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Zweiundachtzig

12. July 2007 — Zuletzt bearbeitet: 8. October 2007 | 3151x gelesen

Einmal im Jahr trifft sich die T5net-Triumph-Gemeinde im Schwarzwald. Neben den üblichen Verdächtigen kommen jedes Jahr ein paar neue Triplesüchtige hinzu und werden schnell eingemeindet. Die anderen haben sich zwar schon ein Jahr nicht mehr gesehen, aber es ist trotzdem so, als wäre das letzte Treffen erst gestern gewesen. Und natürlich dient die wunderbare Rundstrecke Anneau du Rhin für die einen als Einstiegsdroge und für die anderen zum Suchen neuer Ausreden, warum man nicht überholen konnte…

Das übliche Gespräch hat typischerweise zum Beispiel folgenden Verlauf: “Deine Lady hat doch wesentlich mehr PS am Hinterrad.” “Dafür ist dein Mopped viel leichter” “Du bist aber auch viel leichter als ich”… Und schwupps fehlt zum traditionellen Bridge-Abend (schließlich fahren wir Engländer) nur der Austausch von aktuellen Diättipps. Ich kenne jedenfalls nicht viele Männerrunden, bei denen über das eigene Körpergewicht gesprochen wird…

Schön ist auch zu sehen, wie sich im Laufe der Zeit – das entsprechende T5net-Fest wurde dieses Jahr zum fünften Mal in bewährter Weise von Hansjörg auf die Beine gestellt – die Motorräder der Teilnehmer geändert haben. So unterhalten sich dann zwei Ex-Daytona-955-Fahrer über ihre neue 675er Daytona und Kandidat eins kommt zum Schluss, dass die neue Lady trotz weniger PS viel leichter aufs Hinterrad kommt als die alte. Kandidat zwei kann dies aber nicht bestätigen, was nach kurzer Pause Kandidat eins zunächst mit einem süffisanten Lächeln und dann mit dem knappen Wort “82″ erwidert.

Erkenntnisse des ersten Abends: der Antizynd wiegt über 85 Kilo und wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr…

Die ersten zwei Tage sind schnell erzählt. Mangelndes Wetter führt nicht zur Depression, weil Landstrassenfahren eh kaum noch interessiert, meine neue Regenkombi einfach nur schweinegeil ist und außerdem mehr Zeit zum Herstellen der Rennstreckentauglichkeit bleibt.

Das erste Rennen startet dann am Samstag um 7:15 Uhr am Hotel “Engel” und endet an der Rennstrecke in Anneau du Rhin. Die Teilnehmer Calle (mit Anhänger), sowie Harri und ich (jeweils mit Transporter) verlieren auf die motorradfahrende Gruppe eine halbe Zigarettenlänge. Mehr möchte ich dazu nicht schreiben – über das dazu notwendige Tempo kann sich jeder seine eigenen Gedanken machen. Ich habe allerdings noch nie einen 125er Fahrer so panisch nach hinten schauen sehen…

Alle Bilder dieser Seite zum Vergrößern einfach anklicken!Bei der Veranstaltung in Anneau du Rhin im Rahmen des T5net-Treffens fahren die (Ex-)Tripletreiber alle in einer Gruppe. Diesmal sind weitere 10 Teilnehmer in einer zweiten Gruppe gefahren, weil die Teilnehmerzahl zu gross für eine Gruppe war. So kam es, dass wir die Gruppe der Einsteiger und Gemäßigten waren.

Die Vormittagsturns sind wieder schnell erzählt: erster Turn zum Warmfahren der Lady und zum Bekanntmachen mit der neuen Streckenführung genutzt, zweiter Turn wurde nach 4 Runden abgebrochen, weil ein hanseatischer Triplefahrer von einer bissigen Linkskurve heimtükisch und hinterrücks angegriffen wurde und ihm nichts anderes übrig blieb als dieser Kurve mutig einige Plastikteile über’n Kopf zu ziehen. Der dritte Turn war schon nach drei Runden rum, allerdings ist es äußerst unschön an einem regungslosen Körper vorbeizufahren – glücklicherweise konnte der Hubschrauber wieder abdrehen. Respekt an die Streckenposten, die schnell reagierten und unmissverständlich die roten Fahnen wehten – die Unfallstelle ist nämlich erst sehr spät zu sehen gewesen. Gut auch, dass dem Verunfallten dann doch relativ wenig passiert ist – gute Besserung an dieser Stelle!

In der Mittagspause hatte ich Gelegenheit mich mit einem Fahrer zu unterhalten, der nicht zu unserer Gruppe gehörte, aber öfter in Anneau ist. Er meinte, dass die neue Streckenführung ungefähr 7 bis 8 Sekunden langsamer ist.

Kommen wir zu den Nachmittagsturns. Gleich im ersten Turn hatte ich plötzlich ein Trupp japanesischer Fremdfabrikatfahrer vor mit, die früher noch wußten, was edle Motorradkunst ist. Einer der drei fuhr schon letztes Jahr ein zyklopengleiches 160-PS Geschöpf bajuwarischer Herkunft und kam meiner Tona nicht so richtig hinterher. Dieses Jahr hat er weitere Pferde draufgelegt und so war es mir eine besondere Freude diesen äußerst geschätzen Menschling auf der Geraden locker und leicht zu überholen. Kleiner Einschub für den geneigten Leser: mir ist selbstverständlich klar, dass ich mit meinem Eisenhaufen keine Chance gegen die Filigrankunst aus Fernost habe. Interessanterweise bin ich mir absolut sicher, dass ich auf der Landstrasse gegen den entsprechenden Fahrer absolut keine Chance hätte – aber Renne ist eben was anderes. Und als letzte Bemerkung: Spaß muss sein!

Alle Bilder dieser Seite zum Vergrößern einfach anklicken!Jubilierend stand ich dann im Fahrerlager: “Geil! ‘Ne Kilogixxe ausbeschleunigt!” Der geschätzte Fahrer holte einige seiner Teile aus meiner Airbox und sprach leise, aber bestimmt zu mir: “Wenn Du mich nochmal versuchst auf der Geraden zu ärgern, drehe ich auch mal am Gasgriff.” Es kam wie es kommen musste und im nächsten Turn hatte ich just diesen Fahrer wieder vor mir und noch bevor ich mir überlegen konnte ich welcher Kurve ich diesmal vollstreckte kam auch schon wieder die lange Gerade. Diesmal war es tatsächlich schwerer zu überholen, aber es blieb mir immer noch genügend Zeit im Vorbeifahren artig “Bye, Bye” zu winken. Den Rest des Tages hatte ich einen Gesprächspartner weniger…

Im nächsten Turn konnte ich dann mal wieder staunen. Mit Hansjörg am Hinterrad liefen wir auf eine Dreiergruppe auf. Ich bin beim Überholen immer äußerst vorsichtig, weil ich zum einen niemanden zu unbedachten Manöver bringen will und zweitens selbst 100% sicher sein möchte, dass ich sauber und problemlos überholen kann. Hansjörg hingegen ist 1000km gestählt und so machte es wusch, wusch, wusch und er war an der Truppe sauber und blitzartig vorbei. Mit offenem Mund unterm Helm wurde mir schlagartig klar, was ich noch zu lernen hatte.

Allmählich rotteten sich die üblichen Verdächtigen zusammen, um über den neuen Streckenverlauf und eventuelle Linienwahl zu debattieren. Da wir schon öfter gemeinsam auf der Renne waren, beschlossen wir mal zusammen rauszufahren. Und Calle nahm die Videokamera zwecks Schräglagenstudien mit. Ich hoffe, dass er das Video noch online stellt, denn es war ein grandioser Turn. Zumindest würde ich gerne noch mal die Stelle sehen, wo ich drei mir überlegene Motorräder mit zwei mir überlegenen Fahrern gleichzeitig überhole. Mir war zu diesem frühen Zeitpunkt des Turns klar, dass beide versuchen würden zu kontern und ich habe wirklich alles versucht, um vorne zu bleiben. Es ist mir auch gelungen, aber noch nie war ich so froh gelbe und rote Fahnen zu sehen, die das Ende der 20 Minuten bedeuteten. Ich war restlos alle – die anderen aber auch, die tatsächlich ständig am dicken Hintern meiner Lady klebten. So waren wir alle glücklich, denn es lief zum Abschluß des Tages richtig gut. Auf den Lappenzeitern standen hohe 1:34er. Letztes Jahr bin ich dort 1:33 gefahren und wenn ich mich an die Worte in der Mittagspause erinnere und 7 Sekunden aufschlage, dann bin ich mit dieser Zeit absolut zufrieden.

Beim Abendessen wurden dann die Anzahl der zu findenden Sekunden mit steigendem Alkoholpegel immer mehr. Der nächste Morgen sah dann aber erst mal anders aus, denn wir waren doch arg verkatert.

Alle Bilder dieser Seite zum Vergrößern einfach anklicken!Außerdem waren wir nun in einer anderen Gruppe, denn von den T5net-Racern des Vortags waren nur noch 10 übrig geblieben. In unserer neuen Gruppe waren die meisten Leute den ersten Tag in Anneau. Den ersten Turn haben wir dann ausgelassen und genutzt, um die Zeiten der Leute mitzustoppen. Im zweiten Turn war es schwer die Leute sauber zu überholen, denn die Neuen hatten noch keine richtige Linie gefunden. Vor dem dritten fing es leicht an zu nieseln und auf Experimente hatte keiner Lust. Also haben wir eine längere Mittagspause gemacht und immer darauf gehofft, dass es entweder richtig anfängt zu regnen – und ein Umstieg auf Regenreifen lohnenswert wäre – oder aufhört zu regnen. Leichtes Nieseln ist für das eine zu nass und für das andere zu trocken.

Irgendwann war dann die Mittagspause rum und keiner ist rausgefahren, weil das Fahrerlager nass war. Aus reiner Neugier bin ich dann raus zur Strecke gelaufen und habe mich spontan gefragt, ob es eventuell nur im Fahrerlager geregnet hatte. Die Strecke war nämlich trocken. Um wirklich auf Nummer sicher zu gehen, ob es im weiteren Verlauf der Strecke auch so aussieht, habe ich bei Melanie gebettelt, ob ich ihr TT600 fahren darf – die hatte nämlich PiPos drauf. So kam es dann, dass Harri und ich einsam einige Runden drehen konnten.

Vom weiteren Verlauf des Nachmittags gibt es dann nur noch zwei Highlights zu berichten. Kai Schlieper – fast 2 Jahrzehnte in deutschen Rennserien unterwegs – war mit seiner 1:27.5 nicht so richtig zufrieden. Ich habe ihm dann von dem Gespräch erzählt, dass die Strecke nun ca 7 Sekunden langsamer geworden ist und um auf der alten Strecke 1:20 zu fahren man auch schon richtig schnell gewesen sein muss. GerT bestätigte meine Aussagen und Kai antwortete nur: “Da geht noch was.” Im nächsten Turn fuhr er dann eine 1:26.6! Grandios…

Das andere Highlight ist ein persönliches: mein letzter Turn lief nämlich richtig gut und ich konnte endlich mal vernünftig überholen üben. Ich habe mich von keinem Bike länger als 2 Kurven aufhalten lassen, dann hatte ich einen Plan zum Überholen und konnte ihn auch umsetzen. Dabei hat es mir vor allem Spaß gemacht, dass ich eine R1 in vollem Rennornament am Ende der langen Geraden einfach nur durch späteres Bremsen aussen rum überholen konnte. Dass ich an gleicher Stelle in der letzten Runde von Harri innen überholt wurde, macht mir dabei nur insofern was aus, weil der Gute auf PiPos unterwegs war. Oder um es mit Kai Schlieper zu sagen: “Da geht noch was…”

Gegenüber dem Vorjahr konnte ich meine Bestzeit also sogar noch leicht verbessern – trotz neuem Streckenverlauf. Ich bin sehr zufrieden mit dem Wochenende und allmählich glaube sogar ich, dass ich mich in diesem Jahr steigern konnte. Schön ist auch, dass Achim seinen Spaß an der 675 und seine guten Zeiten wieder gefunden hat. So sind wir nun annähernd gleich schnell und werden uns beim nächsten Event in Oschershausen gegenseitig ziehen können. Das wird auch nötig sein, denn beim Race-Event von ProSpeed Anfang August gilt es die Rennqualifikationszeit zu schaffen. Die liegt bei 115% vom Bestplatzierten und da werden nach derzeitigen Hochrechnungen noch einige Sekunden fehlen. Das nächste Projekt “OSL in unter 1:45″ kann also starten…

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Kategorie: Racingtime

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2 Kommentare

  1. sehr schön geschrieben!

    ;)
    johannes

  2. 89, sausack.

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