagt. Ein Event bei dem es weniger auf die schnellste Rundenzeit, sondern auf den größten Spaß ankommt. Der vergeht uns beim Frühstück erstmal, denn pünktlich zum Aufbruch Richtung Rennstrecke fängt es an zu regnen. Zunächst hoffen wir noch, dass der 25km entfernte Padborg-Park in einer anderen Wetterzone liegt, aber die Hoffnung schwindet mit jedem Kilometer, dem wir uns dem Ziel nähern. Gut, dass es nicht um schnelle Rundenzeiten geht…
Der Vormittag vergeht damit den instruktorengeführten Gruppen beim trockenfahren der Piste zuzusehen. Als ein 30cm schmaler Streifen halbwegs trocken ist wagen sich die ersten von uns raus. Meine Tona ist mit Slicks denkbar schlecht ausgerüstet und so bin ich sehr froh, dass Melanie mir ihre TT600 mit Pipos zur Verfügung stellt.
Der Spaß hält sich in Grenzen und am Ende des Turn fängt es leicht an zu nieseln. Dieser Nieselregen wird für den Rest des Tages von oben kommen und jederzeit die Strecke gleichmässig naß halten.
Wir machen das Beste draus und fahren trotzdem.
Wenigstens kann ich so Volker ein wenig von dem zurück geben, was er mir an Ostern im Gelände mit seinen Trialmaschinen gegeben hatte: die Erkenntnis, dass Motorradsport sehr vielfältig ist, in ungewohntem Gelände bisher erlerntes über Bord zu werfen ist und alles jederzeit sehr viel Spaß macht.
Manchmal schaut Volker noch etwas skeptisch, wenn ich ihm verschiedene Dinge aus einer ihm fremden Motorradwelt erzähle. Aber er gehört zu den Top-Ten der deutschen Trialfahrer bei den klassischen Bikes (andere würden Oldtimer sagen) und lernt sehr schnell. Und bald freut er sich auch schon über seine Fortschritte.
Padborg ist für mich immer was besonderes, denn hier komme ich oft dazu die Bikes anderer Menschen zu fahren. Und netterweise leiht mir Matthias seine 600er CBR Doppel-R, mit der er sich selbt noch nicht so richtig angefreundet hat. Jedenfalls meint er, dass die Kiste nur bis 13500 Touren ordentlichen Vortrieb hat. Umso überraschter bin ich, als ich die lange Gerade mit 15000 Touren längs knalle. Völlig erschrocken schaue ich erst mal, wann denn eigentlich der rote Bereich anfängt… (Kleiner Einschub für Sandro: ja, ich weiß – wenn ich auf all diese Sachen achten kann, bin ich noch zu langsam.)
Augenzeugen berichten übrigens von einem sehr unruhig von einem Bein aufs andere wippenden Halter des Fahrzeugs. Sehr hilfreich war da sicherlich auch der Kommentar von Hans, der meinte Zündaussetzer bei 21000 gehört zu haben… Freunde eben
Übrigens finde ich die lütte Doppel-R ganz geschmeidig. Der Vortrieb beginnt für eine 600er relativ früh einen spürbaren Druck zu erzeugen. Soweit ich das auf ein paar Runden im Regen feststellen konnte. Unbedingt nachzurüsten sind aber eine Antihüpfkupplung, denn mein Hinterradrutscher war nicht von schlechten Eltern. Und die Hinterradbremse ist mir persönlich viel zu sportlich ausgelegt, will heissen: sie funktioniert überhaupt nicht – ich bremse allerdings ganz gerne mit Hinten…
Irgendwann hat sich Achim dazu durchgerungen und seine 4 Jahre alten Regenreifen aufzuziehen. Da er noch nie mit Regenpellen unterwegs war und er auch nicht wußte, wie gut die Reifen nach 4 Jahren noch grippen, ist er natürlich sehr vorsichtig in den ersten Runden unterwegs. Diese Situation habe ich sofort als Chance erkannt und ihn erstmal genüsslich mit Pipo und vierzylindriger Triumphpower hergebrannt. Vier Runden später wußte er dann schon besser was mit den alten Dingern geht und hat es mir heim gezahlt.
So geht der erste Tag durchnässt, aber trotzdem mit viel Vergnüglichem zu Ende. Auf der Heimfahrt sehen wir dann, dass 5km von Padborg weg die Strasse trocken ist und denken über spontane tektonische Plattenverschiebungen nach.
Der zweite Tag beginnt, wie der erste aufgehört hat: mit Regen. Dafür ist es jetzt windstill. Wir haben uns mittlerweile ganz gut auf die Verhältnisse eingestellt und ich versuche Hans herzubrennen. Auf der langen Geraden spielt sich immer wieder das gleiche Spielchen ab: bei der Schikane bin ich an seinem Hinterrad, aber gegen die Triplegewalt ist mit meiner 600er Luftpumpe im Beschleunigungsmodus nichts zu holen. Am Ende der Geraden hole ich auf der Bremse viele wertvolle Meter zurück. Da aber direkt danach eine recht scharfe Linkskurve kommt, versuche ich nicht innen reinzustechen. Plötzlich scheint er mein Bemühen zu bemerken und schaut nach hinten. Da ich ihn nicht bedrängen möchte – schliesslich sind wir zum Spass hier – gehe ich vom Gas. In dem gleichen Augenblick, merke ich, dass auch er vom Gas geht, um mich vorbei zu lassen. Sofort drehe ich wieder am rechten Lenkerteil und überhole ihn problemlos. So wollte ich den Platz aber nicht erben und habe ihn grosszügig wieder vorbei gelassen, könnte ich nun schreiben. Tatsache ist aber, dass ich mich durch das Gas-zu-Gas-auf-Manöver derart verhauen habe, dass ich fast in den Kies gefahren wäre. Meine weite Linie nutzt Hans jedenfalls sofort wieder zum “Gegenangriff”. Da Hans nun weiß, wer an seinem Hinterrad klebt, gibt er nun deutlich mehr Gas und wir besorgen es uns die nächsten Runden recht ordentlich – was mit Strassenreifen im Nassen eben so geht. Als ich in der langen Links innen reinfahre, kommt leider die rote Fahne, weil sich einer der Regenreifenfahrenden abgelegt hat. Schön war’s trotzdem…
Beide Tage hatten als Ausgleich zum Regen den schönen Nebeneffekt, dass man eigentlich rausfahren konnte, wann man wollte. Die Gruppeneinteilung hat überhaupt keine Rolle gespielt – nur bei den instruktorengeführten Turns war eben Warten angesagt.
Und Stürze gab es nur von den schnellen Jungs mit Regenreifen, aber alles verlief harmlos. Hendrik hat uns dann mit seiner Superduke mal gezeigt, was so alles im Regen geht. Er startet dieses Jahr im Superdukebattle von KTM.
Als Achim wasweißichfürviele Runden gefahren ist, durfte ich auch mal mit seiner 675 fahren. Das war dann eine doppelte Premiere für mich: erstmals auf einer 675 und erstmals auf Regenreifen. Mit Kurzhubgasgriff und sehr kurzer Übersetzung ging ich entsprechend vorsichtig zu werke. Trotzdem dachte ich schon in der ersten Kurve, dass ich seine Kiste jetzt hin legen würde. Aber das war nur die wahnsinnige Handlichkeit, die meinen Sinnesorganen einen Streich spielten. Ohne Stützgas läuft da wirklich gar nichts. Drei Kurven später hatte ich schon das typische Triumphgrinsen im Gesicht: Regenreifen sind echt der Hammer. Der Grip, den diese Gummis bieten, ist im Regen eine wahre Wonne. Jedenfalls habe ich mich spontan geärgert, dass ich zwei Tage mit fremden Mopped und Pipos rumschwuchtel, statt mit meiner eigenen Maschine auf Regenreifen. Deswegen habe ich sofort nach der heimischen Ankunft einen entsprechenden Satz geordert und für mich beschlossen, dass ich mir zukünftig Rennstreckenbefahrungen ohne vernünftige Infrastruktur (sprich: Boxen, Luft, Reifendienst, etc.) einfach spare – egal wieviel Spaß man mit den anderen Teilnehmern hat.
Und der Spaß kam auch am Abschlußabend in einer der ortsansässigen Kneipen nicht zu kurz. Binnen 5 Minuten hatten wir die anderen Gäste rausgeekelt und konnten über zwei Tische über entscheidende Fragen debatieren. Zum Beispiel, ob Dänen keine Supermärkte im eigenen Land haben, wie schnell eigentlich kackenschnell ist oder wieso der Rasenmähermann keine Obstbäume schneiden kann …
Bitte schaut euch auch die Bilder an – ich finde es sind ein paar sehr gute dabei




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Thursday, 21. June 2007
Supergeil- ein toller Bericht und spitzen Fotos. Sorry für das späte melden, der Arbeitsstress hat voll zugeschlagen. Ein herzliches Dankeschön für das Traumwochenende. Zwei Tage mit einer Hand voll Instruktoren zu kreiseln war für mich der Oberhammer. In Trialkreisen macht man sich grosse Sorgen, ich erzähle immer noch von diesem Event. Sollte irgendwo ein Platz frei sein, 0177- 8187 135. Bis nächstes mal im Celler Trialgelände. Ich baue schon an einer speziellen Rundsektion, die in Schräglage zu fahren ist. ( Eine Hand wäscht die andere). Grüße aus Celle
Thursday, 21. June 2007
Moinsen,
ein wahrer Genuss den Bericht zu lesen und das Wochenende nochmal vor dem inneren Auge vorbeiziehen zu lassen.
Ich hatte die Befürchtung, dass Volker gestern zum Training im Gelände mit Knieschleifern auftauchen würde.
Ich freue mich darauf mit Euch im Gelände ein paar instabile Fahrlagen auszuprobieren. Im Werk wird schon an einer Trialmaschine mit Regenreifen für Dich gearbeitet.
Gruß Hans+++
Saturday, 23. June 2007
moin,
mal wieder ein klasse bericht von dir.
ich fand das wochenende klasse, immerhin hatten wir unglaublich viel unbezahlbaren spaß,
für alles andere haben wir hans seine visacard.
haben schöne neue deutsche wörter bzw begriffe der immer mehr verenglishten deutschen sprache zugeführt, können jetzt besser im regen fahren und haben unser eigenes boxenluder. rechtherzlichen dank der gastgeber an alle anderen für das unvergessliche und spaßige wochenende.
p.s. hendrik hat mir seine regenreifen überlassen fürs nächste training.