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Apfelkornschorle und Sekundenpilze

20. April 2009 | 1362x gelesen

Saisoneröffnung ist immer was besonderes. Man hat sich lange nicht mehr gesehen und freut sich aufeinander, man hat lange nicht mehr auf den Böcken gesessen und freut sich einfach auf’s Fahren, man hat viel miteinander zu reden – und freut sich einfach, frische Sprüche anbringen zu können…

Da ist es dann auch egal, dass die Anfahrt statt der üblichen zweieinhalb Stunden wegen eines 15km Staus diesmal 4 Stunden dauerte. Da ist es auch egal, dass es in ganz Deutschland hochsommerliches sonniges Wetter gab, nur in der Börde ist es arschkalt und es regnet. Ich glaube sogar, vereinzelt Schneeflocken gesehen zu haben.

Es ging zur Saisoneröffnung also nach Oschersleben. Freitag abend begrüßten mich dort fast alle der üblichen Verdächtigen – kaum einer hatte sich den Termin entgehen lassen. Besonders hat es mich gefreut mal wieder ein paar neue und ein paar sehr alte Gesichter kennenzulernen und wiedersehen zu dürfen. So standen in unserer Doppelbox 15 Motorräder, einer hatte sich seine eigene Box gebastelt und auch Leute, die diesmal nicht mitfahren konnten, hatten sich zu einem gemütlichen Campingurlaub hinreissen lassen. Bei 20 Leuten vor Ort kann man schon fast von einem Familienurlaub sprechen.

Der Samstag begann mit nasser Piste. Ich hatte mir zwar Regen gewünscht, weil ich endlich mal mit Regenreifen fahren wollte. Allerdings hatte es schon wieder aufgehört zu regnen und ich scheute den Aufwand Reifen umziehen zu lassen. Obwohl nur einige im Regen ihre Pipos spazieren fuhren, war die Stimmung in der Box trotzdem prächtig. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass der regnerische Vormittag ein bißchen was von einer Orgasmusverlängerung hatte – rezeptfrei. Als die Piste dann endlich trocken war, kam der Point of No Return. Kennt ihr das? Irgendwann kann man nichts mehr kontrollieren, sondern es muss einfach raus. Jetzt! Gehirn ausschalten und geniessen!
So kam es dann, dass alle fussscharrend auf den Beginn des ersten richtigen Turns warteten und draussen auf das Zeichen zum Start schielten, um dann schnell die Reifenwärmer abzuziehen und den Helm aufzuziehen, um dann am Kabel zu ziehen. Just in diesem Moment begann es von oben wieder zu tröpfeln. In diesem Augenblick wären zu jedem Zeitpunkt der Saison alle Mundwinkel nach unten gegangen und man hätte noch einen Turn gewartet. Nicht so bei der Saisoneröffnung, nicht so an diesem Wochenende in Oschersleben. Point of No Return! Kurzer Blick in die Augen der versammelten Crew, alle hatte das weisse schon in den Augen. Wen stören schon so ein paar Tropfen auf dem Visier…

Und so zottelten wir dann bei vermutlich drei Grad Asphalttemperatur, aber breitem Grinsen unterm Helm über die Piste. Wunderschön. Erleichternd. Die Bewegungen noch ein wenig unkoordiniert. Aber das gab sich in den nächsten Turns mehr und mehr.

Beim letzten Turn des Tages ließ mich meine Daytona plötzlich im Stich. Ich konnte sie anschalten, aber nach einem Druck auf den Startknopf gingen alle Lichter aus. Feierabend. Hat mich aber auch nicht aus der Ruhe gebracht. Ich habe mich sogar darüber gefreut, dass es beim letzte Turn des Tages passiert ist. So hatte ich genügend Zeit die Fehlerursache zu finden. Die war schnell in der Batterie gefunden. Die lange Standzeit hatte eben doch Tribut gefordert. In den letzten anderthalb Jahren wurde die Daytona ja nur ca 400 km in Brünn bewegt. Da darf dann auch mal eine Batterie kaputt gehen. Die Spannungshöhe war zwar eigentlich in Ordnung, aber beim Start wird eben auch etwas mehr Power gefordert und diese konnte die Batterie wohl nicht mehr liefern.
Glücklicherweise hatte Andi ein Batterieladegerät dabei. Ist ja auch klar – er fährt schließlich Japaner. Über Nacht geladen und am nächsten Morgen konnte es weitergehen.

Vorher gab es aber noch ein gemütliches Grillen und gemeinsame Überlegungen, wie man andere langsamer und sich selbst schneller macht. Leider konnten wir Andi nicht für langsammachende Apfelkornschorle gewinnen, stattdessen stibitzte er sich Sekundenpilze vom Grill. Dabei grinste er diebisch und zählte vor: 1.41, 1.40, 1.39 und 1.38 – vier leckere Pilze. Ich nehme die Pointe gerne vorweg: die 1.38 hat er tatsächlich geschafft. Nächstes Mal gibt’s bestimmt Pilzpfanne für alle…

Der Sonntag morgen begann kalt und trübe. An vielen Moppeds konnte ich sehen, dass statt die Reifen zu wärmen lieber die Handschuhe gewärmt wurden.
Aber um 10:45 Uhr ging die Sonne auf. Der Asphalt war aber natürlich immer noch kalt. So kam, was kommen musst – das Medical Car hatte einige Einsätze. Leider auch für einen Mitstreiter unsere Box. Nach der Hotelkurve hatte er mittels Highsider seine R6 in die Bördesonne katapultiert. Als er vom Krankenwagen zur Box gebracht wurde, hüpfte er auf einem Bein zu seinem Laptimer und zeigte stolz auf das Display: 1:47.80 – persönliche Bestzeit und für den ersten Besuch in Osche aller Ehren wert. Gute Grundeinstellung! Ich wünsche baldige Genesung. Diese wurde durch hilfreiche Fragen eingeleitet. Wie zum Beispiel: “Was ist das Beste, was Du mit einer R6 machen kannst? Richtig: wegschmeissen!” Den Spruch musste er gefühlte 10 mal hören. Ich darf aber stolz verkünden: ich war der Erste! Wenn ich helfen kann, bin ich eben immer gerne dabei. Das gilt aber eigentlich für alle Mitracer und macht die tolle Gemeinschaft aus.
Für mich gab es zum Beispiel die tollen Tipps, wie ich es vermeiden könnte immer Letzter zu werden – einfach beide Arme rechts und links ausstrecken und schon könnte mich keiner mehr überholen. “Calamari-Gröni” hörte ich sie spotten. Mir war’s egal. Nach anderthalb Jahren wieder in Oschersleben und in der Zwischenzeit vielleicht 500km gefahren und mit Slicks, die ein Jahr alt auch schon in Brünn drauf gewesen waren, habe ich es geschafft meine damalige Zeit bis auf 2 Sekunden wieder zu erreichen. Und damals waren bessere Bedingungen. Und damals war ich körperlich wesentlich fitter. Damals wie heute hatte ich mir mit meinem lieben Freund Akeem nette Duelle auf niedrigem Niveau geliefert – und ihn diesmal ausgerechnet an meiner Sturzstelle ausgebremst. Und ich war mit seinem Sprit unterwegs!

Nach diesem Wochenende habe ich jedenfalls wieder Lust aufzuzünden. Und das ist doch das Ziel einer Saisoneröffnung. Von daher: der Einstieg in die Saison 2009 ist geglückt.
Danke an alle, die dabei waren. Ihr seid klasse!

Eine kleine Diashow gibt es nach dem Klick!













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Kategorie: Racingtime

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Ein Kommentar

  1. Sehr schön wieder gegeben was da gelaufen ist. Das hast du echt drauf.

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