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Jahreshauptversammlung 2008

22. November 2008 | 1710x gelesen

Die Jahreshauptversammlungen beim FC St. Pauli sind immer ein besonderer Quell für brilliante Unterhaltung auf hohem Niveau. Dieses Jahr gab es im Vorfeld keine Anzeichen für Heiterkeitsanfälle. Deswegen war das Interesse der Vereinsmitglieder wohl so niedrig wie lange nicht mehr. Während sonst mindestens 800 Leute kommen, verloren sich diesmal nur 352 Stimmberechtigte.

In seiner Rede verglich der Präsident Corny Littmann die neue Südtribühne mit der Elbphilharmonie und bedankte sich ausdrücklich bei der Fangruppierung USP für deren gute Stimmung. Einen Wandel der Zeit erkannte Corny, dass der Verein gut aufgestellt sei, um im nächsten Frühjahr mit dem Neubau der Haupttribühne zu beginnen, nun aber die Banken schwächeln und die Finanzierung deswegen in Frage steht.

Meldung des Tages war dann – völlig ungewöhnlich für eine JHV – sportlicher Natur: Holger Stanislawskis Vertrag als Trainer wurde um drei Jahre verlängert!

Finanzexperte im Vorstand Marcus Schulz berichtete stolz von einem Gewinn von 304.000€. Die Zuschauereinnahmen wurden um vierhunderttausend auf 3,6 Millionen Euro erhöht. Auf dem Vereinskonto liegen nun eine Millionen Euro. Für einen Verein, bei dem im Jahr 2004 nach einem Freitagabendspiel eben jener Marcus Schulz die Pachtgelder der Buden im Stadion bar eingesammelt hat, um auf dem Parkplatz mit fettigen 5€-Scheinen die Gläubiger zu beruhigen, ein großer Erfolg.

Vorstandsmitglied Stephan Orth konnte nicht nur von einer 95%igen Stadionauslastung berichten, sondern auch vermelden, dass der Verein als Sportmarke unter den TopTen in Deutschland liegt.

Die Berichterstattung des Präsidiums hat dann insgesamt eine Stunde gedauert.

CCH bei der JHV fotografiert mit einem iPhone

CCH bei der JHV fotografiert mit einem iPhone

Erste verwunderte Gesichter im Präsidium gab es sonst immer beim Bericht der Kassenprüfer – so auch diesmal, als auf eine fehlende Etatplanung und auf nicht vorhandene Liquiditätsnachweise hingewiesen wurde. Auch wurde bemängelt, dass ein Kredit vom Präsidenten an den Verein aus dem Jahr 2005 erst jetzt geltend gemacht wurde, aber in allen vorhergehenden Bilanzen nicht als Verbindlichkeit verbucht worden war.

Aufsichtsratsvorsitzender Michael Burmester verglich den Bauverlauf der Südtribühne zwar nicht mit der Elbphilharmonie, sprach aber ähnliche Mängel an: Kostenerhöhung, Projektleitung, …
Deutlich rügte Burmester die Satzungsverstöße des Präsidiums zum Beispiel bei der Genehmigung von Spielerverträgen oder den nicht mal quartalsweise stattfindenden gemeinsamen Besprechungen mit Präsidium und Aufsichtsrat.
Erfreut vermeldete der AR-Vorsitzende die gemeinsam mit dem Präsidium getroffene Entscheidung bei der Mitgliederversammlung der DFL gegen die weitere Zerstücklung von Spieltagen im Profifußball zu stimmen.

Spannend wurde es dann noch bei der Beurteilung der erhöhten Baukosten für die Südtribühne, die als Highlight zu Tage gebracht hat, dass die Klinkersteine eine Schenkung war, aber nicht kalkuliert war, dass diese auch gemauert werden müssen: Mehrkosten 800.000€ – also doch Elbphilharmonie…
Einigkeit herrschte bei der Beurteilung, für den Bau der Haupttribühne einen professionellen Projektleiter engagieren zu wollen, sollen oder müssen.

Nach zweieinviertel Berichtsstunden wurden die entsprechenden Vereinsgremien allesamt mit überwältigender Mehrheit entlastet.

Dann erläuterte Hanner Boe die Änderungen der Vereinssatzung, bei der der überwiegende Teil des Präsidiums die überwiegende Zeit fernblieb.
Die neue Satzung wurde mit über 97%iger Mehrheit angenommen.
Humoristisch wurde es dann noch – zumindest in Ansätzen – als der Antragsteller für die Satzungsänderung zum Wegfall von Altersgrenzen bei bestimmten Amtsgremien in seiner Begründung auf die gute Schiedsrichterleistung des Herrn beim Spiel gegen Ahlen abzielte und damit eigentlich die Abstimmung schon verloren hatte.

Emotionaler Höhepunkt war die Ehrung von Harald Stender für 75jährige Mitgliedschaft.
Deutsche Meister hat der FC St. Pauli auch in seinen Reihen: einen Schachmeister und die Rugbyfrauen, diese sogar zum achten Mal.
Persönlich habe ich mich über die Ehrung von Winni von Rutkowsky für seine Arbeit als “Kommunikator” zwischen alt und jung im Verein gefreut. Schön, dass auch Arbeit im Stillen gewürdigt wird.

Wegweisend wurde dann noch beschlossen, dass im Familienblock im Millerntor ein Rauchverbot erlassen wird. Und endlich wurde nach mehrjährigen Diskussion endlich beschlossen, wie die Altlasten der sogenannten NO1 Gelder verwendet werden.

Insgesamt für eine braun-weiße Versammlung zu ruhig.

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Kategorie: FC St. Pauli

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