Quentin Tarantino “Inglourious Basterds”
7. August 2009 | 3376x gelesen
Zwei Wochen vor dem offiziellen Start vom neuen Quentin Tarantino Film “Inglourious Basterds” hatte ich das seltene Vergnügen in einer speziellen Vorab-Vorführung Gast sein zu dürfen.
Zwei Dinge vorab: ich bin kein Filmkritiker, aber Tarantino Fan. Und jeder kann gefahrlos diesen Beitrag lesen, denn ich habe keine Spoiler eingebaut.
Es war wirklich etwas besonderes mit nicht ganz 100 handverlesenen Leuten in einem mittelgroßen Kinosaal zu sitzen. Kein Popcorngeknabber, kein Chipstütengeknister, keine Werbung, keine Trailer – statt dessen gespannte Atmosphäre, persönliche Begrüßung durch einen Vertreter des Verleihers Universal und echtes Interesse aller Anwesenden an fast drei Stunden Film.
Dafür bekamen wir das Vergnügen eine sehr frische Kopie des Films zu sehen. Da Tarantino seine Filme als echte 35mm Filme zeigen läßt, ist das durchaus wichtig und sichtbar. Außerdem konnten wir erfahren, dass in Deutschland der Film in einer Sonderfassung gezeigt wird. Das bedeutet, dass der Film ca. 2 Minuten länger ist. Die hinzugekommene Szene wurde vermutlich deswegen nur für Deutschland eingebaut, damit Til Schweiger noch einen Satz mehr in dem Film hat. Ich persönlich finde die Szene aber stimmig und würde meiner Meinung nach in allen Fassungen Sinn ergeben, aber Tarantino hat da sicherlich eine spezielle Sicht.
Apropos stimmig: Ich finde an dem Film stimmt wahnsinnig viel. Die allermeisten Filme habe ja mehr oder weniger viele Unstimmigkeit, Brüche oder nicht wirklich nachvollziehbare Charakterzüge. Dies kann ich an diesem Film wirklich nur an zwei Stellen ausmachen und das auch wirklich nur in ganz leichter Schattierung – sprich: es könnte so sein, aber mir fehlt ein Hauch an der Glaubwürdigkeit.
Ansonsten sind die Dialoge einfach perfekt – vor allem wenn es um den SS Oberst Hans Landa (gespielt von Christoph Waltz) geht. Nicht umsonst und meiner bescheidenen Meinung nach völlig zurecht ist Waltz zum Besten Darsteller beim Filmfestival in Cannes gewählt worden. Wie er diesen SS Schergen anlegt ist einfach grandios. Bei aller Freundlichkeit, die dieser “Mensch” an den Tag legt, ist die Bedrohung zu jeder Sekunde zu spüren. Das ist wirklich die beste und bestechenste Darstellerleistung, die ich seit langem gesehen habe.
Für die Qualität der Dialoge ist es auch prima, dass der Film nicht synchronisiert wurde! Keine Angst – erstens gibt es Untertitel, zweitens ist die Aussprache der Darsteller wirklich deutlich und gut zu verstehen und drittens spielen ja viele mit, die Deutsche spielen. Durch eine Synchronisierung wären einfach zu viele Details in den Dialogen und in der Sprachmelodie verloren gegangen.
Im Übrigen finde ich den Film typisch untypisch Tarantino. Untypisch, weil er relativ unblutig ist und mit relativ wenig Gewalt auskommt und typisch, weil schon die Idee des Films eigentlich nur von Tarantino kommen kann. Außerdem reißt er den Zuschauer mit unpassenden Elementen immer wieder raus, sobald man sich dabei entdeckt zu glauben in einem Dokumentarfilm zu sitzen. Und natürlich spielt das Kino selbst wieder eine große Rolle in seinem Film. Allein die erneute Andeutung an Kill Bill ist nicht ganz so subtil wie noch bei Death Proof.
Typisch an Filmen von Tarantino ist natürlich auch die Musik und da möchte ich die Fassung eines David Bowie Hits herausstellen. Selten hat Musik so gut zu den Bildern gepasst und wo Taratino diese Version des Bowie Songs ausgegraben hat, ist mir ein Rätsel. Hat Bowie das vielleicht neu für den Film eingespielt?
Fazit: Wer Tarantino mag, wird diesen Film lieben! Die Spannung wird über die lange Dauer des Films wie ich finde sehr gut aufrecht erhalten, auch wenn das Tempo natürlich variiert. Ich werde ihn mir noch mal anschauen, wenn der Film dann offiziell anläuft.




(3 Bewertungen, Durchschnitt: 4.33 von 5)


Friday, 7. August 2009
Da bin ich ja sehr gespannt! Überrascht war ich schon, dass Du den Film als “unblutig” beschrieben hast und “wenig Gewalt” darin vorkommen soll. Denn nach den Trailern, die ich bislang gesehen habe sah es doch eher aus wie ein Nazi-Splatter-Hack’n Slay-Film… Anscheinend ist es ja aber doch nicht so ein Streifen geworden, was mich nun wieder neugieriger macht.